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THE 80s REVISITED. DIE SAMMLUNG BISCHOFBERGER I - Kunsthalle Bielefeld

Die 80er Jahre – ein Irrtum der Evolution? Das Jahrzehnt der Schulterpolster und gefälschter Hitler-Tagebücher, der Tschernobyl-Katastrophe und des Geiseldramas von Gladbeck, weckt in der Rückschau Verwunderung, Scham und Kopfschütteln. Eine total geschmacklose Mode, die nahezu jeder mitmachte, verursacht heute nur noch herzhaftes Lachen. In diesen Widersprüchen existierte auch die bildende Kunst, die einerseits das Postulat der Heimatlosigkeit des Künstlers vermittelte und andererseits mit heftiger Energie einer jungen, wilden Generation vor keiner Stilentwicklung Halt machte. In diesem Spannungsbogen baute der Schweizer Galerist Bruno Bischofberger eine gewaltige Sammlung auf, die als bedeutende für die Kunst der achtziger Jahre gehalten wird. Wegen des großen Umfangs der Sammlung zeigt die Kunsthalle Bielefeld sie in zweiten Teilen, wovon der zweite im Jahr 2011 die New Yorker Malerstars (etwa Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Julian Schnabel) präsentiert.

Keith Haring malte 1983 gelbe Affen, die in einem Baum von Ast zu Ast springen und sich vor einem hellblauen Hintergrund als farbmächtige Konturen abzeichneten. Der Baum mit seiner ornamenthaft angelegten Astkrone erinnert dabei gotische Blattwerkfriese oder Seemannsknoten. Rainer Fettings „Mann und Axt“ von 1980 reflektiert als farbstarkes, expressives Bild die leidenschaftliche Wildheit einer jüngeren Künstlergeneration, die sich als widerspenstige Gegenströmung zur Avantgarde und dem Minimalismus etablierte. „Plötzlich tauchten (um 1980) so viele Maler auf, dass es einer Inflation gleichkam. In jedem Land wurden diese 'transavantgardistischen' Künstler gesucht und gefeiert. Und bewertet, so dass eine hierarchische Stufung – zunächst vom ökonomischen Erfolg her – erreicht wurde. Dann wurden alle diejenigen Maler, die schon jahrelang malten, entsprechend gewürdigt … und an den Akademien wurde auch wieder heftig gemalt“, schreibt Gerhard Johann Lischka in „Alles und noch viel mehr. Das Poetische ABC“, der Kataloganthologie der 80er Jahre.

Zu dieser Künstlergeneration zählen Salomé (Wolfgang Ludwig Cihlarz), Kenny Scharf, Enzo Cucchi, Francesco Clemente und John Armleder. Der 1954 in Krnov (Tschechien) geborene Dokoupil (Jirí Georg) zählt zu den herausragendsten Künstlern der achtziger Jahre. Seine erste Einzelausstellung in der Galerie Paul Maenz in Köln trug den bezeichnenden Serientitel „Neue Kölner Schule“. Das Wort „neue“ spielte nämlich in der Kunst der Achtziger eine wichtige Rolle und bezeichnete unmissverständlich die Abkehr von allem bis dahin Gewesenen in der Kunst und den Aufbruch in eine innovative, moderne Richtung. Dokoupils Gemälde sprengen fast die Darstellbarkeit der Kunst, sie rütteln an der Stagnation und am schlechten Ruf der damaligen Malereiauffassung. Fast schrill wirken die farbstarken Bilder, die sich nicht auf einen Stil festlegen lassen sondern Dokoupils Hang zur Antikontinuität.

Im gleichen Atemzug mit Dokoupil ist die Mülheimer Freiheit zu nennen, eine Künstlergemeinschaft, die in einem Gemeinschaftsatelier am Platz Mühlheimer Freiheit Nr. 110 im Kölner Stadtteil Mülheim arbeitete. Dazu gehörten auch Gerhard Naschberger, Walter Dahn, Hans Peter Adamski, Peter Bömmels und Gerhard Kever. Aus dem traditionellen Milieu der gegenstandslosen Malerei, dem Informel, kam Philip Taaffe aus New Jersey, ehe er mit der "Appropriation Art", eine Art Kopierkunst von Werken anderer und der Verwendung vorgefundenen Materials.

„Diese Kunst tanzt auf vielen Hochzeiten, und sie orientiert sich auf frühere Epochen und nicht allein auf die so genannte Moderne. Es gibt auf einmal wieder lange Traditionen. Aus Sicht der Minimal Art und Konzept-Kunst, die zur Prophezeiung eines Endpunkts in der Malerei geführt haben, war es um 1980 sehr erstaunlich, dass etwas Derartiges passieren würde.“ (Bruno Bischofberger)

The 80e Revisited - Die Sammlung Bischofberger I (-20.06.2010)
Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld
Di - So 11–18, Mi 11–21, Sa 10–18 Uhr, montags geschlossen
Tickets: Erwachsene 7/ermäßigt 2 bis 5 Euro,
Familienkarte 14, Euro
Telefon: 0521/329 99 50-0
Weitere Infos: www.kunsthalle-bielefeld.de
© 01. Mai 2010  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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