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MARATHONMANN - "Wir hatten Angst, nicht hart genug zu sein."

2013 erstürmte Marathonmann mit Holzschwert und schwermütigen Texten die deutsche Post-Hardcore-Szene. Drei Jahre später sind auf ´Mein Leben Gehört Dir´ die Themen die gleichen geblieben, der Hardcore ist jedoch größtenteils dem Punkrock gewichen. Im Westzeit-Interview spricht Frontmann Michi über negative Reaktionen auf diese Entwicklung, musikalische Zukunftspläne und Vergleiche mit Revolverheld.

Michi, zentrales Thema eurer neuen Platte ist es, trotz des Drucks, den man alltäglich erfährt, sich selbst als Mensch nicht aufzugeben. Was heißt das für dich überhaupt, Mensch zu sein?

“Das ist eine schwere Frage. Für mich ist wichtig, für sich selbst im Reinen zu sein und zu wissen, was man für ein Leben will. Der Mensch hat sein Gehirn und sein Herz. Das sind zwei Sachen, die zu benutzen sind, damit man nichts nachlabert wie eine Marionette, dass man sich von anderen eine andere Meinung aufdrängen lässt, dass man gar nicht mehr man selbst sein kann. Die Aussage soll auch das Cover haben: Vielleicht sollte man auch einfach mal Abstand haben, in sich gehen, in einem Zelt in die Berge und sich erstmal klar werden, wie man überhaupt leben will.”

Hast du solche Momente manchmal selbst in deinem eigenen Leben?

“Meine Eltern haben einen Bauernhof im Zillertal. Da fahre ich manchmal alleine hin, bin draußen und sitze für mich alleine. Ich lasse den Gedanken freien Lauf und schaue mir alles an, genieße diese Einsamkeit, so dass ich wieder zu mir selbst finde.”

Euer Label beschreibt die neue Platte mit einem Wort als ´angekommen´. Siehst du das genauso?

“Wir sind als Musiker an dem Punkt angekommen, an dem wir für uns machen können, was wir wollen. Die Platte soll genauso klingen. Wir wollen die Musik machen, die aus uns vieren herauskommt. Das heißt aber nicht, dass die nächste Platte wieder genauso klingt. Wir wollen uns natürlich auch immer weiterentwickeln.

Vier ist ein gutes Stichwort. Ihr habt einen neuen Gitarristen?

“Seit der Die Zeit war Single sind wir wieder zu viert. Unser neuer Gitarrist heißt Leo und wir sind schon seit zwölf Jahren gute Kumpels. Leider haben wir immer nur getrennt in verschiedenen Bands gespielt. Ich wollte ihn schon zu uns holen, als Christian damals in die Band kam. Jetzt hat sich Leos Band aufgelöst und wir haben direkt zugeschnappt.”

Noch vorher habt ihr mit Mein Leben Gehört Dir auf eure erste Videoauskopplung viel negative Rückmeldung bekommen. Hast du das erwartet?

“Ja. Die Reaktionen finde ich gut. Die gehen von gut bis ganz scheiße. Viele haben aber nicht verstanden, dass es in dem Song und auch in dem Video nur um den Text geht. Das ist ein sehr schwerer Song, den muss man wollen. Wenn jemand sagt, der Sänger kann nicht singen, ok. Aber es gibt Leute, die sagen, der Song klingt wie Revolverheld, weil er nicht schnell und Hardcore ist. Da scheiße ich drauf, denn solche Leute haben keine Ahnung.”

Das klingt sehr konsequent. Sieht man das inzwischen auch live? Ich erinnere mich, dass ihr in euren Anfangsjahren gerne euren Stil an das anwesende Publikum angepasst habt.

“Wir geben schon seit langem unseren Stil vor. Wir wollen authentisch sein. Vor ein paar Jahren waren wir aufs Full Force eingeladen. Da haben wir abgesagt, weil wir Angst hatten, nicht hart genug zu sein. Wenn ich mir das jetzt vorstelle, denke ich mir, was für eine Scheiße. Einfach spielen. Es gibt genug Metaller, die obwohl sie lange Haare und Kutte haben, auch normalen Punkrock hören.”

Auf eure aktuelle Tour nehmt ihr jeden Abend eine lokale Vorband ins Programm. Müssen diese Bands sich also an euren Stil anpassen?

“Nein, da ist von Rockbands bis zu Metalcore alles dabei. Hätte sich eine Hip Hop-Band gemeldet, hätten wir auch die genommen.”

Und nach der Tour? Was steht bei euch an?

“Wir hoffen auf mehr Festivalauftritte im Sommer. Aber vor allem werden wir mit Leo direkt neue Songs schreiben. Und wir planen eine 80er Jahre LP. Mal schauen, ob wir die auch veröffentlichen. Außerdem wollen wir mit mehr Musikern nochmal auf Akustiktour gehen. Da werden dann auch Stücke von der neuen Platte gespielt und wir überlegen, ob wir extra Akustiksongs schreiben.”

Aktuelles Album: Mein Leben gehört Dir (PeopleLikeYou) Vö: 25.03.
© 01. April 2016  WESTZEIT ||| Text: Maurice Rotzoll ||| Foto: Simon Gehrig
April 2016

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