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Yoko Ono – Half-A-Wind Show - Schirn Kunsthalle Frankfurt

Yoko Ono mag keine halben Sachen. Obwohl es paradox klingt, passt in dieses künstlerische Schema genau das hinein, was aus Anlass ihres achtzigsten Geburtstages (18. Februar) die Frankfurter Schirn Kunsthalle in einer umfangreichen Retrospektive zeigt: halbierte Kunst. Natürlich, die überwiegende Zahl der mehr als einhundert Exponate (Objekte, Filme, Schallplatten, Texte, Zeichnungen, Fotos) sind in ihrer kompletten Gestalt ausgestellt. Ein zentrales Thema der Frankfurter Ausstellung verweist im Rückgriff auf eine mehr als vierzig Jahre zurückliegende Schau, die unter dem Titel „Half-A-Wind Show“ 1967 in der Lisson Gallery in London stattfand, darauf, mit welcher enormen künstlerischen Tiefe Yoko Ono sich dem damals populären Fluxus-Gedanken näherte.

Links: Cut Piece, 1965, Performed by Yoko Ono, Carnegie Recital Hall, New York, 1965, Photo: Minoru Niizuma ©Courtesy Lenono Photo Archive

Mitte: Ceiling Painting, Yes Painting, 1966, Text auf Papier, Glas, Metallrahmen, Metallkette, Vergrößerungsglas, Leiter lackiert, Leiter: 183 x 49 x 21 cm, gerahmter Text: 64,8 x 56.4 cm, Collection of the artist ©Yoko Ono

Rechts: Add Color Painting, 1960/1966, Farbe, Zeitung, Aluminiumfolie auf Leinwand 40 x 40 cm, Collection of the artist ©Yoko Ono



In der Lisson Gallery war in der Einzelausstellung die Arbeit „Half-A-Room“ zu sehen: weiß gestrichene Möbel und andere Objekte, in Hälften geschnitten: Tisch, Stuhl, Gemälde, Schuh, Blumenkorb, Koffer, Trinkglas, Teetasse. Yoko Ono formulierte mit dieser Arbeit den Verlust einer im Menschen grundsätzlich fest verankerten Ganzheit und zeigte auf poetische Weise die Sehnsucht der Menschen, diese Komplexität wiederherzustellen. Der Betrachter fühlt sich aufgefordert, das Unfertige gedanklich zusammen zuführen, das Ganze zu denken und sich dem aktiven Prozess des gedanklichen Handelns zu öffnen.

An der Seite dieses „gegenständlichen“ Kunstwerkes stehen weitere bekannte und verstörende, geheimnisvolle und humoristische Arbeiten im Blickwinkel dieser Schau. Das berühmte weiße Schachspiel (1968) fehlt ebenso wenig wie die das aus Glasscherben, Klebstoff, Holzkasten, Textilband und Papierstreifen bestehende Arbeit „Morning Piece“ (1964). Grundlage ist eine Performance, in der Yoko Ono kommende und zurückliegende „Morgen“ zum Verkauf anbot. Die imaginäre Tagszeit präsentierte sie in Gestalt von Glasscherben, die mit einem Papierstreifen, auf dem ein mit Schreibmaschine geschriebenes Datum stand, versehen waren. Wie tief die Gedankenspielkunst im Werk von Yoko Ono präsent ist, zeigt das Objekt „Painting To Hammer A Nail In“, das in verschiedenen Variationen ausgeführt wurde. Die interessanteste ist vielleicht die Ausführung, in der ein Hammer aus Glas dafür vorgesehen ist, einen Nagel in eine Edelstahlplatte zu schlagen. Die Unmöglichkeit des Tuns spiegelt sich in vielen Werken der in Japan geborenen Künstlerin wieder.

Dazu bedarf es allerdings, eine zweite Seite der Kunst von Yoko Ono aufzuschlagen, die sich nicht mehr mit Gegenständen auseinander setzt sondern die unmittelbar das Denken und gedankliche Fühlen anspricht. Ingrid Pfeiffer, Kuratorin der Ausstellung: „Ein Werk, das häufig zur Immaterialität neigt, dessen Material weniger aus Objekten und Installationen sondern in großen Teilen aus Ideen und Texten besteht, ist nicht leicht zu präsentieren." Yoko Ono versuchte insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren durch „Instructions“ (die in großer Zahl in ihrem Buch „Grapefruit“ enthalten sind) Künstlerkollegen und Publikum dazu zu bewegen, im Grunde unmöglich auszuführende Anweisungen in Gedankenform zu realisieren. Es existieren allerdings auch Handlungsanweisungen, die durchaus zu verwirklichen sind: „Light a match and watch till it goes out“ (Lighting Piece, 1955).

Ein als Hörraum abgetrennter Teil eines Ausstellungsbereiches ist der Musik von Yoko Ono als Solokünstlerin und als Partnerin von John Lennon sowie der Plastic Ono Band gewidmet. Neben allen LP- und CD-Covers können diverse Musikstücke angehört werden. In einem anderen Teil des Ausstellungsraumes sind Filme von Yoko Ono zu sehen, die den Fluxuscharakter ihrer Arbeit auf besondere Weise unterstreichen: „Fly“ (1970) oder „Film No. 5 (Smile)“ aus dem Jahr 1968. Die eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeit „Moving Mountains“ (2013) besteht aus mehreren Stoffsäcken, in die die Ausstellungsbesucher hinein schlüpfen und mit ihrem Körper bewegliche Skulpturen formen sollen. Dabei ist der Song „Moving Mountains“ von Yoko Onos Album „Between My Head And The Sky“ zu hören. Von den bewegten Skulpturen werden Fotografien gemacht, die während der gesamten Ausstellungsdauer aufgehängt werden. Wem das den Atem verschlägt, der kann sich an mehreren „Air Dispensers“ (1971) bedienen und für einen Obolus von 50 Cent eine (oder mehrere) „Luftkapseln“ ziehen. Diese und weitere Arbeiten dürfen ausdrücklich berührt werden – eine selten gestattete Aktivität in Museen.
Bis 12.05.2013
Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, 60311 Frankfurt
Tel.: 069-2998820
E-Mail: welcome@schirn.de
Geöffnet: di, fr - so 10 – 19 Uhr, mi + do 10 – 22 Uhr
Eintritt: 9/7 Euro
Katalog: 29,80 Euro (Museum), 39,95 Euro (Buchhandel)
Weitere Infos: www.schirn.de
© 01. März 2013  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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