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CIRKUS - Der Cirkus kommt in die Stadt

Es wäre CirKus sicherlich leichtgefallen, ein lupenreines Popalbum zu produzieren, aber das wollte das Quartett, zu dem mit Cameron McVey alias Booga Bear und Neneh Cherry zwei Leitfiguren des TripHop-Wunders zählen, schlicht und ergreifend nicht. Stattdessen setzten sie gemeinsam mit den Newcomern Karmil als Produzent und Lolita Moon als Sängerin auf echtes Bandgefüge, schleppende Downbeats und ergreifende Melancholie zwischen HipHop, Folk, Rock und Electro-Pop.

„Laylow“ hieß ihr Anfang des Jahres auch in Deutschland veröffentlichtes Debütalbum, das ob seines Hangs zum Understatement leider ein wenig unterging. Während die Band im Senegal mit Youssou N'Dour an dessen kommender Platte arbeitete, entstand - praktisch nebenbei - eine neue Version des CirKus-Albums, „Laylower“ nennt sich die runderneuerte Version, die Anfang November in die Läden kommt.

„Das Schöne ist, dass ein Track praktisch nie fertig sein muss - du kannst ihn immer wieder verändern, so wie du gerade magst!“, erklärt Cameron, der sich nun Burt Ford nennt, im Gespräch mit der Westzeit die Idee hinter den Veränderungen, die nun die Energie und die Rock-Anleihen der Liveshows des Quartetts in den Mittelpunkt rücken.

Wer sich davon selbst überzeugen möchte, hat Mitte November die Chance dazu, wenn CirKus für eine Handvoll Shows in Frankfurt, München, Köln, Hamburg und Berlin in unseren Breiten Station machen werden. Langwierige Proben brauchen die vier vor der Gastspielreise übrigens nicht, wie Neneh erklärt:

„In erster Linie geht es bei den Proben für die Liveshows darum sicherzustellen, dass wir wissen, was wir tun. Dann können wir relaxen und uns erst richtig auf die Musik einlassen, und uns auf der Bühne in ihr verlieren und uns treiben lassen. Bisher hat das auch wunderbar geklappt, und ich hatte nur einen Abend, an dem ich das Gefühl hatte, das alles schiefging.“

Burt ergänzt: „Das Witzige daran ist, dass wir dich nachher alle angeschaut haben, als hättest du den Verstand verloren, denn für den Rest von uns war das so ziemlich die beste Nacht der gesamten Tournee!“

„Laylow“ und „Laylower“ gemein ist ein Sound, der, teils handgemacht, teils elektronisch, Nenehs Vergangenheit ebenso streift wie die düsteren Seiten der früheren Booga-Bear-Schützlinge Massive Attack und Tricky und an anderer Stelle bereits Vergleiche mit Erykah Badu inspirierte. Bisweilen rau und ungeschminkt, aber genau deshalb - angenehm anders. Angenehm anders ist auch die Sichtweise der Band zum Musikbusiness. Anstatt jegliche illegale Downloads zu verdammen, hat Cameron eine differenzierte Meinung zu diesem Thema:

„Der Vorteil heute ist, dass du online so viel Musik klauen kannst und das sogar noch rechtfertigen kannst, wenn du bereits eine Menge Platten von dem betreffenden Künstler gekauft hast. Dass man sich ein paar Extratracks irgendwo herunterlädt, ist völlig in Ordnung, solange man sich das Album oder zumindest ein paar Konzertkarten gekauft hat!“

Aktuelles Album: Laylower (Tent Music / Groove Attack)
© 01. November 2007  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
November 2007

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