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AUSTRA - Kultur an die Macht

Obwohl die kanadische E-Pop-Combo Austra als Live-Band aus vier Personen besteht, ist es vor allen Dingen das Geisteskind und Projekt von Katie (Austra) Stelmanis, der charismatischen Frontfrau, die als Songwriterin und Performerin die kreativen Zügel in der Hand hält. ´Future Politics´ ist nun das dritte Austra-Album (und das vierte, auf dem sie mit ihrer Haupt-Kollaborateurin Maya Postepski alias Princess Century zusammen arbeitet).

Das neue Werk entstand unter dem Eindruck eines längeren Mexico-Aufenthaltes – denn seit einiger Zeit pendelt Katie zwischen Montreal und Mexico-City hin und her. In Mexico entdeckte Katie Stelmanis den elektrischen Cumbia als musikalische Inspirationsquelle, dort entstand das empathische Covermotiv, auf dem sich Katie als stilisierter, fiktiver Charakter präsentiert und dort fand sie durch das selbst gewählte Exil letztlich auch zu dem Thema des neuen Albums - ´Future Politics´; denn obwohl das in diesem Genre eher unüblich ist, sieht Katie Stelmanis ihre Aufgabe nicht bloß in musikalischer Hinsicht, sondern auch in dem Vermitteln von Botschaften. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es Katie hierbei nicht um die Politik im eigentlichen Sinne geht, sondern darum, die mögliche Zukunft positiv gestalten zu können. Die ´Politics´ sind dabei eher sprichwörtlich als Maßnahmen zu sehen, die jeder einzelne ergreifen kann. Welche Ideen hätte Katie denn diesbezüglich?

„Ich denke es ist super wichtig, dass die Leute sich kulturell auf einem Underground-Level vernetzen – speziell die Jugend“, erklärt Katie, „es ist dabei aber wichtig, dass dieses auf eine kreative, nicht auf eine profit- oder ergebnisorientierte Art geschieht.“

In etwa so, wie dies Nicht-Regierungs-Organisationen tun. Kann denn heutzutage – im Zeitalter von Internet und Smartphones – die Musik dabei überhaupt noch unterstützend helfen?

„Ich denke sicher“, meint Katie, „weil es darum geht, eine neue Kultur und Mentalität zu erschaffen. Wie das zum Beispiel in den 60ern in den USA mit der Hippie-Kultur passierte – die ja mit freier Liebe, Frieden und der Ablehnung des Vietnamkrieges auch eine total positive Energie vermittelte. Und alle kulturellen Impulse gingen damals von den Autoren, den Künstlern und den Musikern aus. Das sollte heute doch auch möglich sein. Künstler sind also absolut notwendig, um eine solche Bewegung dann überhaupt reifen lassen zu können.“

Nun gut: Akzeptieren wir also mal den philosophischen Überbau des Ganzen. Warum aber kommt bei all dem angestrebten Positivismus dann die Austra-Musik eher melancholisch und düster rüber?

„Für mich sind meine Songs eher motivierend gemeint“, verrät Katie, „es geht zum Beispiel darum, die Art von Apathie zu überwinden, auf die wir gesellschaftlich konditioniert werden – wofür wir ja eigentlich nichts können. Insbesondere Songs wie 'We Were Alive' beschreiben mein persönliches Verhältnis zur Apathie und in 'Utopia' geht es darum, diese zu überwinden.“ Wobei Katie andererseits deutlich macht, dass es in ihren Texten nicht nur um sie selbst geht.

„Nein – denn ich mag es, wenn meine Songs eine universelle Qualität haben“, erklärt sie, „ich möchte gar nicht, dass meine Zuhörer mit mir über meine Trennungsgeschichten weinen – also lege ich wert darauf, dass meine Worte esoterisch genug sind, dass sie sich in alle möglichen Richtungen umdeuten lassen.“

Kurzum: Auf ´Future Politics´ verbindet Katie Stelmanis Persönliches und Philosophisches, Musikalisches und Inhaltliches zu einer positiven Utopie als Gegenentwurf zu unseren tendenziell eher dystopisch ausgerichteten Realitäten. Das ist dann weit mehr, als von einer Indie Pop Scheibe gemeinhin zu erwarten gewesen wäre.

Aktuelles Album: Future Politics (Domino)
© 01. Februar 2017  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Renate Raksha
Februar 2017

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