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TU FAWNING - Ruhig mal schlecht drauf sein

Ein Quartett, das Rätsel aufgibt. Als Tu Fawning vor gut einem Jahr ihr Debüt ´Hearts On Hold´ auf die Indie-Welt losließen, fragten nicht wenige Journalisten, was das soll? Südafrikanische Drums, Schichten an Synthies und keinerlei Hooks sorgten bei den Betrachtern und Hörern für Fragezeichen im Kopf – kein Grund für das Quartett nicht genau so weiterzumachen und so schließt Werk Nummer zwei mit dem Namen ´A Monument´ nahtlos daran an: Nur schlechter gelaunt als der Vorgänger ist es geworden und das, aus gutem Grund.

Ein fürchterlicher Schnupfen des Autors sorgt an diesem Tag dafür, dass ein persönliches Treffen unter der spontanen Sonne Berlins nicht möglich ist – Tu Fawning-Frontfrau Corrina Repp scheint trotz des kurzfristig anberaumten Telefon-Interviews dankbar für das Gespräch.

„Ich bin kein Fan von solchen Varianten, aber es ist wichtig, dass man auf seine Mitmenschen Rücksicht nimmt und eine Erkältung kann ich mir gerade überhaupt nicht leisten“, lacht sie verlegen und spricht damit unbewusst zwei entscheidende Punkte in der Karriere ihrer Band an.

Zum einen gehören Tu Fawning eben nicht zu den Acts, bei denen allein eine Person das Sagen hat und andererseits sind die vier Mitglieder seit gut einem Jahr im Dauerstress. Immerhin verfolgte Repp bis zuletzt ihre Soloambitionen und Kollege Joe Haege ist nebenher noch mit den 31Knots aktiv.

Trotzdem stimmt es, was die Musik-Website Pitchfork zum Debüt ´Heart On Hold´ schrieb, denn es handelt sich bei Tu Fawning um weit mehr als die Summe der einzelnen Teile.

„Wenn ich es selbst erklären müsste, würde mir Folgendes auffallen: Joe ist der experimentelle Typ und ich die Songwriterin mit einem gewissen Spleen.“



Blickt Corrina Repp auf die Arbeitsweise der letzten Jahre zurück und betont, dass die Band aktuell bestens aufgestellt sei:

„Joe hatte lange vor Tu Fawning die Idee, dass wir beide etwas zusammen ausprobieren sollten. Es war keine Hauruckaktion, sondern geisterte in verschiedenen Formen längst durch unsere Köpfe.“

So entstand in Portland/Oregon eine musikalische Verbindung, die spätestens 2011 in deutschen Gazetten für Verwirrung sorgte – mit wilden Schlagzeug-Parts entsprach das Ganze weder der gängigen Elektronisierung des Independent, noch zitierte hier jemand das DIY-Prinzip der Strokes.

Mit ´A Monument´ findet der wunderbare Spuck seine qualitativ hochwertige Fortsetzung. Vom Instrumentarium her wurde alles beim Alten belassen, inhaltlich die Sache indes noch ein Stück dunkler verpackt als der Erstling „Hearts On Hold“ dies bereits war. Für Repp ein konsequenter wie richtungsweisender Schritt:

„Viele sind von der Grundstimmung irritiert und das kann ich verstehen“, bekräftig sie, „immerhin benutzen wir Kirmespauken und große Fanfaren, singen aber vom Ende der Hoffnung. Wie das zusammen geht, kann ich dir leider nicht erklären!“

Vielleicht zieht sich das Mysterium dieser Platte auch deswegen bis zum Albumcover fort: Auf dem die vier Tu Fawning-Mitglieder – neben Repp und Heage, ergänzen Liza Rietz und Toussaint Perrault das Quartett – vor einem verschleierten Gegenstand stehen, der wirkt, als habe jemand zwei Hunde in Stofffetzen gewickelt und eingeschnürt.

„Niemand von uns wird verraten, was sich darunter befindet“, kommt die Antwort auf die Frage, was es damit auf sich hat – „nur so viel: Es ist kein Tier oder irgendein anderes Lebewesen, dass wir dort versteckt haben!“

Wie könnte es auch sein, niemand würde Repp & Co. dies zutrauen.

Wäre doch nur die Erkältung nicht, man würde der quirligen Frontfrau bei ihren spitzfindigen Bemerkungen zu gerne in die Augen schauen. Tu Fawning haben sich mit ´A Monument´ frei geschwommen: Wo ´Hearts On Hold´ zu sehr dem Kopf des Hörers verschrieben war, trifft ´A Monument´ einen direkt ins Herz.

Die Verwunderung wird weitergehen und das Schöne daran, die Musik darin.

Aktuelles Album: A Monument (City Slang)
© 01. Mai 2012  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Jaclyn Campanaro
Mai 2012

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