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RHONDA - Soul Inside!

Rhonda holt mit dem neuen, zweiten Album alte Stilelemente zurück in die Zukunft, ohne der Vergangenheit hinterher zu hängen. Denn nur so lässt sich Musik erarbeiten, gegen deren Klang die Hölle ein entspannt kühler Ort ist... Am 18.02.1977 wurde in England mit ´Damned Damned Damned´ offiziell das erste Punk-Album veröffentlicht. Milo Milone und Gunnar Riedel von Rhonda zählen glücklicherweise zu den Ex-Punkmusiker(inne)n, die, anstatt sich dem 40jährigem Jubiläum einer kommerzialisierten Welle hinzugeben, sich wirklich weiterentwickelt haben.

Sie gaben ihrer Musik eine Seele, haben nun mit ´Wire´ ein verdammt tolles Album am Start! Riedel war noch blutjung, als die o.g. LP erschien, Milone noch gar nicht geboren. Und doch sind beider musikalische Wurzeln tief in den Sounds verwoben, die bereits damals epochal waren - Es kann z.B. kein Zufall sein, dass Sängerin/Gitarristin Milo Milone just an dem Tag geboren wurde, an dem sich der Todestag von Soul-Legende Otis Redding zum zwanzigsten Mal jährte. Irgendwie ist sein Spirit wie Zeitreisender Soul auf ihre Musik übergegangen.

Milone: „Ich bin mit Reggaehören angefangen, kam darüber zum Funk, dann zum Soul. Ich habe diese verschiedenen Gesangs-Stile, von rootsig bis zu den `schreienden´ Arten inhaliert. Otis Redding hat mich vom ersten Moment an ungehauen. Er war jemand, der es schaffte, alles zu vereinen, was ich mochte. Und das mit so einer Lockerheit. Alles klingt einfach und warm. An den richtigen Stellen packt er dann die Tatze aus und schlägt zu. Das unaufdringlich simple, in den Aufnahmen so unperfekt perfekte ist es, was ich so sehr liebe. `Lets go get stoned´ ist mein `Redding-alltime-favourite´. Und wenn der Frauenchor in ` I´ve got dreams to remember´ reinkommt, dann ist alles um mich herum vergessen.“

Die gesamte ´Wire´-CD atmet in vielen Momenten den Soul der Swingin´ Sixties.

Doch der CD-Track ´Offer´ offenbart eine weitere Leidenschaft der Band – (das Video zu) ´Offer´ ist sozusagen Rhonda´s ´Pulp Fiction´.

Offer Stock (org, p, git): „Als wir im Studio waren, um die Aufnahmen für `Wire´ zu machen, hatte ich zwei Demos mitgebracht. Das eine war eine schnellere, das andere eine langsame Nummer. Da meine Demos stets instrumental sind, habe ich keine vernünftigen Titel dafür, benenne sie einfach mit dem Datum, an dem ich sie aufgenommen habe. Das führt natürlich zu Verwirrung. Im Studio gaben wir den Stücken dann die Arbeitstitel ´Offer langsam´ und ´Offer schnell´. Als Milo den Text zu ´Offer langsam´ geschrieben hatte, überlegten wir, wie der Song denn jetzt eigentlich heißen soll. Da das englische Wort `offer´ gut zum Text passt, haben wir einfach das ´langsam´ gestrichen. Jetzt heißt der Song so wie ich.“

Unspektakulär erklärt, dennoch mehr als das Ende vom Anfang, um epische, bombastische Elemente in die Musik zu tragen. Begonnen hat die filmmusikalische Leidenschaft im November 2015, als Rhonda im Potsdamer Nikolaisaal mit dem Filmorchester Babelsberg performte.

Gunnar Riedel (Schlagzeug, Perkussion): „Eines Tages schrieb mir eine alte Bekannte. Von früher halt- aus den verdammten 90igern. Ich wusste gar nicht, was aus ihr geworden war, geschweige denn, was sie beruflich macht. Sie war auf einigen unserer ersten Rhonda-Konzerte in Berlin gewesen. Dann bot sie mir in ihrer Eigenschaft als Programmgestalterin aus dem `off´ plötzlich an, ein Konzert mit dem Filmorchester Babelsberg zu spielen. Ein Orchester von Weltruhm, zweifelsohne. Und ehe wir uns versahen, spielten wir ein ausverkauftes Konzert im ehrwürdigen Nikolaisaal in Potsdam. Mit einem monströsen 60köpfigem Orchester. Einer der krassesten Abende in unserem Musikerleben! Ein fantastischer Abend obendrein. An jenem Abend wurde die Idee geboren, unser nächstes Album mit dem Orchester aufzunehmen. Ein Traum, der in Erfüllung ging!“

Nicht nur für Rhonda´s o.g. Ex-Trashmonkeys-Members, sondern gleichfalls für Jan Fabricius (bs, back voc) und Ben Schadow (g). Denn sie machten nach dem Trashmonkeys-Split das neue Quintett ab 2012 erst komplett. Ohne sie wäre Rhonda nicht Rhonda, und die Hölle nicht kälter als ´Wire´!

Aktuelles Album: Wire (PIAS)
Weitere Infos: http://rhondamusic.com
© 01. Februar 2017  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Ralf G. Poppe
Februar 2017

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