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MIGALA - Ein Rockorchester

Ihr drittes Album hieß aus dem Jahre 2001 “Arde”, was übersetzt so viel heißt wie “Brenne”. Es folgte eine ausgedehnte Tour und im unmittelbaren Anschluss daran die Aufnahmen für den 02er Nachfolger “Restos De Un Incendio” – das wiederum bedeutet “Was nach dem Feuer übrig blieb”. Diese inhaltliche Fortführung war weder Scherz noch Zufall. Es war die konkrete Beschreibung des gemeinsamen Weges, der dazu führte, dass die sieben Mitglieder schließlich eine Pause von Migala brauchten. “Nach Monaten dachten wir irgendwann mal wieder über Musik und Bilder nach. Wir arbeiteten daran und es entstand “La increíble Aventura” (Das unglaubliche Abenteuer).” Diego Yturriaga ist der Harmonika-Mann und Gründungsmitglied von Migala. Ausgerechnet auf einer Tour erwischt es ihn: er soll ein paar Interviewfragen beantworten – was er schließlich brav und verdammt kurz angebunden tut.

Mittlerweile ist die Formation auf beachtenswerte neun Mitglieder angewachsen. Zu dem vielfältigen Bandinstrumentarium zählen neben Gitarre, Bass, Schlagzeug und Diegos Harmonika auch diverse Streicher, sowie weitere Tasten- und Perkussionsinstrumente. Die Größe bringt nicht nur klangliche Vielfalt und gute Laune mit sich, sondern auch Konfliktpotential. “Das ist manchmal eben so. Aber wenn es läuft, dann läuft es auch richtig. Und wenn wir auf Tour sind, fühlen wir uns manchmal wie ein richtiges Rockorchester. Ich hoffe nur, dass andere Orchester nicht so chaotisch sind wie wir.”

Aus der genauen Besetzung machen die Spanier ein Geheimnis. Weder im CD-Booklet noch auf ihrer Homepage verraten sie, wer welches Instrument spielt. Auch im Interview windet sich der vermeintliche Bandsprecher um die Preisgabe zu vieler Details.

“Migala ist ein Haufen von Leuten um die 30 Jahre. Einige von uns haben Teilzeitjobs, manche sind Ingeneure, einige schreiben Kunst- und Filmkritiken, einer arbeitet für einen Vertrieb und einer macht eine Solokarriere.”

Bei Letzterem handelt es sich um Nacho Vegas, der sich zur Zeit als Seelenverwandter von Leonard Cohen, Bob Dylan und Nick Drake in Spanien einen Namen macht.
Hingegen widmet sich Migala eher dem sogenannten Postrock, falls der Begriff in Bezug auf diese überwiegend, aber nicht ausschließlich instrumentale Musikvariante gestattet ist. Die Wurzeln der Band stecken in der Mitte der 90er. Das war die Zeit, in der sich in Chicago eine bestimmte Szene bildete und für Aufsehen sorgte. Bands wie Tortoise, The Sea & Cake oder Trans Am überraschten mit der bis dato neuen Kombination aus alternativem Rock und Instrumentalmusik, von Bauch und Kopf, von Bandgefüge und Projektcharakter.
Diego bestätigt, dass diese Szene eine Vorreiterrolle inne hatte, dass es Postrock sozusagen wirklich gab. “Aber die meisten dieser Bands haben sich in eine andere Art von Rockmusik entwickelt.” Daher sieht er sie weder damals noch heute als prägende Einflüsse oder gar als Vorbilder für die eigene Band. “Wir sind nun mal viele Leute, somit gibt es auch viele Einflüsse und unterschiedliche Art und Weisen, das Leben und die Musik zu sehen. Letztendlich war Migala von Beginn an mehr als ein Mix aus verschiedenen Einflüssen. Es war eine bestimmte Art, mit Begeisterung Musik zu spielen – vielleicht wie Kinder es tun.”
Die bisherigen Platten behandelten zumeist schwermütige Themen – handelten von Winter und Sommer, von Flammen und Glut und von dem, was wohl übrig bleibt, wenn eigentlich nichts mehr da ist. Auf “La increíble Aventura” scheinen die melancholischen Musikanten ihre schelmische, fast kindliche Ader wieder entdeckt zu haben. So finden sich neben romantischen Titeln (z.B. das tatsächlich deutsch benannte „Sonnenwende“) naive und skurrile Namen auf dem Album – so z.B. „El Gran Miércoles” (heißt „Der großartige Mittwoch“) oder “Lecciones de vuelo con Mathias Rust” (heißt: „Flugstunden mit Mathias Rust“). Diego: “Das ist eine Art von Witzen über die Zeiten, in den wir leben.”
Weitere Infos: www.migala.net
© 01. Dezember 2004  WESTZEIT ||| Text: Ulf Kneiding
Dezember 2004

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