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SONS OF JIM WAYNE - Beyond Ruhrpott

So unumstößlich wie „Dinner For One“ zu Silvester ist die Tradition noch nicht, dennoch veröffentlichen Bernd Uebelhöde und Stefan Kullik mit „Blackie’s Bone“ ihr inzwischen drittes Album im Jahresrhythmus. Stilistisch bleiben sich die Sons Of Jim Wayne treu, mixen auch weiterhin uramerikanische Volksmusik – Country, Folk, Bluegrass – mit rauem Ruhrpott-Charme aufs Vortrefflichste und gehen dennoch neue Wege. So gaben die beiden Herren aus dem wilden West(fal)en für die neue Scheibe die lang gehegte Tradition auf, ihre Platten komplett im eigenen Wohnzimmer einzuspielen – wenn auch nur dem Produzenten zuliebe.

„Unser Produzent und [inoffizielles] drittes Bandmitglied Oliver Zülch wollte die Basictracks der CD unbedingt im Studio aufnehmen“, erklärt Stefan im Westzeit-Interview. „Als wir ihm eröffneten, dass wir kein Geld für so etwas haben, hat er kurzerhand die Kosten übernommen. Daran kann man sehen, wie viel Idealismus hinter dem ganzen Projekt steht!“ Doch während bei vielen anderen Bands Idealismus oft nicht mehr bedeutet, als dass das Können für Größeres fehlt, sind die Sons mit ehrlicher Handarbeit weiter auf dem Vormarsch - auch dieses Mal wieder with a little help from their friends. „Wir haben so viele gute Musiker um uns herum, deren Freundschaft wir mit diesen Einladungen dokumentieren wollen“, erklärt Stefan. Es wird den Sons auf Dauer also nicht einfach ein bisschen einsam zu zweit? „Noch nicht! Wir warten eigentlich auf den Tag, an dem wir uns gegenseitig auf’s Maul hauen, und sind selbst verwundert, dass das noch nicht passiert ist. Liegt wahrscheinlich daran, dass wir in der Vergangenheit mit viel komplizierteren Freaks, als wir selbst es sind, zusammengearbeitet haben.“
Auf der neuen Scheibe sind es vor allem die klassischen Singer/Songwriter-Stücke, mit denen das Duo das musikalische Spektrum der ersten beiden Alben noch erweitert und seine Rockwurzeln deutlicher denn je durchscheinen lässt. Ein Fingerzeig für die Zukunft? „Unser beider Maxime ist: Jeder kann seine Songs im Rahmen des akustischen Gewandes verwirklichen“, erwidert Stefan, „egal, ob es nun ein bluegrassiges oder ein eher folkiges Singer-/Songwriterstück ist. Sobald Bernd sein Banjo malträtiert, bekommt das Ganze einen Bluegrass-Charakter. Ich persönlich liebe diese Nummern und sehe sie als gewichtigen Punkt in unserem Schaffen. Allerdings ist das Banjo immer sehr einnehmend, und ein ganzes Banjo-Album kann ich mir nicht vorstellen. Bei einer Geige ist es genau das Gleiche. Für mich verliert sie ihren Reiz, wenn sie in jedem Stück auftaucht.“ Abwechslung heißt auch Risiko, und deshalb ist „Blackie’s Bone“ zwar keinen Deut schlechter als das fast nicht zur toppende Vorgängerwerk, aber nicht unbedingt die Platte, die man erwarten durfte. „Während ‚Best Make Up Is A Smile’ für mich wie aus einem Guss klingt, hat ‚Blackie’s Bones’ ein paar mehr Ecken und Kanten“, stimmt Stefan zu, erklärt aber auch gleich, warum das so wichtig war: „Das ist die gewisse Schüppe Dreck, die eine Platte braucht. Der Senf auf der Wurst sozusagen.“ Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Im März und April gehen die Sons wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Auf der Bühne stehen und live spielen. Beyond Ruhrpott!
Weitere Infos: www.sonsofjimwayne.com
© 01. März 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Tanja Zülch
März 2005

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