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Klassiker in Bonn: Arp, Beckmann, Munch, Kirchner, Warhol... Die unbekannte Sammlung aus Bielefeld - Bundeskunsthalle Bonn

Auswärtsspiel für die Kunsthalle Bielefeld, die mit ihrer eigenen Sammlung der klassischen Moderne ein Dach über dem Kopf gewährt. Bedeutende Werke der Kunstgeschichte von Alexej von Jawlensky, Emil Nolde, Pablo Picasso oder Man Ray schlummern seit der Unterbringung des Museums im von Philip Johnson neu gebauten Haus (1968) und schauen nun seit dem 28. Januar dieses Jahres in der Bundeskunsthalle in Bonn der Öffentlichkeit ins Gesicht. Zum dritten Mal präsentiert sie nach der Kunstsammlung Winterthur und der Sammlung Guggenheim eine wichtige Sammlung, die außerhalb der eigenen vier Wände dem Publikum die Chance bietet, bedeutende Kunstwerke zu erleben. Zum zeitgenössischen Bestand der Kunstsammlung Bielefeld zählen Arbeiten von Georg Baselitz, Thomas Schütte, Olafur Eliasson oder Peter Fischli/David Weiss.

Als Schenkung der Künstlerin Yoko Ono - die als Pionierin der Conceptual Art großen Anteil an verknüpfter Medienkunst besitzt - an die Kunsthalle Bielefeld ist auch die vom Fluxus geprägte Film-Installation „Fly“ zu sehen, die bereits als Bestandteil der Ausstellung „Yoko Ono – Between The Sky And My Head“ im Jahr 2008 in Bielefeld gezeigt wurde. „Fly“ (Film No. 13) aus dem Jahr 1970 in der sechsteiligen Version von 2003 ist natürlich kein Tierfilm im klassischen Sinne, sondern spielt mit tierischer Entdeckungsfreude und sinnlichen Erlebnisbereitschaft und der Phantasie des Zuschauers. Bereits 1968 konzipierte Yoko Ono in „13 Film Scripts By Yoko Ono“ eine Regieanweisung für den Film „Fly“. Deren einziger Satz lautet: „Let a fly walk on a woman's body from toe to head and fly out of the window“. Die 2003er-Version erweiterte die Künstlerin, in dem sie die Installation auf sechs Monitore verteilte, auf denen zeitversetzt der Film sechsmal läuft.

In Bielefeld reicht der Platz nicht aus, Sammlung und Wechselausstellungen zu zeigen – die Schätze verstecken sich im Depot. Bonn macht es möglich, daß die Bielefelder ihre Kleinode in bisher unbekannten Umfang der Öffentlichkeit präsentieren können. In kreativer Arbeitsteilung ergänzen sich Bielefeld und Bonn vorbildlich – die Ostwestfalen übernehmen Auswahl, Katalog- und Wandtexte, die Rheinländer die Logistik, Lektorat und Produktion des Kataloges und die Öffentlichkeitsarbeit.

1950 schenkte Rudolf August Oetker die ersten Exponate der Sammlung, die 1954 durch Ankäufe der Stadt Bielefeld richtig in Fahrt kam. Damals standen Namen wie Max Beckmann, Auguste Rodin und Emil Nolde auf dem Drehteller, die Sammlung erfuhr insbesondere durch Werke des deutschen Expressionismus, der internationalen Skulptur und beispielhafter zeitgenössischer Positionen an Gewicht. In der Bundeskunsthalle in Bonn stellt sie sich mit etwa einhundertundzwanzig Gemälden, Skulpturen, Filmen, Fotografien, Papierarbeiten und Installationen vor.

Das Plakatmotiv steht aus Edvard Munchs Gemälde „Dorfstraße Kragerø“ (1911-13), eine aus dem von Munch gewohnten Dunkelheitambiente herausgelösten Arbeit, die eine fröhliche Straßenszene

im lichtdurchfluteten Tag zeigt. Max Beckmanns „Italienische Phantasie“ (1925), 1976 erworben, nährt sich aus der realen Welt – vier Menschen in einem Boot vor dem Campanile des Badeortes Pirano scheinen Lebensfreude zu demonstrieren, wecken jedoch durch ihre starren Gesichter und schreienden Münder bereits düstere Vorahnungen an eine dunkle Zeit. Der japanische Fotograf Hiroshi Sugimoto (1948) zählt zur jüngeren Künstlergilde und zeigt technisch präzise Fotoarbeiten mit konzeptuellem Anspruch, in deren Zentrum das Thema Zeit steht. Die „unbekannte“ Sammlung vermittelt einen breiten Überblick über die Kunst des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Klassiker in Bonn: Arp, Beckmann, Munch, Kirchner, Warhol... Die unbekannte Sammlung aus Bielefeld (-27.03.2011)
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland,
Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn
Tel: 0228-9171-0
Di - Mi 10 - 21 Uhr, Do - So 10 - 19 Uhr
Eintritt: 8/5 Euro, www.kah-bonn.de
© 01. Februar 2011  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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