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SON AMBULANCE - "Musik ist ein undankbarer Kumpel."

Im Traum waren Son Ambulance schon berühmt. Damals, im Jahre 2001, als das Duo mit den befreundeten Bright Eyes die gemeinsame Compilation „Oh Holy Fools“ veröffentlichte und auf einen todsicheren Erfolg vorbereitet war. Einzig die Kollegen sahnten Kritikerlob und Chartplatzierungen ab - wie gut, Sänger Joseph Knapp ließ sich nicht unterkriegen und versucht es dieser Tage mit seiner Band Son Ambulance und dem Album „Someone Else´s Deja Vu“ erneut.

Omaha/Nebraska ist weltweit als Kaderschmiede des New-Folk bekannt und für eine Reihe großartiger Bands ein prima Zuhause.

„Ich wusste diesen Standort jederzeit für mich und meine Kreativität zu nutzen - flächenmäßig ist die Stadt so groß wie München, aber viel weiträumiger; es bleibt mehr Platz für Ideen“, analysiert Joseph seine geliebte Homebase. Jahrelang funktionierte das hier ansässige Label ´Saddle Creek´ als Ort der Inspiration: Nicht nur musikalische Kollaborationen ergaben sich zwischen den einzelnen Musikern und Bands, auch enge Freundschaften entstanden.

„Irgendwann fraß der Erfolg diese familären Strukturen restlos auf und der wirtschaftliche Faktor schob sich in den Vordergrund. Eine Mithilfe, wie die der Bright Eyes mit der gemeinsamen Kooperation auf ´Oh Holy Fools´, ist heute nicht mehr ohne weiteres möglich.“

Deswegen zogen sich die Arbeiten zum dritten Son Ambulance-Album ´Someone Else´s Deja Vu´ länger hin als erwartet. Oft spielte Songschreiber Joseph Knapp mit der Idee ein eigenes Label zu gründen:

„Daraus wurde nichts! In mir steckt einfach kein wirklicher Geschäftsmann und „Saddle Creek“ hat enorm viel für mich getan.“

Unter anderem wurde die Band behutsam behandelt als der Startschuss missglückte und anfänglich kein kommerzieller Erfolg in Sicht war:

„Die Geduld war nicht nur außerhalb von Son Ambulance bewundernswert, auch wir hielten durch und schmissen nach einigen Fehlschlägen nicht hin. Die Musik ist manchmal ein undankbarer Kumpel, aber das wussten wir schon bevor sie uns fickte.“

Mit dem Europa-Debüt ´Key´ konnte die Band im Jahre 2005 auch hierzulande auf Tour gehen und einige Lorbeeren einheimsen.

„Die Angst ein zweites Mal zu Çversagení, war damals natürlich unendlich groß und beim Songwriting ging ich psychisch oft an meine Grenzen. Die Platte drehte sich nur um meine Person.“

Eine Marschrichtung, die bei den aktuellen Aufnahmen wie durch Geisterhand vollständig geändert wurde und zu einem neuen Selbstverständnis führte.

„Als die ersten Songs im Kasten waren, kam ein Freund auf mich zu und meinte, viele Themen seien universell auf andere Menschen übertragbar. Das war etwas, was mich wirklich freute, denn darum geht es auf ´Someone Else´s Deja Vu´: Die Perspektiven wechseln ständig den Betrachter und der Albumtitel soll dies unterstreichen.“

Im Studio wurde anschließend viel experimentiert und im Vergleich zum Vorgänger „Key“ einiges anders gemacht.

Offenbar entdecken Son Ambulance allmählich die Lust an der Leichtigkeit, so verspielt wie die Band um Frontmann Joseph Knapp auf Pink-Floydsche Klänge, südländische Arrangements und sanfte Pop-Psychedelica setzt. Ein mediterranes Konstrukt, das die Songs von Ufer zu Ufer begleitet und die bislang farbenfroheste Folk-Platte des Jahres an Land spült.

„Wir fühlen einfach den Reifeprozess“, sagt Joseph Knapp. Überhaupt präsentieren sich Son Ambulance in bestechender Form und ihr Macher wirkt mit sich und der Welt im Reinen. Sieht keine Gründe mehr dem Stammlabel Saddle Creek den Rücken zu kehren und alles auf eigene Faust umzusetzen.

„Warum? Wir haben über Jahre zusammengehalten und schaffen dass auch in der kommenden Zeit.“

Dass ´Someone Else´s Deja Vu´ im Sommer erscheint, nach einem der längsten Winter seit langem, ist Zufall. Aber selbst das scheint irgendwie zu Joseph Knapp und seiner Karriere mit Son Ambulance zu passen. A new morning, changing weather!

Aktuelles Album: Someone Else´s Deja Vu (Saddle Creek Europe/Indigo)
© 01. September 2008  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
September 2008

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