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THE KING BLUES - Wutmusiker

Als Zweimann-Truppe hat alles angefangen, damals in der nördlichen Ecke von London, als sich Sänger und Ukelelespieler Jonny ´Itch´ Fox und Gitarrist und Sänger zusammentaten. Dem Norden Londons entstammen auch The Kinks und den Eurythmics bietet er zeitweise Heimat. Doch zwischen den genannten Formationen und The King Blues liegen Welten. Titel wie ´Let's Hang the Landlord´ aus dem 2008er Album ´Save the World, Get the Girl´ oder ´Set The World On Fire´ aus dem aktuellen Album ´Punk & Poetry´ weisen einen anderen kreativen anderen Weg auf. Den in lauthals gerappte oder geslamte Forderungen politischer Art, die von wilder Musik und einer inzwischen sechsköpfigen Band untermalt werden.

Der letzte Träumer

Das erste Lied der neuen Platte trägt den Titel „The Last Of The Dreamers.“ Und wovon träumt der Nonkonformist an der Bühnenrampe denn so? Von der Möglichkeit, weniger politisch aktiv zu sein, die es für ihn offensichtlich dann doch nicht gibt.

„Um ehrlich zu sein, das Album sollte gar nicht so politisch werden, wie es letztendlich dann doch geworden ist“, klärt Jonny „Itch“ Fox auf, „ich wollte eigentlich ein Schritt zurücktreten, weg vom musikalischen und textlichen Aktivismus. Ich war es leid, mir den Kopf an der immer gleichen Wand aufzuschlagen. Doch als die Konservativen in England ans Ruder kamen, machten sie das, was sie immer tun, wenn sie regieren. Sie schützen die Reichen und machen die eh schon Armen zu ihren bevorzugten Opfern.“

Da kann auch Jonny „Itch“ Fox nicht umhin, die Frage nach der englischen Zukunft zu stellen, das Stück ´The Future’s Is Not What It Used To Be´ ist hörbare Manifestation der Wut eines Mannes, der seine Botschaft auch schon mal wie ein Maschinengewehr rausschreit. In We Are Fucking Angry´ nimmt seine Stimme es locker mit der scharf geschliffenen Gitarre auf.



Tanz die Verhältnisse

Wenn die Band an neuen Stücken zu arbeiten beginnt, verstummt andere Musik.

„Das muss so sein“, verdeutlicht Jonny „Itch“ Fox, „wir wollen doch selber etwas aussagen, in jeder Hinsicht. Da wollen wir nicht von anderen Klängen beeinflusst werden. Du hast doch eh schon genug Musik in deinem Hirn.“

Eins ist den Musikrebellen beim Kampf um einen bessere Welt eindrucksvoll gelungen, sie haben die politische Ausrichtung eines Woody Guthrie, den Groll des Punk und den aussagekräftigen Hip-Hop mit der Brachialmusik von Rage Against The Machine verflochten und sind mit dieser Platte auf dem besten Wege, die Haltung des Punk ins 22. Jahrhundert herüber zu retten. Gleichzeitig werden dabei die berühmten drei Akkorde mit der Attitüde der großen melodischen Komposition fortgeführt, erweitert und selbst freudlosen Momenten Tanzschuhe angezogen. The King Blues zeigen mit ihren progressiven und gewaltigen Klangwänden, die zwischen Swing. Punk und Pop pendeln, dass die Form durchaus dem Inhalt folgen kann.

„Momentan sind allerdings nur wir und Enter Shikari, diejenigen, die Form und Inhalt zusammenbringen“, trauert Jonny „Itch“ Fox, „doch wenn sich die Verhältnisse zuspitzen und die Frontlinie klar ist, dann werden auch andere Bands aufhören über ihre Haarschnitte zu singen. Hundertprozentig!“

Aktuelles Album: Punk & Poetry (Transmission Recs. / PIAS / RTD)
© 01. Juli 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Juli 2011

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