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THE GROWLERS - „Manchmal wollen wir uns gegenseitig umbringen“

Beach Goth tauften The Growlers einst ihre herrlich schräge, manchmal auch etwas krude Mischung aus Country, Surf, Pop, Rock und Psychedelic, doch nachdem sie mit ihren ersten vier Alben allenthalben offene Türen eingerannt haben, ist es nun Zeit für etwas Neues. Auf ihrer aktuellen LP ´City Club´ betreten die Kalifornier mit zackigen Synthesizern und einer unerwartet funkigen Rhythmusgruppe Neuland.

Auf ihrem fünften Album präsentieren sich Frontmann Brooks Nielsen, Gitarrist Matt Taylor und Co. mit einem merklich gestrafften, hörbar urbaneren Sound, der zwar weiterhin einen düsteren Anstrich hat, das wilde Genre-Hopping der vorangegangenen Platten aber oft nur noch erahnen lässt. Den Grund dafür muss man nicht lange suchen. Waren The Growlers in der Vergangenheit glühende Verfechter des D.I.Y.-Ethos – sie wohnten zusammen, spielten ihre Platten in Eigenregie ein und buchten auch die Konzerte lange selbst –, ließen sie dieses Mal einen Produzenten von außerhalb die Regie übernehmen. „Ich bin jetzt einfach an einem Punkt, an dem ich mich ein bisschen wohler damit fühle, wenn andere Menschen Hand an unsere Musik legen“, erklärt Nielsen im WESTZEIT-Interview die Abkehr vom alten Credo. „Wir haben es früher schon mal probiert, und da habe ich kalte Füße bekommen. Dieses Mal fühlte es sich so an, als wenn sich der Kreis schließt.“ Schließlich war der Mann am Mischpult kein Geringerer als Julian Casablancas, dessen Band The Strokes Nielsen und Co. einst überhaupt erst dazu inspiriert hatte, mit der Musik anzufangen. „Dass er mit uns arbeiten wollte, hat uns die Entscheidung leichter gemacht“, bestätigt Nielsen. Eine andere Art von Energie, neue Ideen und ein bisschen mehr Ordnung in ihrer Musik erhofften sich The Growlers von Casablancas – und genau das haben sie auch bekommen.
Der Richtungswechsel trifft allerdings nicht überall auf Gegenliebe. Gerade in ihrer amerikanischen Heimat, wo The Growlers und ihr alljährliches Beach-Goth-Festival (unter den Headlinern dieses Jahr: Bon Iver, TLC, Grimes und Patti Smith) inzwischen ungleich populärer sind als in Europa, sehen sie sich vielen Anfeindungen seitens ihrer langjährigen Fans ausgesetzt, die den Ausverkauf der alten Ideale wittern. Nielsen hat Verständnis dafür, bleibt aber unbeirrt: „Letztlich will ich das Gleiche wie unsere Anhänger: Ich will etwas Hübsches machen, mich dabei aber auch herausfordern. Diese Herausforderung reiche ich nun gewissermaßen an sie weiter.“ Die Musik, da ist er sich sicher, muss in erster Linie der Band selbst gefallen. „Natürlich möchte ich, dass unsere Anhänger glücklich sind, aber wenn sie es nicht sind, finden sie bestimmt etwas anderes, was sie mögen können!“, sagt Nielsen und muss lachen.
Das Gleiche gilt offenbar auch für die Bandmitglieder. Drummer Scott Montoya stieg unlängst aus, und auch Bassist Anthony Braun Perry nimmt derzeit eine Auszeit. Von der alten Besetzung steht Nielsen und Taylor auf ´City Club´ nur noch Keyboarder Kyle Straka zur Seite, doch für den Sänger macht das keinen großen Unterschied. Für ihn sind das, was The Growlers ausmacht, Matts Finger und seine Stimme. Genauso dazu gehören auch die Reibereien der beiden Songwriter, die ihnen als kreativer Motor dienen: „Wenn Matt und ich nicht miteinander auskommen, dann wollen wir uns manchmal echt gegenseitig umbringen, aber letztlich hilft uns das, unser Ding zu machen“, ist Nielsen überzeugt. „Wenn bei uns immer eitel Sonnenschein wäre, würden die Ergebnisse wohl ziemlich anders klingen. Womöglich hätten wir sogar Probleme, überhaupt zusammen Musik zu machen.“ Dass The Growlers nach wie vor viele dunkel funkelnde Songs schreiben, ist für ihn ein Resultat der ständigen Spannung zwischen den beiden Kreativköpfen. „Manchmal haben wir Glück und ziehen am gleichen Strang, manchmal aber auch nicht“, sagt er mit einem Schulterzucken. „Ganz generell verändere ich mich nicht so sehr wie Matt. Ich spreche immer noch über die gleichen Dinge. Ich halte meine Welt gerne klein.“
Weitere Infos: www.thegrowlers.com
© 01. November 2016  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
November 2016

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