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THE SWELL SEASON - Eine großartige Jahreszeit mit strenger Freude

The Swell Season ist eines dieser Projekte, die sich auf gewisse Weise verselbständigt haben. In dem Fall sogar mittels eines anderen Mediums: In dem Film "Once" gaben die beiden Swell Season-Protagonisten Glen Hansard und Marketa Irglova zusammen ihr Debüt als Schauspieler. Aber der Reihe nach: Glen Hansard ist der Kopf der irischen Folkpop-Band The Frames. Während die Jungs außerhalb des Landes nur Fans und Insidern bekannt sind, gehören sie dort zu den gefeierten Superstars. Was freilich einen Songwriter wie Glen Hansard alleine auch nicht zufrieden stellt.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, sich musikalisch weiterzuentwickeln, stieß er innerhalb des Band Korsettes an seine Grenzen, so dass er – zusammen mit Marketa Irglova, die er über seinen tschechischen Booker kennenlernte – das Nebenprojekt "The Swell Season" gründete, um ein Outlet für eher ruhige Songs zu haben. Was dann folgte, ist Geschichte und gipfelte am Ende in einer Performance bei der Oscar-Verleihung:

„Als erstes haben wir 2005 die 'Swell Season' Scheibe aufgenommen“, erzählt Glen Hansard die Chronologie, „danach haben wir die letzte Frames-Scheibe herausgebracht und dann haben wir Anfang 2006 'Once' gedreht. Die erste 'Swell Season'-CD war zunächst ein Neben-Projekt. Heutzutage ist das anders. So gibt es zum Beispiel momentan absolut keine Pläne für eine neue Frames-Scheibe während die Frames-Musiker andereseits auf unserer neuen Swell Seasons-CD mitspielen. Was passiert ist, geschah ziemlich natürlich. Alles ist in dieser Band zusammen gewachsen. Ich weiß nicht, wie lang diese bestehen wird - bislang hat aber alles gut geklappt. Nicht, dass die Erwartungen an das neue Album bestimmter Natur sind – es geht eher darum, wie Mar(keta) und ich die Sache nächstes Jahr sehen. Daran werden wir festmachen, wie es weitergehen wird.“

Der Titel des neuen Albums, „Strict Joy“ basiert auf einem Buch des irischen Schriftstellers James Stephens.

„Er ist ein großartiger Romancier, ein großer Visionär“, erklärt Glen, „ich habe große Hochachtung vor ihm als Führer unseres Landes obwohl die Geschichtsbücher ihn nachlässig behandelten. Er ist in Irland zwar angesehen, aber nicht so bekannt. Er schrieb über die sogenannte Unterwelt – halb mythisch, halb real. Seine Poesie und seine Schriften inspirieren mich seit Jahren. Ich bin diesbezüglich sehr exzessiv. Wenn mich etwas interessiert, dann muss ich alles haben, was ich bekommen kann. Ich fand eine Ausgabe des Buches 'Strict Joy', dass er 1931 schrieb. Als ich dieses Gedicht las, berührte es mich sehr. Der Titel alleine ist ziemlich sexy."

Was interessiert heutzutage Glen Hansard als Songwriter?

"Was man als neurotischer Songwriter wie ich macht, ist, Elemente absoluter Wahrheit zu nehmen und mit Elementen absoluter Fiktion zu verschleiern", erklärt Glen das Prozedere, "es muss dabei aber ehrlich sein - ansonsten funktioniert es nicht. Die Idee zum Beispiel, einen Song etwa für eine Filmszene zu schreiben, empfinde ich schon als zynisch. Ich muss auch einen solchen Song von einer persönlichen Warte aus schreiben.“

Und wie sieht das seine Partnerin, Marketa – die (als klassisch ausgebildete Pianistin) ja überhaupt erst über Glen zum Songwriting kam?

„Nun, ich mag die Idee eines Rahmens in einem Song mit einem Beginn und einem Ende. Es muss aber nicht unbedingt eine verbale Geschichte sein.“

Das erklärt, dass Marketas Songs – eher noch als Glens – tatsächlich auch Geschichten erzählen. Nicht als Handlungsstrang, sondern in Form von Bildern. Was aber inspiriert Marketa als Songwriterin?

„Alles“, meint sie, „es kann ein einzelnes Wort sein oder ein Bild in einem Film oder eine Zeile in einem Buch, die deine Aufmerksamkeit erregt. Es ist, als ob man so Zusammenhänge erkennt, die einem bisweilen verborgen blieben und diese möchte man dann mitteilen. Ich muss noch herausfinden, was genau da passiert, aber es ist faszinierend. Stille ist übrigens auch inspirierend. Man kann dann Relevanz in den kleinsten Dingen erkennen. Es ist überall möglich – so lange Deine Sinne offen sind.“

Mit 'Strict Joy' scheint Glen Hansard als Songwriter zu jenem Format gefunden zu haben, in dem er sich am besten ausdrücken kann. Da es dem Album – im Gegensatz zum eher asketischen Versuch, mit dem alles begann – auch arrangementstechnisch an nichts ermangelt und auch die Frames-Kumpels mit im Boot sind, scheint auch die musikalische Zukunft auch gesichert.

Aktuelles Album: Strict Joy (Epitaph)
© 01. November 2009  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Piper Ferguson
November 2009

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