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ZOOT WOMAN - Digital ist besser

Sie sind eine Band – aber auch ein Look, eine Ästhetik, eine Haltung. Zoot Woman haben in ihrer Karriere mit den voranschreitenden Möglichkeiten der Digitalisierung stets mitgehalten und gehen auch mit ihrem neuen Album ´Absence´ keine Kompromisse ein: „Die ersten Songs via Social Media zu veröffentlichen, schien uns nur konsequent. Dort werden die Trends verhandelt und niemand sollte sich demgegenüber verschließen“, erklärt Johnny Blake, der als Sänger seiner Band noch mittels klassischer Print-Medien vor 15 Jahren einen Hype erlebte.

Was ihm heutzutage egal sei, wichtiger war immer das Publikum bzw. deren Bereitschaft, dich über ein hochgelobtes Debüt hinaus zu begleiten. Auf ‚Nummer Sicher’ geht das Trio trotzdem nicht und begibt sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen. Gestern wie heute.

Natürlich wirkten sie 2001 etwas albern. Mit Sonnenbrillen, schmal wie Schullineale, Keyboards, frisch aus den Achtzigern importiert und den schneeweißen Anzügen, unter denen unverhältnismäßig farbige Hemden hervorlugten. Zoot Woman befeuerten damit ein Eighties Revival noch bevor es irgendwer auf dem Zettel hatte.

Johnny Blake wiegelt solche Zuschreibungen lieber bescheiden ab: „Ob wir mit ‚Living In A Magazine’ damals wirklich hellseherische Fähigkeiten hatten, wage ich stark zu bezweifeln. Kann allerdings felsenfest behaupten: Zufällig ist uns das nicht unterlaufen, es passte zu unserem Sound.“

Der beim Blick zurück keinesfalls zu kurz kommen darf. Schließlich unternahm das ebenerwähnte Debüt vor über 15 Jahren den Versuch elektronische Elemente in den Mittelpunkt eines klassischen Bandkonstrukts zu stellen. Mit Schlagzeug, Gitarre, Bass konnten Zoot Woman umgehen, sahen aber die Möglichkeiten darüber hinaus.

„Ich komme aus einer Generation, die mit Pro-Tools und immer kompakteren Aufnahmetechniken groß wurde. Natürlich begannen wir traditionell mit Instrumenten und Aufnahmerekorder – als die technischen Mittel jedoch erschwinglicher wurden, zogen sie unsere Aufmerksamkeit auf sich.“

Mit Erfolg, wie auch ihr nunmehr fünftes Album ´Absence´ unterstreicht. Ein elektronisch, Pop-infiziertes Meisterwerk, das Zoot Woman nach vier Jahren Veröffentlichungspause keinen Tag älter erscheinen lässt.

Wobei die langen Zeiträume zwischen den Releases auch aufgrund der vielfältigen Produktionsjobs von Bandkollege Stuart Price entstehen:

Erst vergangenes Jahr verhalf dieser den Pet Shop Boys als Producer zu den stärksten Songs seit mehr als einem Jahrzehnt und arbeitete parallel mit Robbie Williams an dessen zu Unrecht verschämtem Quasi-Comeback ´The Heavy Entertainment Show´.

Einmal quer durch die musikalische Gegenwart und zurück zur Band.

Was laut Johnny Blake stets reibungslos ineinander übergehe: „Stuart betreibt alles mit unfassbar viel Herzblut und mag das Wort ‚Auftragsarbeit’ überhaupt nicht. Nach spätestens ein, zwei gemeinsam Tagen im Studio ist er wieder voll dabei. Selbst wenn zwei Wochen zuvor noch Madonna anstelle von mir vor ihm stand.“

Freilich sei Dank Price der Kontakt zu Kylie Minogue zustande gekommen und Blake muss lachen, wird er daraufhin gewiesen, dass sie als Gastsängerin auf ´Absence´ auch oder gerade wegen ihrer Hits in den 1980ern sehr gut passe.

„Ich möchte mir da keine Meinung erlauben, aber sicher ist sie niemand die das eigene Revival nötig hat“, kommt die Antwort postwendet und führt direkt zur Frage des Looks sowie der aktuellen Haltung der Band: „Die gibt es, aber nicht mehr so durchkonzipiert, eher locker gehalten.“

Was pünktlich zur Veröffentlichung in einem derart minimalen Artwork mündet, dass nur die Worte ‚Front Cover’ auf der Vorderseite der Platte abbildet sind. Keine Bilder, in zwei Farben, rot auf blau – und der Rest?

Blake grinst und hält sich bedeckt. Herausforderung? Angenommen.

Aktuelles Album: Absence (Snowhite / Rough Trade)
© 01. Juni 2017  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Jon Furley ||| Datenschutz
Juni 2017


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