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FERDINAND KRIWET - Yester' n Today

Kunsthalle Düsseldorf

Die Welt besteht aus Zeichen. Was heute in einen Dschungel aus überbordenden Piktogrammen, Hinweisschildern, Straßenverkehrszeichen, Werbebannern, Markenlogos und Ankündigungssysteme führt, stand in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch auf der untersten Entwicklungsstufe. Ein damals junger Mann aus Düsseldorf, der 1942 dort geborene Ferdinand Kriwet, erkannte bereits früh die enorme Bedeutung und Suggestionskraft von Sprache, Werbung, Fernsehen, Fotografie und Hörfunk. Bereits mit neunzehn Jahren veröffentlichte er im Kölner DuMont Verlag seine erste Publikation - „Rotor“, ein handlungs- und absatzloser Roman ohne Punkt, Komma, Strich, in einheitlichem Blocksatz. Dieser Gegenentwurf eines literarischen Textes zeigte sich als Einstieg in eine Welt der Zeichen, die Ferdinand Kriwet wie kaum ein zweiter Künstler mit einer Konsequenz betrat, die die bis dahin vorherrschenden Sehgewohnheiten und Sprachverhältnisse in den reizüberfluteten Massenmedien mit einem Spiegel der Entblößung belegte.
Nach dem sich die bildende Kunst seit den 1950er Jahren schrittweise von traditionellen Erscheinungsformen wie Malerei und Skulptur löste, fahndete auch die Literatur der Nachkriegszeit nach neuen, zeitgemäßen Formen des Ausdrucks und des Inhalts. Ferdinand Kriwet, der in den sechziger Jahren mit Günther Uecker und Lutz Mommartz in Düsseldorf das legendäre „Creamcheese“ gestaltet hatte, entwickelte aus seinen literarischen Anfängen aus dem Wort das Wort-Bild: Texte ohne Anfang und Ende, ineinander verschmelzend, mit mehrdeutigem und unbestimmten Inhalt, dem Betrachter kommentar- und orientierungslos an die Hand gegeben. Daraus entstanden in den folgenden Jahren Leitsysteme wie im Max Weber-Berufskolleg Düsseldorf (1973/74), großformatige Wandbemalungen (Kaufmännische Berufsschule II und III, Düsseldorf), Neonschriften („Chrom-Neon-Text“, Ruhr-Universität Bochum) sowie Kunst am Bau-Projekte wie die Wappenwand im Düsseldorfer Landtag und eine Licht-Text-Säule im Postamt Essen.

Die Kunsthalle Düsseldorf präsentiert nach fünfunddreißigjähriger Abwesenheit des Künstlers erstmals wieder eine umfassende Werkschau in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. 1975 zeigte letztmals der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ein Ausstellung; außerdem war Ferdinand Kriwet im „Creamcheese“ präsent. In der Kunsthalle öffnet sich eine chronologisch aufgebaute Ausstellung, die die ersten „Rundscheiben“ und „Poem Paintings“ zeigt und weitere Einblicke in Kriwets umfangreiches Oeuvre ermöglicht: Publikationen, Film- und Fernsehbeiträge, Neonarbeiten und Mixed-Media-Installationen. Und natürlich die Hör- und Sprechtexte, mit denen Ferdinand Kriwet den Hörfunk maßgeblich beeinflusste und umgestaltete. Legendär sind seine Montagen über Fußball oder die Apollo 11-Mission mit der Mondlandung. Kriwets akustische Collagen und Pseudoreportagen – die aus echten Reportagen zusammengenäht wurden – revolutionierten das bis dahin eher biedere, erzählende Hörspiel der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Nach dem Ferdinand Kriwet von 1958 bis 1974 in Düsseldorf lebte, ging er vom Rhein in die Eifel nach Dodenburg, fand dann im ostfriesischen Dunum einen Platz und siedelte schließlich über Burgen im Kreis Bernkastel-Kues nach Dresden um. Doch um 1987 herum stellte er jede künstlerische Tätigkeit und Produktion ein, eine letzte öffentliche Präsentation der Werk fand 1981 in Schwäbisch Hall statt. Erst 2004 kehrte Ferdinand Kriwet als bildender Künstler in die Öffentlichkeit zurück – mit der Präsentation alter und neuer Werke in der Galerie BQ in Köln. Für die Ausstellung in Düsseldorf konzipierte Ferdinand Kriwet neue, eigens für diese Schau herstellte Arbeiten und untermauert damit seine Bedeutung als medienkompetenter Künstler, der sich bereits vor den Zeiten des Internets intensiv mit der Welt aus Kommunikation, Schrift und Bild auseinander gesetzt hat.
Bis 01. Mai 2011
Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf
Tel: 0221-8996256
Geöffnet: di – so, Feiertage 11 – 18 Uhr
Eintritt: 5,50/3,50 Euro
Weitere Infos: www.kunsthalle-duesseldorf.de
© 01. März 2011  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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