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GEMMA RAY - Detektive im Nebel

Seit der Veröffentlichen des letzten Gemma Ray Albums mit eigenem Material, „Lights Out Zoltar“, sind drei Jahre ins Land gegangen – was für eine umtriebige Künstlerin wie Gemma eine halbe Ewigkeit ist. Aber bei den Aufnahmen zum neuen Album spielten die Umstände eine große Rolle.

„Als dieser Vulkan in Island hochging, war ich in Australien gestrandet“, erzählt Gemma, „ich bekam dann dort von einem Publisher das Angebot, ein Studio nutzen zu können, um die Zeit totzuschlagen und darüber war ich natürlich sehr glücklich, denn man bekommt nicht so häufig kostenlose Studiozeit. Ich schreibe sowieso ständig Songs und nahm also welche auf, die ich gerade geschrieben hatte. Ich hatte dann das Glück, dass ich später im Jahr das Studio noch ein mal angeboten bekam und es mir möglich war, das Album dort auch fertigzustellen. Die Aufnahmen hatte ich dann schon Anfang 2011 fertig, aber das Abmischen dauerte sehr lange – nicht weil es so schwierig war, sondern weil ich die Termine dafür in Australien koordinieren musste. Ich bin ja eigentlich sehr ungeduldig, muss aber sagen, dass diese Erfahrung sehr positiv für mich war, weil ich mir eine Menge Zeit mit den Songs nehmen konnte. Ich hatte über 20 Songs aufgenommen, von denen ich nun die aussuchen konnte, die den Zeit-Test bestanden hatten und über die ganze Zeit mein Interesse erwecken konnten.“

Nun sind die neuen Songs Gemmas etwas komplexer, poppiger und vielschichtiger geraten, als ihre bisherigen Arbeiten. Unter anderem spielte sie erste Mal mit einer ´richtigen´ Band und setzte Orchesterpassagen ein. Was treibt sie eigentlich an, sich immer wieder neu zu positionieren?

„Das scheint mir eine gewisse Neugier und eine echte Faszination für die Musik zu sein“, antwortet sie, „ich möchte dabei möglichst unvoreingenommen und naiv an die Sache herangehen. Es scheint mir wichtig, mich dabei in einen Nebel des Geheimnisses zu hüllen. So habe ich erst neulich die Namen der Akkorde zum ersten Mal gelernt – bis dahin habe ich eher intuitiv gearbeitet. Das fällt mir aber nicht weiter schwer, denn schon als Kind habe ich jeden Tag irgend etwas kreieren müssen. Als ich dann die Musik für mich entdeckte, war mir klar, dass das Vehikel sein würde, das mich weiter bringt. Der Trick ist dabei, sich eine kindliche Naivität zu bewahren. Und man darf nie dieselbe Sache zwei mal machen, auch wenn es schon klar ist, dass man nichts wirklich Neues erschaffen kann. Meine Musik selbst ist ja nicht so experimentell, aber der Gedanke an den Prozess des Experimentierens ist das, was mich morgens aus dem Bett bringt und mir hilft, etwas zu erschaffen.“

Spielt der Zufall dabei eine große Rolle oder geht es um Kontrolle?

„Ich heiße definitiv Schicksalsfügungen willkommen“, meint Gemma, „das ist ein wenig so, sich wie ein Detektiv durch die Musik zu kämpfen. Wenn ich einen Song beginne, habe ich so eine Art Flash mit einer Vision, wie er möglicherweise klingen sollte. Ich lasse mich da aber gerne treiben und bin offen für alles, was sich ergibt, bevor ich auf den Aufnahmeknopf drücke.“

Was ist das im Titel besungene „Inselfeuer“?

„Also die Insel, um die es geht, ist meine ganz persönliche Insel“, ,meint Gemma, „es gibt eine Menge Bedeutungen – ich habe in Australien, auf einer kleinen norwegischen Insel und in Berlin aufgenommen - das sind für mich alles Inseln. Und das 'Feuer' ist halt ein wiederkehrendes Thema auf dem Album. Ich mag die Idee von diesem mythischen Ort, dieser alternativen Welt, wo die Songs alle zusammen leben konnten.“

Dahin zu gelangen ist nicht allzu schwierig: Man braucht sich nur von Gemmas Musik – auf CD oder besser noch bei den Live-Auftritten – leiten zu lassen.

Aktuelles Album: Island Fire (Bronze Rat/Soulfood)
© 01. Mai 2012  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2012

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