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ESBEN AND THE WITCH - Keine Hexerei

Esben And The Witch ist ein betont düsteres und blutiges skandinavisches Märchen, nach dem sich ein junges Trio aus Brighton benannt hat – einfach weil das gut klingt. Es gibt also weder einen Esben noch eine Hexe in der Band. Wohl aber Düsternis und Blut. Denn Rachel Davis und ihre Jungs haben sich der Vertonung rabenschwarzer musikalischer Nachtschattengewächse verschrieben und nennen ihre Musik nicht untreffend „Nightmare Pop“.

„Ja, aber das Komische ist, dass wir selbst das gar nicht als so düster betrachten“, führt Gitarrist Dan das aus, „wir finden eine Art Katharsis, Erfüllung und sogar Freude darin, diese Themen auszuloten. Am Ende liegt es aber am einzelnen Zuhörer, was er daraus macht. Es ist auch nichts, was wir bewusst anstreben – aber wir versuchen auch nicht, es zu vermeiden.“

Auf jeden Fall sind es ungewöhnliche Themen, die Esben And The Witch abhandeln.

„Wir finden diese einfach faszinierender. Es ist ungleich befriedigender, über Themen zu singen, die ein wenig rätselhaft sind, als über solche, die normalerweise behandelt würden. Wenn man ein Thema gefunden hat, das man quasi als erster erkundet, dann fühlt man sich diesem auch wesentlich verbundener als offensichtlichen Themen. Das Ungewöhnliche ist tatsächlich etwas, was wir dann auch bewusst anstreben.“

Das Ganze lässt sich auch nahtlos auf die Musik von Esben And The Witch übertragen. Obwohl das Ganze durchaus der Dunkelmeier-Ecke zuzurechnen ist, klingen die Elaborate der Band doch sehr eigenständig. Es gibt hier durchaus Passagen, die es so einfach noch nicht gegeben hat. ´Ungewöhnlich´ wäre auch hier das richtige Attribut, dieses zu beschreiben.

“Das mag alles damit zusammenhängen, dass wir gar keine ausgebildeten Musiker sind", erklärt Dan, „es ist also eine gewisse Naivität, die da ins Spiel kommt, denn unsere Fähigkeiten als klassische Musiker sind beängstigend limitiert. Der Hintergrund ist dabei ziemlich banal: Im Prinzip wollten wir alle drei immer nur Geräusche machen, die wir in unseren Köpfen hatten – Rachel mit ihrer Stimme und wir mit unseren Instrumenten. Das erlaubt uns aber, auch frei und unbefangen an die Sache heranzugehen – einfach weil wir keine Angst haben, etwas auszuprobieren oder Respekt vor irgendwelchen Regeln – weil wir diese gar nicht kennen. Das ist sehr befreiend.“

Als Zuhörer glaubt man, an diesem musikalischen Entdeckungsprozess beteiligt zu sein – besonders beim sehr intensiven Live-Vortrag.

„Das ist gewiss auch so, denn wir mögen es sehr, live zu spielen, weil wir da mit den Songs immer wieder eine neue Verbindung aufnehmen können“, berichtet Dan, „denn wenn man einen Song im Studio aufnimmt, verliert man in dem Prozess des Einspielens, Schichtens, Veränderns und Mischens nämlich die Intensität, die einen ursprünglich angetrieben hat. Wenn man aber nur eine halbe Stunde oder so hat, um sich einem Publikum vorzustellen und sich zu präsentieren, dann gewinnt man dieses Gefühl wieder zurück.“

Wie entsteht denn Musik wie jene von Esben And The Witch? Im klassischen Sinne komponieren kann man so etwas ja nicht.

„Der Anfang ist immer das, was den Song inspiriert“, verrät Dan, „von da an entwickelt die Sache aber dann ein gewisses Eigenleben und kein Song endet da, wo er begonnen hat. Das kann manchmal ganz schön lange dauern, weil wir nicht immer wissen, wie wir das, was wir uns vorstellen, erreichen können. Wenn wir es dann aber mal herausgefunden haben, ist es umso befriedigender.“

Und das wichtigste dabei: Der Zuhörer ist bei dem ganzen Prozess mit dabei. Esben And The Witch sind also tatsächlich eine Band, mit der man sich mal wieder beschäftigen kann.

Aktuelles Album: Violet Cries (Matador / Beggars / Indigo)
© 01. Februar 2011  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Angel Ceballos
Februar 2011

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