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DAMIEN JURADO - „Ich möchte, dass mein Geschäft expandiert.“

Damien Jurado ist sicher nicht der einzige Musiker, der derzeit den Blick über den Tellerrand wagt, doch während man vielen Künstlern das Bestreben, anders zu sein, oft schnell anmerkt, gelingt es dem herrlich kauzigen Folkie aus Seattle auch auf seinem neuen Album, ´Visions Of Us On The Land´, vollkommen mühelos einzigartig zu sein.

„Ich denke, ich habe einfach Glück“, sagt er bei unserem frühmorgentlichen Interview bescheiden und unterstreicht mit vielen seiner unumwunden ehrlichen Antworten, dass er nicht nur musikalisch aus einem anderen Holz geschnitzt ist.

„Warum sollte ich ein Blatt vor den Mund nehmen? Ich bin ein Geschäftsmann“, gibt er zu. „Natürlich liebe ich es, Musik zu machen, aber vor allem habe ich eine Familie zu ernähren. Am Ende des Tages geht es mir vor allem darum, den Menschen meine Platte zu verkaufen. Es ist ein Geschäft.“

Deshalb ist er in den letzten Jahren trotz seiner immer aufwendiger produzierten Platten auch stets solo aufgetreten. Schließlich bleibt so am Ende mehr Geld für ihn und seine Familie übrig. Auf den im April anstehenden Deutschland-Konzerten hat er dagegen eine vielköpfige Band dabei.

„Die Band ist eine Investition und ein Risiko“, erklärt er. „Lass es mich mit einer Analogie sagen: Wenn du einen Anstreicherbetrieb führst und möchtest, dass dein Geschäft expandiert, dann musst du vier, fünf zusätzliche Leute einstellen, denn ein ganzes Haus kannst du nicht allein anstreichen, und du musst in sie investieren, ihnen die besten Pinsel und vernünftige Farben besorgen, damit sie ordentlich arbeiten können. In der Musik ist das nicht anders. Wie eben schon gesagt: Auch sie ist ein Geschäft, und ich möchte, dass mein Geschäft expandiert.“

Das hat zuletzt glänzend funktioniert. Seit Jurado vor vier Jahren auf seinem Album ´Maraqopa´ einen namenlosen Helden ins Rennen schickte, der sich abseits der Gesellschaft auf eine spirituelle Suche nach universellen Wahrheiten macht, läuft es bei ihm. Eigentlich nur als einmalige Sache gedacht, tauchte die gleiche Hauptperson auch auf dem brillanten Nachfolger ´Brothers And Sisters Of The Eternal Son´ auf, bevor die Reise nun auf Jurados insgesamt 13. Album psychedelisch, dynamisch und verspielt zu Ende geht. Geplant war die Fortsetzungsgeschichte allerdings nicht.

„Daran, einen zweiten und jetzt sogar einen dritten Teil zu machen, habe ich wirklich nicht gedacht“, erklärt er. „Ich habe in vielen Interviews zum letzten Album gesagt, dass ich mir nicht vorstellen kann, einen dritten Teil zu machen, und siehe da, nun gibt es ihn doch. Selbst als ich angefangen habe, Songs für diese LP zu schreiben, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich wieder beim gleichen Thema landen würde. Das schälte sich erst nach drei oder vier Songs heraus.“

Auch dieses Mal arbeitete der 43-jährige Querkopf aus Seattle wieder mit seinem kongenialen Partner Richard Swift als Produzent zusammen, dem es abermals gelingt, Jurados nackte Akustik-Folk-Songs mit einer detailverliebten Rundum-Produktion zwischen Vintage-Charme und Zeitlosigkeit auf ein höheres Level zu heben. Swift war es auch, der seinem Schützling vor sechs Jahren bei der ersten gemeinsamen Produktion geraten hatte, mehr auf seine Einflüsse zurückzugreifen, was er zuvor immer abgelehnt hatte, weil sie so zahlreich waren.

„Richard hat einen Weg gefunden, der mir das ermöglicht“, freut sich Jurado. „Zuvor habe ich lange Jahre damit verbracht, etwas zu sein, was ich eigentlich nicht bin. Ich war unsicher und hatte Angst davor, mein wahres Ich zu zeigen. Also ließ ich mich in bestimmte Schubladen stecken, die mir überhaupt nicht behagten, und das hat nicht besonders gut funktioniert. Blendend funktioniert dagegen, mein wahres Ich zu zeigen. Das hätte ich schon viel früher tun sollen!“

Aktuelles Album: Visions Of Us On The Land (Secretly Candian / Cargo)
Weitere Infos: www.damienjurado.com
© 01. April 2016  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Elise Tyler
April 2016

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