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LONSKI & CLASSEN - Die eigensinnigen Wege der Kreativität

Lukas Lonski und Felix Classen kennen sich aus der Grundschule. Das bedeutet zumindest, dass sich über die Zeit Vertrauen heraus bildet. Eine solche Basis gewinnt an Bedeutung, wenn diese zwei Freunde auch einen gemeinsamen kreativen Weg beschreiten. Das tun sie seit Mitte der 1990er-Jahre, doch als Duo erst seit 2005.

Wie kommt der Soul in die Stücke

Bereits beim Ertönen der ersten Klänge macht sich eine Soulanmutung breit.

„Ja, das haben wir hinterher auch herausgehört, obwohl weder ich noch Felix Classen eine einzige Soulplatte benennen könnten“, merkt Lukas Lonski an, „aber vielleicht ist das Soulige gar nicht das Soulige, sondern eher das Bluesige? Wobei wir auch keine Bluesalben nennen könnten.“

Damit liegt Lukas Lonski gar nicht mal so falsch. Immer voraus gesetzt, man lässt den Soulblick nicht nach Detroit, sondern nach Memphis schweifen. Schließlich trifft dort der Mississippi Blues Trail auf die Klangarchitektur des STAX-Soul-Labels.

„Wir beschäftigen uns allerdings weniger mit irgendwelchen musikalischen Wurzeln“, fährt er fort, „weder mit unseren, noch mit deren andere Künstler. Andererseits machen wir Popmusik und die hat ja inzwischen - wie bereits Jazz oder noch länger die Klassik - eine Geschichte. Eine Tradition. Beides wirkt auf alle, die Musik machen. Sei es nun bewusst oder unbewusst.“

Auf dem Weg zu den Stücken können Lonski & Classen unabhängig voneinander arbeiten oder auch gemeinsam improvisieren. „Ganz egal, was wir gerade bevorzugen, wir reagieren sehr schnell aufeinander. Wir müssen nichts mehr besprechen. Wir machen einfach Musik und reden nicht darüber“, erklärt Lukas Lonski, „gibt es hingegen Gäste, die mit einbezogen werden müssen -und davon gibt es auf dem aktuellen Album ‚All Tomorrow Is Illusion’ einige- müssen wir viel Zeit aufwenden. Das ist für uns ungewohnt.“



Der weite Weg zur Platte

Was sich jetzt so anhört, als sei das zweites Album ´All Tomorrow Is Illusion´ geradezu aus dem Stand entstanden, stimmt so auch nun wieder nicht.

„Dass wir schnell aufeinander reagieren und dieses blinde Einverständnis haben, heißt zwar, dass wir etwas hervorbringen, aber nicht unbedingt gleich ein fertiges Lied“, räumt Lukas Lonski ein, „dazu ist Kreativität viel zu eigensinnig und lässt sich nicht kontrollieren. So dauerte es von 2011 bis 2013 bis wir mit der Platte fertig waren.“

Bei einigen Stücken braucht es eben Tage, Monate oder schließlich Jahre, um ihnen ein dem Stück dienliches Leben einzuhauchen. Das passiert Schicht für Schicht mit Klavier, Federhall und Synthesizer.

„Eins dieser langwierigen Stücke ist ‚Sometimes Happy Sometimes Sad’, das von seiner Idee her bereits aus dem Jahr 2008 datiert. Das Lied wollte zunächst einfach nicht, wir haben Tonarten gewechselt, Tempi gewechselt, noch mal komplett alles über Bord geworfen und von vorne begonnen“, weiß Lukas Lonski, „wir hatten den Bezug zu dem Stück völlig verloren. Erst ein Streichquartett hat das Lied völlig reanimiert.“ Bei anderen Liedern gelingt das auf Anhieb.

„Dabei lassen sich viele Momente der Stücke von ihrer Herkunft nicht wirklich erklären“, sagt Lukas Lonski, „das sind die schönsten Momente, wenn man als Künstler den Eindruck hat, das Lied müsse wohl vom Himmel gefallen sein. Oder die Muse müsse unwissentlich die Feder geführt haben.“

Doch wenn am Ende dann sich alles fügt und eine Platte einen Spannungsbogen aufweist, wie er bei ´All Tomorrow Is Illusion´ nun mal vorhanden ist, dann wird nicht mehr nach der verbrauchten Zeit gefragt.

Aktuelles Album: All Tomorrow Is Illusion (Osthafen / Broken Silence)
© 01. April 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
April 2014

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