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| Zur Blütezeit der Concept Art, als in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Idee, der geplante Umriss von Kunst wichtiger war als die Ausführung , dachte Liam Gillick aus Aylesbury im englischen Buckinghamshire garantiert noch nicht daran, eines Tages als Weiterentwickler der konzeptuellen Kunst tätig zu sein. In seinem Geburtsjahr 1964 standen die Beatles mit fünf Singles auf den Plätzen eins bis fünf in der US-amerikanischen Hitparade, fand in Kassel die documenta III statt und zeigte die Lisson Gallery in London die „Half A Wind Show“ von Yoko Ono. Happening, Performance, Objektkunst in der Nachfolge Marcel Duchamps beherrschten die Kunstszene und den Kunstmarkt. Im Gegensatz zur bis dahin dominierenden abstrakten Malerei war es gar nicht nötig, das Kunstwerk auszuführen oder vom Künstler selbst ausführen zu lassen. Liam Gillick, Maler, Objektkünstler, Komponist, Kurator und Kritiker war maßgeblich daran beteiligt, diese vor vierzig Jahren entstandenen Tendenzen weiter zu entwickeln und aus der reinen Ideenschmiede wieder eine handwerkliche zu machen. |
 Mit etwa fünfundfünfzig Werken widmet die Bundeskunsthalle in Bonn einem der einflussreichsten Gegenwartskünstler eine breit angelegte Einzelausstellung. Darunter sind echte Highlights wie die im Deutschen Pavillon 2009 in Venedig gezeigte, heftig im deutschen Medienwald diskutierte und kritisch gewürdigte Installation „Wie würden Sie sich verhalten? Eine Küchenkatze spricht“, an deren Entwicklung er ein Jahr lang arbeitete. Darin beschäftigte Gillick sich mit Modellen sozialen Verhaltens im eigenen Arbeitsumfeld. Im Pavillon baute er seine eigene Küche, die er auch sonst als improvisiertes Studio benutzt, arbeitete viele Monate darin, ständig umgeben von der Katze seines Sohnes. „Wer spricht? Wer spricht mit wem und mit welcher Berechtigung?“ - Fragen, die in seinem Kopf die Realität bestimmten, die jedoch immer wieder durch die Katze in eine andere Dimension verlegt wurde. Liam Gillick: „Meine Arbeit erfordert eine kritische Rezeption, die differenzierte Gedanken, aber auch Skepsis generiert. Ich verstehe diese Methode als anhaltenden Dialog, der eher die Frage nach Produktion als nach bloßer Repräsentation aufwirft. Ich arbeite in der Kluft zwischen Moderne und modernistischem Selbstbewusstsein. Mein Werk ist dabei sowohl abhängig vom Zufall als auch individuell gekennzeichnet."
In Bonn ist ebenfalls „A Volvo Bar“ zu sehen, die Gillick 2008 im Kunstverein in München aufführte – als Szenario wählte Gillick ein selbst verfasstes Theaterstück, das er mit einer Gruppe von Jungschauspielern erarbeitete. Die Charaktere treffen in einer Bar in der Nähe der Autofabrik aufeinander: „Franck Stairs am Tag seines eigenen Geburtstags – eine Gruppe von Leuten, die bekannt sind, aber dennoch irgendwie unklar erscheinen – eine Krise im Büro des Direktors – eine Gruppe, eingeschlossen im Diskussionsraum. Ein Zusammenbruch der Identität und ein davon abhängiger Gebrauch eines projizierten Selbstbildes. Eine präzise Struktur, die neue Absichtserklärungen beinhalten wird.» (Liam Gillick)
Eine wie Zitate wirkende Text-Wandarbeit von Liam Gillick nennt alle Titel seiner Arbeiten, die Texte benutzen – ein Stück Poesie in englisch und deutsch, die als eine Werkkatalog gelten kann. An Architektur erinnernde Module aus Holz, Plexiglas oder Aluminium versteht Gillick als Kommunikations- und Interaktionsszenario.
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Liam Gillick (01.04. - 08.08.)
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschand
Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn
Geöffnet: di-mi 10-21 Uhr, do-so 10-19 Uhr
Tickets: 8/5 Euro, Familienkarte 14 Euro
Telefon: 0228-9171-0 |
| © 01. April 2010 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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