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BILLY CHILDISH AND THE BUFF MEDWAYS - Für immer Kult

Wie er es gemacht hat, weiß niemand so recht. Jedenfalls ist es ein Wunder, dass Billy Childish trotz einer Karriere, die mittlerweile rund 25 Jahre andauert und in der er seine Talente auf Hunderten von Platten verewigt hat, nie über Kultstatus hinausgekommen ist. Dennoch setzt der urige 43-Jährige - früher in legendären Bands wie The Pop Rivets, The Milkshakes oder The Headcoats aktiv - seinen Weg unbeirrt fort. Dass sein aktuelles Projekt The Buff Medways für Childish-Verhältnisse ziemlich viel Staub aufwirbelt, liegt nicht nur daran, dass es der Zeitgeist mit dem Garagenrock-Veteranen gut meint, sondern vor allem an den ausgezeichneten Platten der Band. Album Nummer vier, „The Medway Wheelers“, erscheint dieser Tage auch bei uns.

„Ich unterstütze gerne den Mythos, dass alles, was ich mache, gleich klingt, aber das stimmt natürlich nicht“, sagt Childish beim Treffen mit der Westzeit in Köln. „Wenn man vom Mars auf mein Gesamtwerk schaut, mag es vielleicht so aussehen, aber näher betrachtet, siehst du schnell Unterschiede. Neu ist bei den Buff Medways, dass sie sehr groovy sind.“ Verantwortlich sind in erster Linie Childishs derzeitige Mitstreiter. Ausgesucht hat er sie nach dem altbewährten Motto „friends first“, doch so wichtig ihm seine Musiker auch sind - es ist in erster Linie Childishs Vision, die verwirklicht wird. „Anders als in einem Staat macht eine Diktatur in einer Band Sinn, weil sie in der Regel wohlwollend ist“, philosophiert der Ideengeber der Band. „Wenn unser Schlagzeuger Wolf Howard der Maschinenraum ist, bin ich der Kapitän, der den Kahn steuert. Dabei muss ich natürlich wissen, was die Maschine zu leisten in der Lage ist und welche Charakteristika sie hat, denn nur, wenn alles Hand in Hand geht, funktioniert es.“ Deshalb passte Childish - als Maler und Schriftsteller in bestimmten Kreisen genauso angesehen wie als Musiker – sein Songwriting umgehend den Fähigkeiten seiner neuen Musiker an. Selbstredend ohne sich dabei um Trends oder gar Hypes zu scheren. „Natürlich bewegen sich all unsere Songs auf einem klar abgesteckten Terrain. Wir versuchen nicht, uns großartig zu entwickeln, weil es nicht viel zu entwickeln gibt: It’s a fucking rock ’n’ roll song! Alles, was eine Band benötigt, ist Energie und Integrität. Trotzdem beschäftigen sich unglaublich viele Musiker in erster Linie mit Spielereien und Neuerungen. Ich finde das sterbenslangweilig.“
Doch trotz solch grundsolider Ansichten und der Tatsache, dass Childish beim großen Retro-Rock-Revival der letzten Jahre von Bands wie The White Stripes oder The Hives in den höchsten Tönen gelobt wurde, und obwohl Ex-Blur-Gitarrist Graham Coxon die Medways zwischenzeitlich für sein Label Transcopic Records verpflichtete, heißt das nicht, dass die Verkaufszahlen der Childish-Platten in der jüngsten Vergangenheit gestiegen wären. Kein Wunder, denn der Brite spielt auch weiterhin die Spielchen des Musikbusiness einfach nicht mit. „Mit Leuten, die sich dafür interessieren, spreche ich gerne über meinen Kram, aber ich bringe es einfach nicht über mich, meine Sachen den Leuten aufzudrängen, die sich nicht dafür interessieren. Das wäre gegen meine Natur. Unlängst wurde ich gefragt, ob ich bei ‚Celebrity Big Brother’ in England mitmachen würde. Ich antwortete, dass es nicht mein Job sei, an dieser Show teilzunehmen. Mein Job ist, ein solches Angebot abzulehnen und so zu zeigen, dass es noch Menschen gibt, die für Geld nicht alles tun!“ Billy Childish - das reine Gewissen des Rock N Roll!
Weitere Infos: www.theebillychildish.com
© 01. März 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Cargo Records
März 2005

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