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KEITH TOTP - Großmäulig, oder was?

Am 17. August erzitterte der Musik-Pub The Monarch im Londoner Stadtteil Camden unter dem Donnerhall von 20 Musikern. Elf davon waren Gitarristen, sieben waren Bläser und dann tönten da noch ein Schlagzeuger und ein Sänger. Und dieser Sänger, das ist der Verrückte, der für dieses Musikbeben verantwortlich ist. Sein Name: Keith Top Of The Pops. So hieß die legendäre, mittlerweile leider eingestellte TV-Charts-Show britischer Herkunft. Wird da ein großmäuliger Anspruch formuliert? Oder ist das Humor à la Monty Python? Oder was?

Der Ärgerimpuls

Keith TOTP grinst sich eins. Breit und fett. Auch ansonsten ist er kein Hänfling, eher ein Bär von einem Man. Und ein Jungspund ist er mit 32 Jahren auch nicht mehr. Als der Spross einer Tintenfarbenherstellerdynastie mit 18 Jahren nach London zog, widmete er sich zunächst einer Ausbildung als Toningenieur. Trat später auch als Produzent auf, etwa für die erste Art Brut-Single.

„Ja, ja, das stimmt schon alles“, erklärt er, „aber ich habe immer schon Stücke geschrieben. Angetrieben wurde ich dabei von der Musik von Oasis oder von der Indie-Pop-Band Hefner.“

Um seine kreativen Ambitionen auch außerhalb seines Studios auszuleben, mimt er den Teilzeit-Gitarrist bei The Indelicates. Einer Band, die sich musikalisch zwischen Noiserock bewegt und vor allem für ihre zynischen Texte bekannt ist.

„Aber ich wollte immer mehr. Was Eigenes“, bekräftigt Keith TOTP. So tut er sich mit einem Schlagzeuger zusammen und beginnt seine Stücke zu spielen. „Davon gab es inzwischen ganz viele auf Halde“, erzählt er, „alle sind entstanden, weil ich mich über irgendetwas brutal geärgert habe. Das geht nach dem Ärgerimpuls auch ganz schnell. Ich habe nie länger als zehn bis 15 Minuten an einem Lied gesessen. Ich habe auch nie in ein Mobiltelefon gesungen, gepfiffen oder was weiß ich, wenn mir eine Stückidee kam. Ich habe da meinen Hirn komplett vertraut. Es hat die schlechten Ideen vergessen und die guten fein säuberlich abgespeichert“



Fuck you ...

Der Unmut von Keith TOTP manifestiert sich dann auch in rüpelhaften Stücktiteln, wie ´I Hate Your Band´ oder ´Go away´ und nicht zuletzt im titelgebenden Stück der Platte ´Fuck You! I’m Keith TOTP.´Das Plattencover ziert Keith TOTP höchstselbst und schleudert dem Betrachter den Stinkefinger entgegen. Wer so dreist auftritt, der gibt sich natürlich nicht damit zufrieden, nur einen Schlagzeuger an seiner Seite zu haben. Keith TOTP fährt für die Aufnahmen seine Minor UK Indie Celebrity All-Star Backing Band auf.

„In dieser Band hat jeder Künstler Platz, der mich mit seiner Arbeit bisher nicht zu Tode langweilte“, keift er. Und so schafft er es so veritable Gastmusiker wie We Are Scientists, Art Brut, The Blood Arm, Carter USM, Robots In Disguise oder The Indelicates für sein Debütalbum zusammenzutrommeln. Am Ende steht ein Album voller Stücke, die meist daherkommen wie eine Orkanböe. Doch hier und da kommt sogar Keith TOTP’s weiche Seite zum Vorschein. Beispielhaft dafür stehen ´Try Your Best´ oder ´What’s On Your Mind.´ Bei letzterem Stück werden die Herzschmerz-Momente durch die Stimme von Sarah Nixey veredelt. Normalerweise ist sie für Black Box Recorder tätig. Wie die restlichen Stücke des Albums auch, wurde dieses Lied gleich im ersten Anlauf aufgenommen. Bei Keith TOTP muss es eben schnell vonstatten gehen. Kein unnötiger Zeitaufwand. Kein überflüssiger Stress. Was der raue und manchmal kantigen Charme, den die Stücke versprühen, jedoch absolut dienlich ist.

Auch auf den Livebühnen muss es opulent sein. Auf Tour kann es schon mal vorkommen, dass Keith TOTP gleich seinen ganzen musikalischen Freundeskreis auf die Bühne zitiert: 25 GitarristInnen war bisher der Rekord! Und dies geschieht nach zwei Regeln: Keine Soundchecks und vorher geprobt wird schon mal gar nicht. In Deutschland wird er im Herbst The Blood Arm begleiten. Da darf man jetzt schon mal gespannt sein, was sich da auf der Bühne abspielen wird.

Aktuelles Album: Fuck You! I’m Keith TOTP (Corporate Records)
© 01. September 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
September 2011

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