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CHLOE CHARLES - Entweder / Oder

Wenn sich jemand – wie Chloe Charles – als kanadische Songwriterin präsentiert, gibt es in unseren Breiten heutzutage eigentlich gar kein klares Bild davon, was das genau sein könnte: Zeitgenössische Kanadische Songwriterinnen bemühen sich für gewöhnlich zu klingen als kämen sie aus den USA und dass die Mutter des Genres, Joni Mitchell, tatsächlich eine Kanadierin ist, hilft in diesem Fall auch nicht, weil man Chloe Charles nun wirklich nicht mit Joni Mitchell vergleichen kann – obwohl es hier um eine Frau und ihre Gitarre geht.

Chloe macht es uns aber andererseits wieder einfach, indem sie sowieso einen ganz eigenen Weg geht und musikalische Ausdrucksformen findet, die Vergleiche obsolet machen. Sie scheint einfach keinen Wert darauf zu legen, bei anderen musikalisch zu borgen.

„Danke – aber ehrlich gesagt ist meine Lieblingsmusik sogar solche, die sich bei allem bedient und von jedem etwas hat“, meint Chloe, „ich mag Musik, bei der Du die Person hörst, nicht das Genre. Ich mag also einzigartige Sachen. Es geht mir nicht um stereotypische Pop-Songs – das ist nicht das, was es für mich bringt.“ Das wird jeder nachvollziehen können, der Chloe ein Mal live erlebt oder ihre CD gehört hat: Ihre Songs bewegen sich außerhalb gängiger Klischees, sowohl strukturell, wie auch was den Gesang betrifft. Was ist Chloe denn wichtig?

„Ich möchte mit meinen eigenen Songs einen Eindruck hinterlassen und erreichen, dass die Leute etwas fühlen. Sei es Traurigkeit, Wut, Glück oder Pein – irgend etwas, zu dem Sie einen Bezug haben. Die Leute müssen nicht unbedingt meine Texte verstehen, aber sie sollen einen Bezug zu den Emotionen und dem Klang haben. Ich will schließlich auch etwas Fühlen, wenn ich Musik höre.“

Ist das der Grund, warum die Stimmen auf Chloes Scheibe eine so prominente Rolle spielen und die Arrangements eher in den Hintergrund gemischt wurden?

„Ja, denn meine Stimme ist mein Ein und Alles. Die Stimme ist ja schließlich eine sehr persönliche Sache für jeden und ich liebe es, damit zu experimentieren. Man kann alles mit der Stimme machen – auch ohne Worte. Es ging bei der Produktion der Scheibe übrigens aber nicht darum, die Arrangements in den Hintergrund zu mischen, sondern darum, die Stimme ins Zentrum zu stellen. Ich liebe schließlich die Streicher auf der Scheibe, weil ich denke, dass diese wie eine eigene Stimme sind.“

Worum geht es Chloe denn in ihren Songs?

„Ehrlich gesagt schreibe ich meistens, wenn ich deprimiert oder traurig bin“, gesteht sie, „man hört Künstler ja immer wieder sagen, dass sie nicht schreiben, wenn sie glücklich sind, weil sie zu beschäftigt damit sind, glücklich zu sein – und das ist bei mir auch der Fall. Die meisten meiner Songs sind also ziemlich 'heavy' und handeln von Beziehungen. Ein zweites Thema, das mich reizt sind spirituelle oder übersinnliche Erfahrungen, die ich zum Teil auch selbst hatte.“

Das Cover zeigt Chloe mit einer geschwärzten Gesichtshälfte. Was hat es damit auf sich?

„Nun, ich habe immer schon in einer Art Dualität gelebt“, überlegt Chloe, „ich bin ein Gemisch – halb schwarz, halb weiß. Meine Mutter führte einen sehr ruhigen Lebensstil nahe der Natur, mein Vater lebt in dieser Welt der Schönen und Reichen – das ist ein totaler Gegensatz; schwarz und weiß eben. Ich bin eine ziemlich extreme Person. Für mich gibt es keinen Mittelgrund. Ich bin zu 100% das Eine oder das Andere.“

Nun – der Zuhörer braucht sich zum Glück nicht zu entscheiden: Er bekommt ja auf jeden Fall 100 % Chloe Charles.

Aktuelles Album: Break The Balance (Make My Day / Alive)
© 01. Dezember 2012  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Ullrich Maurer
Dezember 2012

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