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TAL R - The Sum - Bonnefantenmuseum Maastricht

Von einem Amateur ist die Rede, der längst im Professionellen angekommen ist und dort, in dieser Ansammlung von Individuen im Planquadrat der Kunst, das Amateurhafte beständig pflegt, der die einfach strukturierte Erlebniswelt von Kindern in den Grenzen einer neuen Volkskunst favorisiert, der außenseitertümliche Mosaiksteinchen auftürmt und daraus als Resteverwerter der Wegwerfgesellschaft markante Zeichen in die Gesellschaft einpflanzt.
Wo Tal R(osenzweig) 1967 geboren wurde, in Tel Aviv/Israel, bezeichnet das jiddische Wort Kolbojnik im Kibbuz-Slang soviel wie Abfalleimer, in dem man auch gesellschaftlichen Müll entsorgen kann. Was Tal R, seit seinem ersten Lebensjahr in Kopenhagen lebend, ausgiebig, bunt und ohne Scheu vor außerkünstlerischen Handwerksmaterialien tut. Ihm bedeutet das Wort Primitivismus nicht, dass eine Kunst aus der zweiten Reihe in die erste Liga stoßen möchte. Frech und mit unbekümmertem Swing versehen, drängeln sich Tal R’s grelle Farben und ihr dekorativen Antrieb unbescheiden in den Schmelztiegel Kunst. „The Sum“ im Bonnefantenmuseum Maastricht steht unter der Bedingung, eine Palette von nur sieben Farben als Grundlage für achtzehn Gemälde zu nutzen – die Selbstbescheidung als künstlerische Herausforderung. Diese Werke aus den Jahren 2004 bis 2007 – überwiegend in der Größe 2,5 mal 2,5 Meter - werden flankiert von Arbeiten auf Papier zwischen 1996 und 2007, die die Entwicklung seines ikonografischen Repertoires zeigen, sowie sieben selbstgebaute Schaukästen mit Material aus Tal R’s Atelier. Sie verweisen auf die Sockel, auf denen 1950 ein Teil der Werke der CoBrA-Gruppe (mit Karel Appel und Asger Jorn) im Amsterdamer Stedelijk Museum präsentiert wurden. Das Gemälde „Hüsker Dü“ (Du erinnerst dich?) benutzt das gleichnamige dänische Brettspiel als Vorlage, das auch die amerikanische Hardcore-Punk-Band Hüsker Dü als Geburtshelfer auswählte (und durch die Schreibweise des sogenannten Heavy-Metal-Umlauts auf den beiden U’s sich als besonders fremdartig markierte).



In Gemälden und insbesondere Collagen verwendet Tal R den Restmüll aus dem gesellschaftlichen Abfalleimer – oft sogar im wörtlichen Sinn. Gemüse, Obst oder Stoffe montiert er vielschichtig zusammen und setzt der farbenfrohen Umwelt eine farbenfrohe, explodierende Kunst an die Seite. Was manchmal – Tal R spricht sinnbildlich vom Beginn einer Party, die später aus den Fugen gerät – harmlos anfängt, steigert sich in schreckliche, das Entsetzen herbei schreiende, das Grauen zementierende Szenarien. Großzügig bedient sich der Maler in der Popkultur: beim Film, in der phantastischen Literatur, bei Computerspielen. „Wir sind sowieso nichts als kleine Stückchen im großen Ganzen“, sagte Tal R, „neunzig Prozent unserer Persönlichkeit werden durch Dinge, die andere in uns hineinstopfen, geformt.“ Auf zeitgenössischer Höhe angesiedelt, formt Tal R aus den Materialien der Undergroundkultur – Comics, Graffitis, Musik – ein naives, aber selbstbewusstes Sujet. Bei ihm rüttelt die Kunst-Spannbreite von Pieter Breughel bis Robert Crumb nicht an die ehernen Säulen der Kultur, sondern vermittelt die einfache, manchmal kindliche Welt wie ein Supermarktangebot.
Bis 20. April 2008 – Bonnefantenmuseum, Avenue Céramique 250, NL - 6221 KX Maastricht
Tel: 0031433290190
Öffnungszeiten: di-so 11-17 Uhr
Eintritt: 7,50, 13-18 Jahre: 3,50 Euro, Kinder bis 13 gratis
Katalog: 30 Euro
Weitere Infos: www.bonnefanten.nl
© 01. März 2008  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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