interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
LOGH - Der Einfachheit halber

Es ist die Einfachheit und die Logik der Ausführung, die das neue Logh-Album zu etwas so Besonderem macht. Und auch, wenn man eher sagt, dass Spontaneität dem Geplanten eher vorzuziehen sei - es kann auch beides auf einmal existieren und gut miteinander harmonieren. Das Vorhaben, ein Album an einem Tag und live einzuspielen, ist sicherlich hart und bedarf einiger Vorbereitung, wenn das Ergebnis allerdings - wie in diesem Falle - so echt klingt und es letztendlich auch ist, lohnt sich allein der Plan bereits.

Mathias Friberg, Kopf der eigentlich nur aus vier Leuten bestehenden Band, wirkt seelenruhig. Die beiliegende DVD des neuen Albums „ A Sunset Panorama“ zeigt, was man nicht für möglich halten möchte und wenn man es sieht, ist es gleich doppelt schön: Die Band und eine handvoll Mitmusiker nimmt das Album komplett live auf, alle hocken zusammen im gleichen Raum, hören und spüren sich selbst agieren und aufeinander reagieren. Ein Zauber, der von einfacher Kameraführung und warmen Bildtönen gestützt wird. 10 Stunden hat das Ganze gedauert und lediglich der Gesang musst aufgrund zu vieler Störgeräusche nachträglich noch einmal aufgenommen werden. „Wir haben dafür fast ein halbes Jahr geprobt, und das war eine einzige Herausforderung.“ Denn obwohl die Aufnahmesituation mit der eines Konzertmitschnitts vergleichbar ist, sind hier die feinen Nuancen, die im Mix gut herausgearbeitet werden können, wesentlich schwieriger zu bearbeiten. „Bei Musik geht es darum, Atmosphären aufzubauen, und dies war eine gute Möglichkeiten, ein Live-Feeling zu erschaffen, ohne es tatsächlich in der exakt identischen Situation zu spielen. Bei gängigen Overdub-Aufnahmen kann man das Konstrukt oft heraushören, bei Live-Aufnahmen ist das Gefühl besser zum Hörer transportierbar.“ Versetzt man sich in die Lage des Musikers und denkt über dieses Vorhaben nach, möchte man meinen, dass es nach eben einem halben Jahr Proben ein Leichtes gewesen sein muss, von jeder Nummer ein paar Takes auf Band zu bannen und später den Besten auszuwählen. Aber auch hier wurde limitiert. „Wir hatten einfach nicht genug Bandmaterial, also mussten wir uns auf zwei, maximal drei Takes beschränken und direkt im Nachhinein entscheiden, ob wir diesen behalten wollten, weil wir sonst hätten zurückspulen müssen.“ Und da das überwiegend an den visuellen Resourcen lag, ist das, was man auf der DVD sieht, auch tatsächlich das, was man hört. Der Schlüssel zum Ergebnis ist sicher das feine Arrangement-Geflecht, welches einzigartige Magie verströmt und eine geheimnisvolle Gleichberechtigung verbreitet. „Früher haben wir viel darüber gestritten, aber wir haben gemerkt, dass uns das nicht viel bringt. So sind wir alle viel offener geworden und haben uns damit selbst keinen Stress gemacht, denn sicherlich wird nach wie vor diskutiert. Wir sind allerdings als Musiker gemeinsam gewachsen und sind uns eigentlich sehr oft einig. Wir selbst finden all das ziemlich phänomenal, dass wir uns so gut kennen und damit auch unsere Fähigkeiten und Grenzen, und wir wissen auch, wo das alles hingehen soll. Wir haben Struktur und sind uns dieser auch bewusst.“ So ist dann die Strategie, mit der Logh ihren eigenen Songs begegnen, oftmals das Geheimnis. „Wenn wir einen Song anfangs spielen, ist er meist ein wirres Nichts. Dann nehmen wir Sachen hinzu, die ihn hörbar machen. Wenn wir dann wissen, wo der Song hin will, formen wir ihn, damit er als Ganzes klingt.“ Wenn doch nur alles so einfach wäre...

Aktuelles Album: A Sunset Panorama (Bad Taste)
Weitere Infos: www.logh.se
© 01. März 2005  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
März 2005

Links

suche