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DAVID THORPE - Museum Kurhaus Kleve

Teile des kastenförmigen Gebäudes schweben über einer kümmerlichen Landschaft, kahle Bäume suggerieren Abgestorbenes. Leblosigkeit als Prinzip. Das Haus wirkt wie vernagelt, als ob niemand hinein kommen, aber auch niemand hinaus gehen darf. Drei Personen, in ihrer Winzigkeit kaum zu erkennen, stehen auf dem Dach des kürzeren Gebäudeteils; vielleicht bemerken sie gar nicht, dass darunter sich der Abgrund öffnet. „Celestial Fires“ ist ein Baustein im Kosmos des englischen Künstlers David Thorpe, den das Museum Kurhaus Kleve erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung präsentiert.

Diese Materialcollage befindet sich in einer zweifachen Umrahmung: Das Bild selbst steckt in einem quadratischen Rahmen, der wiederum in einem auf die Spitze gestellten Quadrat verankert ist. Auch andere Arbeiten führte Thorpe in einer Technik aus, die, entfernt betrachtet, an gestickte Bilder erinnern. Oder an die phantastischen Bildinhalte der Romantik, die meistens als überhöhte, idealistisch geprägte Pseudo-Wirklichkeitswiedergaben erscheinen. Scherenschnitt, Collage, Installation, Zeichnung – Stück für Stück entsteht eine geliehene, aus dem Zusammenhang gerissene Realität. Thorpe konstruiert waghalsige Konstruktionen in einer entmenschten Natur, zwischen kahlen Bäumen und steinernen Landschaften, hinein gepflanzt als Ort der Verbannung, oder, positiv betrachtet, als Ort der Einkehr, der Erbauung, der Gedankenstrukturanalyse. „Life is splendid“ markiert den ambivalenten Zustand Thorpe’scher Wirklichkeit. Besonders weil das „Leben großartig ist“, reizt es dazu, es herauszufordern – die drei balancierenden Gestalten auf dem brückenartigen Konstrukt des Scherenschnitts spielen nicht nur mit dem (eigenen) Leben, sie spielen auch mit dem Visionenspieler David Thorpe.



Wandelhalle und Pinakothek des Museums Kurhaus stellen dem Künstler den erforderlichen Raum für die großen Installationen „The Defeated Live Restored“ und „A Weak Light Flickering“ bereit. Die erste Arbeit konstruierte Thorpe 2006, eine in den Maßen variable Installation aus Holz und Glas, drei Skulpturen auf Sockeln und sechs gerahmten Aquarellen. Ihre pseudo-naturalistische Echtheit kratzt am Lack der Realität, die in der Naturanschauung des David Thorpe nur eine scheinbare ist. Ein fast abgeschlossener Raum im Raum – nur zwei schmale Öffnungen erlauben den Zutritt in eine abgeschottete, sterile Wirklichkeit. Wandschirme und Trennwände riegeln einen Bereich ab, in dem die Imagination einen Schritt in Richtung Realität macht, einen Schritt in eine höhere Wirklichkeit, wie sie nebenan, in der Galerie, sich behauptet. Dort ruhen die Holzskulpturen von Henrik Douverman oder Arnt van Tricht, in „eine höhere Wirklichkeit“ versetzt, innerhalb der seit März 2007 eingerichteten Ausstellung „Das Rijksmuseum in Deutschland – Meisterwerke mittelalterlicher Skulptur“. Ein künstlerisch-historischer Aspekt, der auf die Arbeit von David Thorpe partiell zutrifft. Seine/unsere Realität verschwindet mitsamt dem mystischen Bild einer Utopie, die gerade noch die Reste der Wirklichkeit kommentiert: „Eine höhere Wirklichkeit“.



„A Weak Light Flickering“ entstand eigens für die Klever Ausstellung; es nimmt wie „The Defeated Live Restored“ im Werk Thorpes eine Sonderstellung ein. Auch hier bildet die Raum-im-Raum-Situation das Grundgerüst, die Wirklichkeit außen zu lassen oder die hinein genommene Wirklichkeit gegen die nachdrängende abzuschotten oder schlicht „auf die Einmaligkeit und Kostbarkeit der in ihrem Inneren präsentierten Arbeiten“ (Roland Mönig im Katalog) hinzuweisen. Sechs Gedichte in Öl verweisen auf lyrische Formen des 17. und 18. Jahrhunderts. „Die monumentalen Wandschirme schaffen ein Reservat für Arbeiten, die gleichermaßen aufgrund ihres Stille einfordernden und zu Vertiefung anregenden Charakters wie aufgrund des langwierigen, handwerklich aufwändigen Herstellungsprozesses, dem sie ihre Existenz verdanken, aus allen Kategorien der Konsumgesellschaft herausfallen“ (Mönig).
Bis 12.05.2008 – Museum Kurhaus Kleve, Tiergartenstraße 41
' 02821-75010
info@museumkurhaus.de
Öffnungszeiten: di-so + feiertags 11-17 Uhr
Eintrittspreise: 3,50/2 Euro, Familien 7 Euro, Gruppen ab 15 Personen p.P. 2,50 Euro
Katalog: 19,50 Euro
Weitere Infos: www.museumkurhaus.de
© 01. März 2008  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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