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Cy Twombly – Photographien 1951-2010 - Museum für Gegenwartskunst Siegen

Cy Twombly, dem die Stadt Siegen zur Zeit eine große Ausstellung mit insgesamt einhundertundzwanzig Fotografien eingerichtet hat, ist am 5. Juli in Rom - seiner zweiten Heimat seit mehr als einem halben Jahrhundert - gestorben. Der Maler einfacher, in sich verschlungener Strukturen, der das Bildhafte auf die Ebene der Minimal Art hinunter reduzierte, der Maler geheimnisvoll wirkender, scheinbar planlos hingeworfener Farbkleckse, der seinen Bilder oft Titel anheftete, die er der griechischen Mythologie entnahm („Bacchus“, „Leda und der Schwan“), dieser berühmte Mann betätigte sich auch als Fotograf.

1987 erhielt Cy Twombly den Rubenspreis der Stadt Siegen. Das Museum für Gegenwartskunst widmet sich vor allem den einflussreichen Positionen einer zeitgenössischen Kunst, die sich mit den Veränderungen und Verflechtungen künstlerischer Themen und Strategien auseinander setzt. Bedeutender Ausgangspunkt ist für das Museum die Arbeit des Künstlerpaares Bernd und Hilla Becher. Der in Siegen geborene Fotograf Bernd Becher setzt den regionalen Haltepunkt innerhalb der internationalen Gegenwartskunst. Nun also ein Maler und Bildhauer, dessen umfangreiches fotografisches Werk seit wenigen Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Als erste Station zeigte das Museum Brandhorst in München die mehr als einhundert Fotografien, die insbesondere durch ihre Unschärfe, ihre Farbigkeit und ihre diffus wirkenden Motive auffallen.
Edwin Parker Twombly, jr. kam am 1928 in Lexington/Virginia zur Welt und erhielt - wie schon sein Vater – den Nickname Cy (wie „Cyclone“ = Zyklon) nach dem Baseballspieler Cy Young. Schon während seiner Studienzeit am Black Mountain College in Asheville/North Carolina begann Cy Twombly zu fotografieren: im Spätsommer 1952 belegte er dort einen Kurs für Fotografie. Schon am Anfang variiert Twombly stark die fotografischen Motive, widmet sich den klassischen Stillleben wie Tulpen und Engelstrompeten, schaut in geheimnisvolle Innenräume und Bassano und Rom und beschäftigt sich mit Landschaftsfotografie. Dabei geht es dem Künstler nicht in erster Linie um den Wiedererkennungswert der Motive, sondern vielmehr darum, durch konzentrierte Blicke auf Oberflächen eine neue visuelle Ordnung zu gestalten. Die dadurch auftretende Unschärfe, das Spiel mit Licht, Schatten und Überbelichtung, die radikale Nahsicht sind für Twombly – der mit einer einfachen Polaroid-Kamera arbeitete – die Verbindungslinien zu einer die Disziplinen übergreifenden Kunst. Ihm gelingen großartige Bilder mit einer altertümlich wirkenden Aussage, das Verschwommene und die fließenden Übergänge erinnern dabei an die für Cy Twombly gleichrangige Malerei.

Cy Twombly – Photographien 1951-2010 (-30.10.2011)
Museum für Gegenwartskunst, Unteres Schloss 1
Tel.: 0271-405770
Di-So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr
Eintritt: 5,90/4,60 Euro
Katalog 38,00 Euro, im Buchhandel 58,00 Euro
(Schirmer Mosel Verlag)
Weitere Infos: www.museumfuergegenwartskunstsiegen.de
© 01. August 2011  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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