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Kunst. Bewegt. 02 – Joseph Beuys und der Schwan - Museum Schloss Moyland Bedburg-Hau

Alle halbe Jahre wieder bewegt sich im Museum Schloss Moyland die Kunst. Sie findet jeweils Ende März und Ende September ihren Weg aus dem Depot in die Ausstellungsräume, wo sie im Austausch gegen die „alten“ Bestände den Reichtum des Sammlungsbestandes beweisen. Das zu dokumentieren ist in Moyland nicht besonders schwierig, besitzt das Museum doch eine weltweit einmalig große Beuys-Sammlung, deren mehrtausendfache Einzelstücke überwiegend im Dornröschenschlag versunken sind. Zeit zum Aufwachen also, Zeit, das Herzstück des Museums, die Sammlung der Brüder van der Grinten, ins öffentliche Licht zu rücken. Kunst bewegen – nach diesem Grundsatz wechselt alle sechs Monate im laufenden Ausstellungsbetrieb nicht nur das Angebot auf der Beuys-Etage, im Erdgeschoss wechseln die Kunstwerke in den Grafik- und in den einzelnen Künstlern zugewiesenen Räumen, im Untergeschoss machen Skulpturen anderen Skulpturen Platz.

Hans und Franz-Josef van der Grinten sammelten zeitlebens nicht nur Werke von Joseph Beuys, sie schauten auch nach rechts und links und trugen so eine stattliche Werksammlung zeitgenössischer Künstler zusammen. In „Kunst. Bewegt. 02“ zeigt das Museum Arbeiten von Peter Dreher, bei denen insbesondere die „Neujahrsgrüße“ herausragen: kleinformatige Grafiken mit Schlüsseln, die Dreher an Freunde, Sammler und Galeristen verschickte. André Thomkins (1930-1985) schuf 1958 ein sogenanntes „Knopfei“, zwei mit Nadel und Faden verbundene Alltagsgegenstände: eine Garnrolle als Sockel, ein Ei mit Knopf. Derart surrealistische Collagen wiederholte Thomkins mehrmals und setzte das Motiv in verschiedene Weise um („Shadowbuttoneggs“). Kartonageplastiken von Erwin Heerich im Raum 21 vermitteln eine kühle, nüchterne, auf geometrische Formen ausgerichtete Kunstwerke, die der gemeinsam mit Joseph Beuys bei Ewald Mataré studierende Künstler immer wieder variierend in großer Zahl herstellte. Das Museum Schloss Moyland besitzt etwa zweitausend Werke von Heerich, überwiegend Zeichnungen und Druckgrafik sowie plastische Arbeiten. Byars gelangt wie Beuys zu einer Erweiterung des Kunstbegriffs, die Briefe waren für ihn eine wichtige Ausdrucksform.
„Die Museen entdecken die eigene Sammlung,“ sagte Bettina Paust, die künstlerische Direktorin des Museums Schloss Moyland, und verwies auf einen Trend, der auch in anderen Häusern zu beobachten sei. „Gerade eine Sammlung wie in Moyland ist Alleinstellungsmerkmal für ein Museum. Mit dem zweimal jährlichen Bestandswechsel wollen wir den Besuchern die Möglichkeit geben, die Sammlung zu entdecken und inhaltliche Konzepte vermitteln.“
Zentraler Bezugspunkt beim Ausstellungswechsel ist das Schwerpunktthema „Joseph Beuys und der Schwan“. In einem eigenen Raum in der ersten Etage vor dem Zwirnersaal sind Arbeiten auf Papier und Reliefs zu sehen, die den Schwan im Werk von Beuys fokussieren, ein Tier, das nicht nur Beuys' Verbundenheit mit dem Niederrhein zeigt sondern auch seine selbst entdeckte Nähe zu einem geschichtsträchtigen Aspekt in der Schwanenstadt Kleve beschreibt: der in Krefeld geborene Beuys nannte sich selbst einen Sohn und Erben Lohengrins und zeigte damit seine starke Verbundenheit mit Kleve. In vielen seiner Werke hat Beuys sein Interesse für die Natur und die Mythologie schwanenmäßig aufgearbeitet – im Entwurf eines Reliefs für das Foyer des Kino am Düsseldorfer Worringerplatz oder in der Zeichnung „Schwangere und Schwan“ von 1959.
Als Glücksfall für die Schwan-Ausstellung zeigt sich die zeitgleiche Veröffentlichung des Buches „Joseph Beuys und der Schwan“, in dem sich der Autor Heribert Schulz ausschließlich mit dem Schwan-Motiv bei Beuys auseinandersetzt. Schulz, der die Fertigstellung seines Buches nicht mehr erlebte (er starb am 7. Januar 2010), beschäftigt sich auch ausführlich mit zwei großformatigen Wandtafeln mit Schwanenmotiven, die sich auf die Beuys-Arbeit „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ beziehen und die 1977 in Kassel und 1980 in Perugia entstanden.
Ebenfalls neu in den Ausstellungsräumen zu entdecken sind die Beuys-Aktionen „Der Chef The Chief Fluxus Gesang“ (1964) und „7000 Eichen“ (ab 1982). Die Bedeutung des Künstlers als Zeichner – von vielen Kritikern als herausragendster Beitrag von Beuys zur Kunstgeschichte gewürdigt – belegen zeichnerische Arbeiten in drei chronologisch angelegten Räumen, die den Auftakt des Beuys-Rundgangs bilden.

Kunst. Bewegt. 02 – Joseph Beuys und der Schwan (-März 2013)
Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau
Tel.: 02824-9510-0
Geöffnet: di - so 11 – 17 Uhr
Eintritt: 7/3 Euro, Familienkarte 15 Euro
Buch: 20 Euro (Richter | Fey Verlag)
Weitere Infos: www.moyland.de
© 01. November 2012  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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