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XAVIER RUDD - Idealist aus Down Under

Singer/Songwriter, Umweltaktivist, Multi-Instrumentalist: Xavier Rudd gilt als Meister vieler Klassen. Äußerlich jedem Surferboy-Klischee entsprechend, schlagen mindestens zwei Herzen in seiner Brust: Seine Musik wird als World-Folk oder kosmopolitisch bezeichnet, was den Australier nicht weiter interessiert. Namen und Titel sind Schall und Rauch und solange seine Message erhört wird, gibt sich Mr. Rudd so relaxed, dass man sich schon ganz schön anstrengen muss, ihm eine Antwort zu entlocken, die über einen freundlichen, entspannten Satz hinausgeht. Eigentlich der perfekte Mann.

Mit seinem Stilmix aus Folk, Reggae und musikalischen Einflüssen aus aller Herren Länder hat sein Bekanntheitsgrad längst die Grenzen seines Heimatkontinents gesprengt und macht ihn zum gern gesehenen Gast auf Weltverbesserungsevents rund um den Globus.

Das Repertoire seiner Instrument ist vielseitig und mutet exotisch an: Neben Didgeridoo, Slide Gitarre und unzähligen Trommeln aller Art, gibt es noch eine Stomp-Box, ein - aufgepasst, hier könnt Ihr noch etwas lernen- Schlagwerk, dass mit den Füßen betrieben wird. Bei soviel Equipment fällt es manchmal schwer, den Musiker auf der Bühne überhaupt auszumachen. Aber Xavier Rudd hält es sowieso lieber unprätentiös. Seit dem Erscheinen seines Debuts ‚Solace‘ in 2004 hagelte es geradezu Gold-und Platin-Auszeichnungen auf der ganzen Welt. Welche hatte die größte persönliche Bedeutung?

„Keine Ahnung! Ich weiß nicht mal mehr genau, welche Preise ich überhaupt alle bekommen habe. Solche Dinge sind mir überhaupt nicht wichtig. Ich wäre kein bisschen unglücklicher, wenn ich keine einzige Auszeichnung hätte. Das ist doch nur Decorum.“

Wesentlich gesprächiger wird er jedoch, wenn es um sein Lieblingsthema Umweltschutz und die Mentalität seiner Landsleute diesbezüglich geht.

„Australien ist, was ökologische Verantwortung angeht, eine totale Katastrophe: es wird ohne Ende Strom verschleudert und mit Strommasten die ganze Natur verunstaltet, alles wird wegen igendwelcher blöden Minen umgebuddelt - Australien ist übrigens der größte Aluminium-Produzent der Welt, jahrtausende alte Höhlenmalereien werden aus wirtschaftlichen Interessen zerstört. Es ist einfach schrecklich. Deutschland hingegen ist diesbezüglich absolut beeindruckend: Das Verständnis der Deutschen für eine bessere Zukunft, die Kooperation der Wirtschaft in ökologischen Belangen, das Bestreben die Umwelt zu retten oder zumindest zu schonen, das alles hat mich sehr berührt.“

Und wie steht es mit der Inspiration für seine ungewöhnliche Musik?

„Ich bin in diesem wunderschönen Land geboren und ich genieße einfach, die Spiritualität des Landes auf mich wirken zu lassen, die Kraft der Natur. Viele Ideen kommen mir, wenn ich Campen gehe, abends die Sterne angucke oder natürlich beim Surfen. Nicht zu vergessen, meine beiden Kinder und meine Frau, die ich jetzt übrigens mit auf der Tour dabei habe. Darüber bin ich sehr glücklich. Wir versuchen soviel wie irgend möglich zusammen zu sein. Ich habe außerdem das unglaubliche Glück viel zu reisen und fremde Kulturen kennenzulernen, deren Eigenheiten ich in meinen Sound einfließen lassen. Aber einer der grössten Einflüsse ist für mich die Lebensweise und Geschichte der Aborigenes.“

Xavier Rudd ist eine Persönlichkeit, der es an Komplexität wahrlich nicht mangelt: Idealistischer Weltenbummle auf der einen Seite und unbeschwerter Beachboy auf der anderen. Gerade erst hat er den Soundtrack zu ‚Surfer Dude‘ geschrieben, einer Hommage to the surfing way of life, bei der auch Country-Legende und das stets benebelte Gewissen Amerikas, Willie Nelson mitwirkt.

Ach ja, und der Mann aus Downunder spielt 15 Instrumente!! Sein liebstes ist eine Gitarre, die von dem Deutschen Weissenburg erbaut wurde. Und damit schließt sich der Kreis wieder.

Aktuelles Album: Darker Shades Of Blue (Anti / Spv)
© 01. September 2008  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: James Looker
September 2008

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