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LAND OF TALK - Reden ist Schweigen und Silber ist Gold

Kanada - und das sollten aufmerksame Musikfreunde langsam wissen - bietet seit Jahren einen schier unerschöpflichen Fundus an jungen, unverbrauchten Acts mit frischen Ideen und originellen musikalischen Ansätzen. Ganz besonders vielseitig ist die Szene in Montreal, wo es eine Unmenge an Bands gibt, die alle total unterschiedlich klingen. Land Of Talk, das energische Indie-Rock-Trio um die quirlige Frontfrau Elizabeth Powell, gehört auch mit dazu. Elizabeth ist die Tochter der ersten kanadischen Alligatoren-Dompteuse - wenngleich das ja eigentlich noch kein Grund ist, eine Rockband zu gründen …

Warum ist Elizabeth Powell überhaupt Musikerin geworden?

„Also ich komme nicht aus einer musikalischen Familie“, räumt Elizabeth, die auch die Songs für Land Of Talk schreibt, ein, „meine Eltern sind definitiv nicht musikalisch und mein Bruder ist ein Schauspieler - das ist es aber auch schon. Ich weiß also gar nicht, woher meine Neigung eigentlich kommt. Wahrscheinlich rührt sie daher, dass für mich als Teenager, das, was am meisten Sinn gemacht hat, die Punk-Rock-Shows in meiner Stadt waren. Es ging dabei weniger um die Musik als um die Gemeinsamkeit mit den anderen, dieses Zusammengehörigkeits-Gefühl. In einer Band zu sein, war eine gute Methode, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten, eine Leidenschaft zu teilen, sich mitzuteilen. Im Alter von 12 oder 13 hat man ja ansonsten nicht so viele Dinge, die man leidenschaftlich tut. Wie gesagt: Die Musik war das einzige, was Sinn machte.“

Nicht dass Land Of Talk heutzutage noch Punk spielten. Stattdessen hat sich das Trio der Rockmusik verschrieben. Diese hat sich Lizzie quasi selber ganz intuitiv beigebracht - was auch die Struktur ihrer Songs erklärt.

„Ja, denn ich versuche immer zunächst, mit der Stimme eine Melodie vorzugeben und erst dann herauszufinden, welche Noten ich dafür eigentlich brauche“, erklärt sie, „ich habe zwar eine Ausbildung als klassische Violinistin begonnen - aber ohne Noten zu lesen, sondern mit der Suzuki-Methode durch Zuhören. Nun, ich war da nicht besonders gut und habe es nur bis zur zweiten Geige gebracht. Mein Geigenlehrer hat mir damals den guten Tip gegeben, dass ich einfach meinen Geigenbogen weiter bewegen solle, wenn ich nicht wisse, an welcher Stelle der Partitur sich das Orchester befand. Das habe ich mir gemerkt - obwohl das bei einem Rock-Trio ja nicht so einfach geht…“

Zumal es dort keine Geigen gibt. Die Stärken von Land Of Talk liegen aber sowieso wo anders. Zum Beispiel beim organischen Live-Sound, der auch auf ihrer Debüt-CD „Applause Cheer Boo Hiss“ adäquat eingefangen wurde, wie Lizzie berichtet:

„Ja, die Scheibe bietet eine ziemlich akkurate Momentaufnahme unseres Tuns“, erklärt Lizzie, „ich höre meine Musik ja normalerweise nicht selber an, aber die Leute haben mir gesagt, dass unsere Live Shows wie die Scheibe klängen. Schließlich habe ich mich doch einmal dazu durchgerungen, mir unsere Musik anzuhören, und dann festgestellt, dass es stimmt: So klingen wir wirklich - und darauf bin ich auch ein wenig stolz.“

Bands wie Land Of Talk hat es immer gegeben und es wird sie auch immer geben: Junge Leute, die den Rock & Roll für sich entdecken (und zum Teil neu erfinden) und Spaß dabei haben. Das ist auch der einzige Anspruch, den Land of Talk haben:

„Wir haben keine Botschaft, außer der, dass die Leute Spaß an unserer Musik haben sollen“, erklärt Lizzie. Und da gibt es wahrlich schlechtere Gründe, Musik zu machen …

Aktuelles Album: Applause Cheer Boo Hiss (One Little Indian / RTD)
© 01. November 2007  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
November 2007

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