| Barbara Breitenfellner träumt von Kunst. Und ihre Träume liefern das Material für ihre Kunst im realen Ausstellungsraum. Traum und Existenz reflektieren sich gegenseitig. Keineswegs dokumentiert ihre Kunst die Kreativität des einzelnen träumenden Subjektes, sondern, im Gegenteil, seine Kolonialisierung durch von Außen einwirkende Bilder und ihre überindividuelle Bedeutungshaftigkeit. Der kontinuierliche Bilderstrom der Medien hat ein omnipräsentes kollektives Gedächtnis geschaffen, an dem das einzelne Subjekt als Medienkonsument bewusst oder unbewusst teilhat und von ihm in semantischer Perspektive abhängt. |
 Die Künstlerin entdeckt, wie sich die Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis im Subjekt einnisten und in seinen Träumen ein geheimnisvolles parasitäres Eigenleben zu führen beginnen: Sie setzen einen Gestaltungsprozess in Gang, an dem die träumende Person nunmehr bloß als ausführendes Organ beteiligt zu sein scheint. Kraft vorgeprägter Assoziationsmuster und Sinnzusammenhänge ordnen sich die Bilder im Traum zu neuen Inhalten an, löschen sich in Kamikaze-artiger Aufeinanderfolge aus oder suchen neue Verbindungen. Verknüpfung, Löschung und Rekombination schaffen neue Bedeutung, ähnlich der Konstruktion einer Collage. Im Wachen ist uns in der Regel gar nicht bewusst, wie wesentlich diese Kräfte in uns die semantische Realität schaffen, in der wir wie selbstverständlich leben. |
| Zwei Träume, festgehalten in Traumprotokollen der Künstlerin, werden in den Ausstellungsräumen des HMKV im Dortmunder U materiell rekonstruiert: Traum 1 handelt von einer Ausstellung der Künstlerin. Traum 2 von einer zirkushaften Kunst-Performance. Bewusst kulissenhaft in Szene gesetzt, wird den Träumen die Illusion des Träumenden entzogen. Es bleiben allein die geheimen Akteure der Träume auf der Bühne zurück: Ein zerknautschtes Luxusauto auf einem Teppich mit Zickzack-Muster, auf dem Kopf hängende Ölschinken, ein Mann im Gorillakostüm mit Anglerweste und Boxhandschuhen, der die Arme in Siegerpose hochreckt und zwischen Zirkuspodesten auf einer hydraulischen Hebebühne steht – oder ist es der verkleidete Joseph Beuys, der inmitten einer seiner Fluxus-Aktionen zu einer Wachsfigur erstarrt ist? Eingespieltes Sitcom-Lachen und Turbinenwummern sind genauso als Staffage aufgedeckt, wie die unverborgene elektrische Installation einer Wand aus Lampen, die die Zirkusszene mit wechselnden Lichtmustern zeitweise in einen goldenen Schein hüllt. |
| Jedes Ausstellungselement kann als Collage-Schnipsel verstanden werden, das sich mit anderen Elementen zu neuen Sinnzusammenhängen in Beziehung setzen will; seien es die umgebenden Ausstellungsobjekte oder Vorstellungsbilder, die aus dem kollektiven Gedächtnis im Besucher aufsteigen. Barbara Breitenfellners raumgreifende Installation fokussiert die mediale Prägung unseres Bewusstseins. Ihre künstlerische Praxis lässt sich im Kontext der Mission des Hardware Medienkunstvereins (HMKV) deuten, der seit seiner Gründung im Jahr 1996 die Vermittlung von zeitgenössischer (Medien-)Kunst fördert, die sich mit unserer in starkem Maße medial und technologisch geprägten Gegenwart auseinandersetzt. |
| © 01. Mai 2011 WESTZEIT ||| Text: Dennis Behle
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