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RANTANPLAN - Ska-Punk vom Kiez

Rantanplan kommen aus Hamburg, meine Perle und haben sich in ihrem mehr als 20-jährigen Bandbestehen längst zu Deutschlands exquisitester Ska Punk Combo gemausert. Ihre Texte reichen von absurd über nostalgisch bis hin zu brachial und sauer, nur eins lassen sie nie vermissen und zwar eine Riesenladung anarchistischem Scharfsinns, so let them tell their story…

Euch gibt es seit 21 Jahren, wie seid Ihr dazu gekommen zusammen Musik zu machen, und wie sah es musik- und bandmäßig damals in Hamburg aus?

“Yo! Wir kommen aus Hamburg, St. Pauli. So wie wir jetzt sind, gehen wir bald ins sechste Jahr, von Kalle am Bass mal abgesehen und dass wir live manchmal einen Trompeter anheuern. Deutschsprachige Punkmusik war damals reines Funpunk-Thema, oder halt Deutschpunk Dogma und bis Mitte 90er war es extrem schwer für europäische Acts, weil jeder nur zu Bands aus den USA ging, egal wie schlecht und bigott diese auch waren.

Wir klüngelten sowieso schon zusammen und hatten einen ganzen Haufen halbwegs ambitionierter Bands miteinander. Wie das so ist, schwächelte immer irgendein Mitspieler, kurz bevor es richtig losging. Sei es, dass der Drummer keinen Urlaub für eine Polen-Tour nehmen wollte, oder ein anderer einfach nicht zur Generalprobe am Tag vor dem ersten Gig kam.

Ich hatte die Schnauze gestrichen voll von diesen Kumpels, die einen am Ende die kleinen Träume immer wieder zerballerten und gründete mit Reimer (Kettcar/ van cleef) Rantanplan, wo wir uns all den Kinderkram von vornherein verboten haben und nur ähnlich Ambitionierte mitmachen durften.”

Wie seid Ihr drauf gekommen Punkrock mit Ska zu kombinieren, wer hat Euch inspiriert? Hattet Ihr je irgendwelche Berührungspunkte mit alten Deutschpunkbands wie z.B. Slime?

“Wir waren mit der Clique Anfang der Neunziger an den Wochenenden oft an der Ostsee und hörten da mit dem besten selbstgebauten Ghettoblaster der Welt (Ein Trittblechkasten mit Autoradio, Autoboxen, zwei Motoradbatterien und Duschgriff) unsere Favorites und grübelten über unsere eigene Version von extremer Strandmusik nach. Inspiriert haben uns dabei besonders: Mighty Mighty Bosstones, Operation Ivy, aber auch NOFX, Cro-Mags, oder die Bad Brains.

Slime waren früh für mich wichtig. Mit 16 war das meine absolute Lieblingspunkband. Wir haben immer die Alle gegen Alle rauf und runtergehört, Hafenstraßenhasch geraucht und rumgesponnen, wie wir unsere Straße verbarrikadieren würden.”

Wie hat sich Sankt Pauli Eurer Meinung nach den letzten zwei Jahrzehnten verändert?

Torben: “Vor 20 Jahren hat hier niemand geahnt was Gentrifizierung ist und ein Großstadtwahnsinn a la London, New York, Paris, oder Tokio schien unendlich weit weg, bzw. höchstens Berlin vorbehalten.

Mittlerweile gibt es kaum noch bezahlbaren Wohnraum auf St. Pauli, die Huren scheinen städtisch subventioniert zu sein, denn Freier sind seit kurz nach dem Millenium Mangelware. Außerdem schießen diese ekeligen 30 Euro-All-You-Can-Fuck-Tempel wie Pilze aus dem Boden und man ahnt, dass da jemand für weniger als den Mindestlohn, die Beine breit machen muss.

Kurz und bündig kann man sagen: Seitdem es Alkopops gibt und die ´Sündigste Meile der Welt" zur Waffenverbotszone erklärt wurde, ist alles nochmal schlimmer geworden. Die Cops gingen früher zu zweit, oder zu dritt Streife. Heute gehen sie am Wochenende in Gruppen und werden dabei weniger ernst genommen denn je.”

Gerade ist ja Euer neues Album ´Licht und Schatten´ erschienen. Welches ist Euer liebster Song bisher, welcher hat das beste Livepotential?

Gero: “´Schattenmensch´.“

Marlon: “´Mein Herz hängt an der Reeperbahn.”

Torben: “´Krokodilstränen´, aber das beste Livepotential hat die reine Skanummer (alle) HÖRBIE! ´Schattenmensch´ bockt uns auch heftig an, live zu spielen...”

Welches ist die wichtigste Message, die Ihr mit Eurer Musik rüberbringen möchtet?

“Wacht auf Ihr Toten! Tanzt um Euer Leben. Denn lebend kommt hier von Euch keiner mehr raus.

Die Welt ist heftig geworden und die Faktoren der Abwärtsspiralen scheinen sich nun auch noch zu multiplizieren. Die Gesellschaft hat nur eine Chance, wenn wir es schaffen, Alle ziemlich schlau zu machen, sonst werden immer irgendwelche extremen Populisten das Gehör einer dummen Masse finden, welche uns nur tiefer ins Chaos stürzen werden.”

Was steht für Euch die nächsten Monate noch an, ich habe gesehen, dass Ihr erst einmal ausgiebig tourt, was habt Ihr sonst noch vor?

“Yo! Drei Monate Tour jetzt, zwei, drei Promo-Geschichten im Anschluss und im Sommer stehen dann einige Festivals an, außerdem brennen wir darauf neue Songs anzugehen, weil wir vor Ideen überquillen.”

Aktuelles Album: Licht und Schatten (Drakkar / Soulfood)
© 01. Februar 2017  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Chris Born
Februar 2017

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