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HYPHEN HYPHEN - Verbindungskünstler

Pop isn't dead. Das junge Quartett Hyphen Hyphen aus dem Land der großen Chansonniere wirkt auf seinem Debütalbum ´Times´ sehr selbstsicher, ja, fast schon routiniert im Umgang mit der Dramaturgie und Konzeption großer Popsongs. Dabei scheint der Einfluss französischer Pop-Exporte wie Phoenix oder M83 ebenso durch wie das Selbstverständnis der großen skandinavischen Vorbilder. Wer so spielerisch leicht agiert, hat entweder viel Talent, das richtige Umfeld oder beides. Oder ist es einfach nur unbändige Lust, mal wieder für Bewegung am Markt und auf den Tanzflächen dieser Erde zu sorgen? Oder gar einfach eine Herangehensweise, die sich auf ur-französische Tugenden wie Freiheit, Genuss und Lebenslust beruft?

„Wir sind hungriger denn je“, verrät die amerikanisch-französische Sängerin Santa im Interview. „Ob das nun typisch französisch ist oder nicht – unser Ziel ist es, so unmittelbar und direkt wie möglich zu sein, eben nicht oberflächlich. Ein perfekter Popsong muss aus unserer Sichtweise sehr leicht verständlich sein und hat trotzdem eine tiefere Bedeutung.“

Die natürlich jeder für sich finden kann, darf und auch sollte. Überhaupt denken die vier gerne und innig über ihre Verbindung zum Hörer nach.

„Von Anfang an wollten wir die Energie unserer Musik auf die Menschen übertragen, die uns zuhören. Musik ist einfach ansteckend und wir lieben es, wenn wir die Leute zum Tanzen bringen. Also versuchen wir, während unserer Auftritte immer einen Platz für die Leute zu schaffen, an dem sie sich frei fühlen können und wirklich sein können, wie sie wollen.“

Überhaupt sind Emotionen ein großes Thema – sowohl musikalisch, als auch textlich.

„Verschiedene Emotionen zu kombinieren ist unheimlich inspirierend, und dieses Spiel mit Gefühlen ist sicherlich auch ein Thema auf diesem Album. Es kann natürlich um Liebe gehen, aber auch um Neid und Missgunst. Unsere Texte sind da recht offen, jeder kann seine eigene Story und die Schönheit der Widersprüche des Lebens darin finden.“

Im klassischen Bandgefüge mit Live-Anspruch, das Hyphen Hyphen zudem verkörpern, möchte man meinen, dass die sphärische Tiefe kaum reproduziert werden kann. Aber doch, die Band spielt alle Instrumente selbst und verzichtet auf backing tracks oder zusätzliche Musiker.

„Manchmal wünschte ich mir, wir hätten ein paar Hände mehr, aber das zwingt uns gleichzeitig auch, die Essenz der Songs, die Energie und das Gefühl dafür nicht aus den Augen zu verlieren – so denkt man einfach nicht an die großen Produktionsmaschinen, die in den Studios stehen. Natürlich klingen wir dadurch live etwas rauher, gleichzeitig aber auch irgendwie ehrlicher.“

Eine große Hilfe bei den (Gesangs-) Aufnahmen für ´Times´ war Guy Roche, ein amerikanischer Songwriter und Produzent, der u. a. schon mit Christina Aguilera, Cher und Aaliyah gearbeitet hat.

„Das war eine wirklich inspirierende Begegnung und die beste während der gesamten Aufnahmen. Guy hat einen sehr eigenen Arbeitsstil – und zwar: Hart arbeiten! Ich liebe es zu singen und ich mag es, wie es sich anfühlt, zu singen. Aber ich habe niemals daran gedacht, Sängerin zu werden, bevor wir die Band gegründet hatten. Guy hat mir beigebracht, präzise zu sein,die Worte richtig zu betonen und zu singen. Im Rückblick an diese Zeit sehe ich viele Stunden Gesang. Und ein sehr gutes Gefühl dabei.“

Manchmal möchte man meinen, ein echter Chor könnte die nächste Stufe und Steigerung mancher Passagen sein – ob das nun das Publikum ist oder ein echter Chor auf der Bühne. Welchen Traum lebt die Band hier?

„Ein Chor auf der Bühne während unserer Auftritte wäre wirklich wundervoll“, schwärmt Santa. „Ich hoffe, wir dürfen das irgendwann mal vorschlagen, wenn wir gigantische Hallen spielen und uns viele zusätzliche Musiker leisten können.“

Träume sind dazu da, gelebt zu werden. Hyphen Hyphen träumen noch – und das ist gut so. Denn solange diese Emotionen nicht vergehen, sind noch viele weitere tolle Momente von dieser Band zu erwarten.

Aktuelles Album: Times (Warner)
© 01. November 2016  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Fanny Schilchter
November 2016

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