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Rock My Religion/Religion My Rock - Odapark, Venray (NL)

Von “O” nach “A” – von Oda nach Anna. Das Gebiet der holländischen Stadt Venray (Limburg) öffnet sich einem groß angelegten Kunstereignis, das sowohl einen Spaziergang anbietet wie eine mobile und eine stationäre Ausstellung sowie diverse Veranstaltungen drumherum. Dreißig niederländische und internationale Künstler nähern sich innerhalb persönlicher Kriterien den Fragen zur Religion, die in ihrer zeitgemäßen Erscheinung eine Bandbreite von hingebungsvoller Gläubigkeit bis zur ablehnenden Verteufelung bereit hält.
In welcher Beziehung Religion und Rockkultur stehen und ob sie überhaupt ein Verhältnis haben, untersuchte Dan Graham, amerikanischer Künstler und Theoretiker, in seinem Dokumentarfilm "Rock My Religion" aus dem Jahre 1984. Graham fand entfernte Verwandtschaftsbeziehungen heraus, die sich insofern näher kamen, als das bei Jugendlichen aus amerikanischen Vororten, den "Suburbs", in den 80er Jahren die Glaubens- und Sinnfragen innerhalb der Rockkultur akzeptable Antworten fanden. Ekstatische Tanzerlebnisse der "Shaker"-Religionsvereinigung und ähnliche Auswüchse von jungen Menschen im rockmusikalischen Kontext stellten eine geistige Wesensverwandtschaft her. Insbesondere die amerikanische Rockpoetin und -musikerin Patti Smith sieht Graham als speerspitzige Gestalt, die Rockmusik als Religion betrachtete und danach ihre Kunst ausrichtete. Verehrung in religiöser Tiefe - viele Fans und ihre Idole nahmen das Göttliche als Rezept für das Gelingen ihrer irdischen Zweckgemeinschaft.

Das vierteilige Ausstellungskonzept spürt der Sinngebung im Heute nach, das einerseits entmenschte Kirchen möglich macht, andererseits die Religiosität über Informationsmedien als Bestandteil einer wankelmütigen Wirklichkeit erlebt.

Eins. Venray war früher ein bedeutender Ort für den Schafhandel und ein Zentrum des katholischen Glaubens mit dreizehn Klöstern und einer bis heute existierenden psychiatrischen Klinik. Grund und Boden der Klöster werden jedoch seit fünfzig Jahren als Baugrundstücke benutzt. Der Auftrag an die beteiligten Künstler: Wie vertragen und ergänzen sich das Kulturerbe und die zeitgenössische Bebauung. Adriaan Nette (Amsterdam) kennzeichnete einen zweistündigen Fußweg vom Teehaus der Skulpturenanlage "Odapark" durch Neubauviertel bis zur psychiatrischen Klinik St. Anna. Bereits im Mai 2007 waren zwanzig Künstler in Venray unterwegs, um Orte mit religiösem Hintergrund aufzuspüren. Unter anderem nehmen Devorah Sperber (USA), Mieke Smits (NL), Sergei Shutov (RUS), Pascalle Mansvelders (NL) und Katrin Puchner (D) teil (bis 4.11.).

Zwei. Von den Jungdesignern Daan de Haan und Joep Jacobs gestaltete Wohnwagen ziehen zwei Monate lang durch die nordlimburgische Landschaft, in denen Videos zu den Themen Massenhysterie und Pilgerfahrten oder Sportfanatismus und Urlaubswahnsinn bis zur (fast religiösen) Verehrung von modernen Idolen gezeigt werden. "Exodus" ist ein Element des Spaziergangs "Von Oda nach Anna" und macht als pädagogischer Arm des Konzeptes auch Station in nordlimburgischen Schulen (bis 25.11.).

Drei. Im Projekt "Cross Over" kooperiert Odapark mit Veranstaltern in Nordlimburg wie das "Cultureel Podium Maria Roepaen" in Ottersum, Gerry Abels Theaterproducties, dem "Museuvan Bommel van Dam" in Venlo, der "Kunstenaars initiatief De Kieviet" in Tegelen und dem "Theater aan het Vrijt-hof" in Maastricht. Bei einzelnen Veranstaltungen kann Eintritt verlangt werden (bis 25.11.).

Vier. Ciprian Muresan, David Cerny, Johan Muyle, Dominic McGill und Gregory Green zeigen im historischen Teehaus im Odapark themenbezogene Werke (ab 18.11. bis 27.01.2008).
Stichting Odapark - Centruum voor Hedendaagse Kunst Venray, Merseloseweg 117
Geöffnet von dienstags bis sonntags von 11-17h
Weitere Infos: www.odapark.nl
© 01. September 2007  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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