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BLACK GOLD - Kühne Klangarchitektur

Die Klanggebäude der New Yorker Truppe dürfen durchaus als kühn bezeichnet werden. Zunächst wird diesen Bauwerken ein verführerisches Synthesizer-Fundament verpasst. Darauf werden, in der genauen Kenntnis der Rock’n’Roll-Geschichte mit all ihren Haupt- und Nebenwegen, dort geplünderte Notenbausteine geschichtet. Mit ungestümer Lust und einer verblüffenden Hemmungslosigkeit passiert dies. Kein Stil, kein Genre ist dabei tabu. Die Plünderei geht beim Rock der frühen Tage los und reicht über die psychedelische Ära der 60er und 70er-Jahre bis hin zu zeitgenössischen Künstlern, wie Hot Chip.

Ureigenes aus Zitatfetzen

Alles wird durch die Black Gold-Mangel gedreht und großartig ausformuliert. Am Ende stehen Kompositionen, in denen nichts kopiert klingt und mit den Zitatfetzen etwas Ureigenes zu erschaffen.

„Dabei fühlen wir uns immer wie zwei kleine Kinder in einem riesengroßen Spielzimmer“, lässt Eric Ronick lachend verlauten, „die sich hemmungslos aus der Masse der bunten Spielsteinen bedienen dürfen. Hinzu kommt noch die kreative Magie von Black Gold, haben wir einmal gemeinsam angefangen zu spielen, sprudeln die Ideen nur so aus uns heraus.“ Bereits im Stück ´Run´ findet sich diese verlockend-drastische Klangaufladung.

„Das war das erste Stück, das wir beide aufgenommen haben “, erinnert sich Than Luu, „Stress mit meiner Freundin hatte uns im Studio zusammengeführt. Mehr aus Frust haben wir gleich an einem Stück gearbeitet und ratz-fatz war es fertig und wir haben es so eingespielt, wie es jetzt auf der Platte zu finden ist. Und warum sollten wir nach solch einer kreativen Explosion nicht weitermachen?“

Eric Ronick fügt an: „Das tiefe, gemeinsame Kompositionserlebnis war für den Rest der Stücke der alles entscheidende Moment.“

Diese einzigartige Erfahrung gab den Anstoß für das, was Eric Ronick gern als das „wesentliche Prinzip hinter unserem ganz eigenen Schreibprozess“ bezeichnet. Diese explosiven Spannungsbögen manifestieren sich ebenfalls in der fesselnden Wirkung von Stücken, wie ´Idols´, dass mit einem süchtigmachenden Melodiebogen ausstaffiert wurde. Oder im eindrucksvoll-souligen ´The Comedown´.



Reduktion wirkt

Wenn die beiden Black Gold-Köpfe Eric Ronick und Than Luu an den Bausteinen für ihre großen klangarchitektonischen Bauwerke arbeiten, dann beginnen sie im Kleinen. Im ersten Fokus der Arbeit von Black Gold stehen lediglich die Stimmen der beiden, ein Klavier oder eine akustische Gitarre. Sonst nichts.

„Nur ein Stück, das auf seine reine Essenz reduziert, die ganze, große Wirkung entfalten kann, ist es wert, arrangiert und schließlich produziert zu werden.“

So ist es natürlich auch kein Wunder, dass neben den vom geschlossenen Bandklang dominierten Stücken auch mal Dokumente ihrer grundsätzlichen Arbeitsweise stehen dürfen. Dazu gehört das sparsam instrumentierte ´After the Flood´. Dieses Lied punktet lediglich mit Stimme und Piano. Auf ihrem Debüt-Album ´Rush´ hat die in New York beheimatete Truppe Black Gold ein Statement abgeliefert, wie es in der jüngeren Geschichte des Indie-Pop kaum zu finden ist. Soviel charmante Wärme, soviel starke Schönheit und künstlerische Schlagkraft auf einem Haufen sind selten geworden.

Aktuelles Album: Rush (Red Bull Records/EMI)
© 01. Juli 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Juli 2011

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