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Aufnahme, Rücklauf, Wiedergabe, Stopp - Bandsalat - Weserburg Bremen

Like Anselm Kiefer!“ nennt Armin Chodzinski seinen Audiokassettenturm, den er aus mehreren Tausend Kassetten als Installation für die Bandsalat-Ausstellung in der Weserburg in Bremen aufgerichtet hat. Waren in den 1980er die Mixtapes ein unverzichtbarer Bestandteil der Jugendkultur, die insbesondere von männlichen Jugendlichen für die aktuell Angebetete in liebevoller Kleinarbeit zusammen gestellt wurden, beschäftigten sich bildende Künstler noch früher mit der relativ leicht zu bedienenden Technik.

Links: Armin Chodzinski beim Aufbau seiner Installation „Like Anselm Kiefer!“ Foto: Bettina Brach

Rechts: Dieter Roth, Gesammelte Werke Band18: Kleinere Werke 1.Teil, Edition Hansjörg Mayer, Köln,1971. Vorzugsausgabe 1983, Foto: Bettina Brach

Von den aus dem Radio oder von Schallplatten zusammen gestellten Lieblingshits unterscheiden sich die Künstlerkassetten in wesentlichen Punkten. Die Künstler verbreiteten über das Medium Kassettenrekorder nicht nur Soundarbeiten oder Klangexperimente, sie vervielfältigten auch Interviews und andere Tondokumente. Sogar Zeitschriften erschienen in Kassettenausgaben. Aufwändige Studiotechnik oder Mindestauflagen waren nicht mehr erforderlich, in eigener Verantwortung produzierten Künstler ihre akustischen Projekte, die bei Bedarf komplikationslos kopiert, getauscht oder verbreitet werden konnten. So publizierte der britische Künstler, Verleger und Hochschullehrer William Furlong ab 1973 mehr als dreißig Jahre lang das „Audio Arts Magazine“. Er führte Interviews mit Künstlerkollegen wie Joseph Beuys, Gerhard Richter, Nam June Paik und Andy Warhol und begann jedes Gespräch mit „I Am Here With...“ und nannte Namen des Künstlers und Aufnahmeort.

Unter dem Namen „Artpool Radio“ dokumentierte der ungarische Künstler György Galantai zwischen 1983 und 1987 auf acht Kassetten einen Mix aus Interviews, Musik, Improvisationen, Spoken word-Beiträge, Klangkunst und anderes. Von Dieter Roth ist Band 18 (Kleinere Werke, 1. Teil) aus der in der Edition Hansjörg Mayer erschienenen Serie „Gesammelte Werke“ zu sehen, in der Roth und Mayer systematisch ältere Bücher des Künstlers wieder auflegten. Dorothy Iannone, lange mit Dieter Roth liiert, veröffentlichte gemeinsam mit Mary Harding 1977 ein zweisprachiges Künstlerbuch in einhundertneunzig signierten Exemplaren, „Speaking to each other. On the Occassion of our Birthday August 9, 1977“, dem zwei Tonbandkassetten beigegeben waren. Unter dem Begriff „Endless Music“ veröffentlichte albrecht/d. merk- und denkwürdiges Klangmaterial, unter anderem mit Throbbing Gristle. Der amerikanische Komponist und Schallplattenkünstler Christian Marclay produzierte 2011 das Künstlerbuch „Cyanotypes“, in dem er zwei veraltete Techniken – Audiokassetten und kameralose Fotografie, also die direkte Belichtung von Film oder Fotopapier - miteinander kombiniert.
Bis 12.05.2013
Weserburg Museum für moderne Kunst, Teerhof 20, 28199 Bremen
Tel.: 0421-59839-70
E-Mail: mail@weserburg.de
Geöffnet: di, mi, fr 10 – 18 Uhr, do 10 – 21 Uhr, sa, so 11 – 18 Uhr
Eintritt: 8/5 Euro
Weitere Infos: www.weserburg.de
© 01. März 2013  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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