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GUS BLACK - Der Gradlinige

Gus Black war noch nie einer jener Songwriter, die den Weg des geringsten Widerstandes gingen. „Unfinished Love“, sein erstes offiziell bei uns veröffentlichtes Album entstand in einer Phase persönlicher Ausgeglichenheit und zeigte einen grüblerischen Gus Black. Das nächste Werk, „Autumn Days“ schrieb er nach der Trennung von seiner Frau – relativ gelöst, aber keineswegs heiter. Es folgten die Autumn Days Bootlegs, eine düstere, akustische Aufarbeitung des Materials. Und dann plant Gus nach wie vor ein Album mit Kindersongs.

Das neue Werk mit dem deutlichen Titel „Today Is Not The Day To F@ck With Gus Black“ ist eine lineare, beinahe kammermusikalische, geflüsterte akustische Angelegenheit geworden, die er fast alleine, unterstützt von zwei Amateur-Sängerinnen einspielte – obwohl er zunächst neue Songs mit seiner Band eingespielt hatte, die er jedoch samt und sonders verwarf. Was hat denn zu dieser Entscheidung geführt?

„Ich denke, die vorangegangene Tour hatte damit zu tun, denn da spielte ich das Material des 'Autumn Days-Bootlegs', das ja auch grundsätzlich akustisch ist“, erklärt Gus, „was mir bei diesem Ansatz noch fehlte, waren die Frauenstimmen, die Du jetzt eben auf dem neuen Album hörst. Das war etwas, was ich immer schon machen wollte und ich fühlte, das ich es nun nicht weiter aufschieben durfte, sonst würde ich wohl nie dazu kommen.“

Und was ist aus dem mit dem mit der Band eingespielten Material geworden?

„Nun, ich hatte immer mehr das Gefühl, das ich da etwas tat, was sich nicht natürlich anfühlte. Es schien, das ich mich da einfach wiederholte und das wollte ich nicht. Es ist nämlich so, das ich zwar durchaus einigen Erfolg hatte, aber noch nicht mein Potential als Songwriter oder Performer ausschöpfen konnte. Ich habe bis dato immer vermieden, einfach nur das zu tun, was ich wollte. Nun wollte ich aber keine Kompromisse mehr und entschloss mich, ein Album zu machen - eben genau wie ich es wollte.“

Nun ist das neue Werk trotz allem eine deutliche Abkehr von Gus Blacks bisherigem Stil. Zugegeben, es erinnert an seine Solo-Konzerte – allerdings singt er hier sogar noch leiser und die Stücke ähneln sich in ihrem (zugegeben ungewöhnlichen) Aufbau, Stimmung und Tempo doch sehr stark. Das bedeutet nicht, das die Scheibe schlecht oder uninteressant ist – sie bietet nur keine offensichtlichen Einstiegsmöglichkeiten, keine potentiellen Hits und verlangt vom Zuhörer, das man sich damit beschäftigt. Ist das nicht - gerade in Zeiten wie diesen und insbesondere für einen amerikanischen Songwriter - sehr waghalsig? Was erwartet Gus von dem neuen Album in kommerzieller Hinsicht?

„Darum ging es mit in diesem Zusammenhang nie“, führt Gus aus, „es ging nur darum, mich mitzuteilen und ehrlich zu sein. Wenn das das Tor für neue Fans eröffnet, ist das toll. Insgeheim hoffe ich das natürlich. Es ist nämlich so, das ich heutzutage meine alten Scheiben selber nicht mehr verstehe. Diese Scheibe fühlt sich fast an, wie meine allererste CD. Für mich ist sie auf jeden Fall der Beginn von etwas Neuem. Das ist die Scheibe, die ich immer machen wollte und ich habe es endlich geschafft. Das ist mir das Allerwichtigste!“

Hm – welcher Songwriter sagt schon von sich selbst, das er seine eigenen Songs nicht versteht? Egal wie man zu dem neuen Werk von Gus Black nun steht: Es ist in der Tat ein bemerkenswert integeres, mutiges, persönliches und konzeptionell einzigartiges geworden. Da sollte man sich besser nicht mit ihm anlegen – was er ja aber auch nicht nur mit dem Titel, sondern auch mit dem Covermotiv deutlich macht...

Aktuelles Album: Today Is Not The Day... (India / Alive)
© 01. April 2008  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
April 2008

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