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Live To Tape - Die Sammlung Mike Steiner - Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin

Direkt und unmittelbar vom Leben auf das Videoband, ohne Schnitt und ohne Nachbereitung, mit der Wucht des Augenblicks festgehalten: Szenen einer Wirklichkeit im Unwirklichen, Entblößungen in totaler Nacktheit und im langen Wintermantel. Im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zeigt der Galerist und Künstler Mike Steiner (* 1941) in fünf Räumen eine Auswahl aus seiner Videosammlung, die er seit Beginn der 1970er Jahre systematisch aufbaute.

Mike Steiner gründete 1976 nach mehreren Reisen nach New York, wo er Kontakte zu Video- und Aktionskünstlern knüpfte, nahe dem Kurfürstendamm in Berlin die „Studiogalerie“. Dort versammelten sich nach kurzer Zeit die Berliner Videokünstler, die bis dahin kaum beachtet wurden. Steiner stellte auch internationale Pioniere des neuen Mediums vor und sammelte deren und die Werke der Berliner. In seinem 1970 eröffneten „Hotel Steiner“ veranstaltete er 1979 mit dem Fluxus-Künstler Ben Vautier die Aktion „Hotel Room Event“, in der in verschiedenen Hotelräumen fünfzehn Künstlervideos aufgezeichnet wurden. Aus dieser Aktion zeigt die Ausstellung drei selten präsentierte Arbeiten von Dorothy Iannone, Raimund Kummer und Joan La Barbara. Von Ben Vautier ist „Sleeping Video“ zu sehen: auf einer Holzpalette ruht ein Fernsehgerät auf einem Kopfkissen. Von 1985 bis 1990 war Steiner Produzent des Kabel-Pilot-Projektes „Die Videogalerie“, in dem er Werke aus seiner Sammlung sowie Interviews und Berichte zeigte.

„Live to Tape“ nennt sich in Fernsehproduktionen das Verfahren, eine Sendung live und meistens vor Publikum aufzunehmen und später zu senden. Dieser Begriff verbindet Aktionen und Live-Performances mit der Videokunst, die ohne den Live-Charakter oft ihre Wirkung schnell verlieren würde. So testen Marina Abramović und Ulrike Rosenbach ihre Körperkondition sowie die Grenzen der Aufnahmefähigkeit ihres Körpers. In „Freeing The Body“ tanzt Abramović nackt und mit verbundenen Augen stundenlang zu Drumbeat-Klängen, bis sie vor Erschöpfung zusammen bricht. Ulrike Rosenbach schlägt sich zur Musik von Brenda Lee solange auf die unbekleideten Innenseiten ihrer Oberschenkel bis die Haut rot-blau anläuft.

Der von KH Hödicke gedrehte Kurzfilm „Made In New York“ (1973) nimmt eine Meldung in New Yorker Zeitungen zum Anlass, sich mit der Alligatorenhaltung in Wohnungen und deren Überleben in der New Yorker Kanalisation zu beschäftigen. Als Protagonist ist der Künstler Al Hansen in der Rolle eines Alligatorexperten zu sehen, der ausführlich beschreibt, wie diese kleinen Biester durch die Toilettenspülung in die Kanalisation entlassen werden und dort ihr Überleben sichern. Ulay (F. Uwe Laysiepen) organisiert die Inszenierung eines tatsächlichen Kunstraubes: er entfernt 1976 aus der Neuen Nationalgalerie das Gemälde „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg und hängt es in der Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie an die Wand. Außerdem sind Arbeiten von Jochen Gerz, Valie Export, Cornelia (jetzt Kali) Balcerowiak, Lil Picard, Helmut Wietz, Friederike Petzold, Endre Tót, Joan Jonas, Charlemagne Palestine und Wojciech Bruszewski zu sehen.

Bis 08. Januar 2012
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Invalidenstr. 50-51, 10557 Berlin
Tel.: 030—39783411
E-Mail: hbf@smb.spk-berlin.de
Öffnungszeiten: di – fr, so 10-18 Uhr, sa 11-20 Uhr
Eintritt: 12/6 Euro (Hauskarte mit Sonderausstellungen)
Weitere Infos: www.hamburgerbahnhof.de
© 01. August 2011  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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