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SPOIL ENGINE - Hart, aber herzlich

Wer die Stichworte ´BeNeLux´, ´Metal´ und ´Sängerin´ hört, mag sofort an die reichhaltige Gothic/Symphonic-Metal-Szene in unseren westlichen Nachbarländern mit Bands wie Within Temptation, Delain, After Forever oder Epica denken. Im Falle von Spoil Engine ist die Vermutung, hier würde die Tradition fortgeführt werden, weit gefehlt, denn bei der belgisch-niederländischen MetalCore-Maschine wütet das Weib! Iris Goessens heißt die Dame aus Maastricht, die sich den flämischen Herren angeschlossen hat und uns aus dem Nähkästchen erzählte, wie sich die Wohlfühlzone in der Männerdomäne anfühlt.

Trotz der vermeintlichen geographischen Nähe gibt es bei Spoil Engine kein normales Bandleben – die räumliche Distanz ist dann doch zu weit für regelmäßige Treffen. Diese finden dann in der Regel online statt.

„Wir wohnen knapp drei Stunden Autofahrt auseinander, deshalb sind gemeinsame wöchentliche Proben einfach nicht drin. Aber bevor wir auf Tour gehen, kommen wir schon zusammen und schaffen uns die Setlist drauf. Und klar, ich übe auch zuhause. Bislang funktioniert das ganz gut.“

Wie so oft scheint das Geheimnis das Verständnis untereinander zu sein. Ohne das nötige Vertrauen ist ein solches Vorhaben wohl kaum zu stemmen.

„Wenn Du dir neue Ziele setzt, ist es wichtig, das alle die gleichen Gedanken teilen. Wir sind eine hart arbeitende Maschine und gleichzeitig eine große, glückliche Familie.“

Mit ihrem alten Sänger Niek Tournois feierte die Band bereits beachtliche Erfolge, durch den Einstieg von Iris 2015 wurde die musikalische Bandbreite noch einmal gesteigert. Selbst die melodischen Parts strotzen nur so vor Energie und stehen in dieser Hinsicht der mächtigen Riffgewitter-Growl-Harke in nichts nach.

„Das ist kein Zufall, ich persönlich liebe melodischen Stoff. Allein deshalb hat sich schon früh in unserer Zusammenarbeit abgezeichnet, dass dieses Album wesentlich melodischer wird als das, was die Jungs früher gemacht haben. Wir haben viel ausprobiert, um die richtige Balance zwischen hart und zart zu finden – gerade am Anfang war das ein echt harter Job, weil wir unseren Sound nicht verlieren wollten. Darum haben wir uns für die Aufnahmen auch für das renommierte Fredman Studio in Schweden entschieden: Hier wurde nicht nur modernen Bands wie Bring Me The Horizon oder Architects der gute Sound verpasst, sondern auch zahlreichen klassischen Thrash Metal Bands!“

Berührungsängste hat die Band also nicht, was neue Klänge und Experimente angeht, aber wie stand es um Fanbase und Szene?

„Wenn mich eins an dem derzeitigen Metal-Mindset stört, dann ist es die Tatsache, dass so viele Leute Angst vor Veränderungen haben. Ausnahmslos jede Band, die etwas neues ausprobiert, bekommt erst mal die Keule... wann hört das endlich auf?“

Im Falle von Spoil Engine hielt sich der Shitstorm in Grenzen – zu stark präsentierte sich die Band vom Start weg im neuen Line-up.

„Die meisten neuen Songs sind zu 100% mit mir entstanden. Natürlich haben mir die Jungs anfangs einen Haufen Demos zum Besingen zugeschustert, aber davon hat es nur ´The Verdict´ jetzt aufs Album geschafft. Auch das Riff von ´Doomed To Die´ stammt aus der alten Demo-Kiste.“

Ein Teil des neuen Albums erschien bereits im letzten Jahr als EP in BeNeLux, doch den europäischen Markt wollte das neue Label mit einem kompletten Album erobern.

„Wir haben einfach noch vier Songs geschrieben, die gut mit den Tracks der EP harmonierten. Und sie komplettieren die EP wirklich, wir finden, das Album ist trotz der Überschneidungen wesentlich stärker als die EP geworden.“

Das nächste Kapitel heißt Touren: In den Sommermonaten reist die Band mit Prong durch halb Europa und macht natürlich auch auf einigen Festivals wie dem Summer Breeze halt. Auch wenn sich die Band schon sehr darauf freut, hat die Medaille natürlich eine Kehrseite – zumindest aus Sicht einer Frau:

„Mit vier dauergeilen, schwitzenden und Bier trinkenden Jungs unterwegs zu sein kann echt anstrengend sein.“

Aktuelles Album: Stormsleeper (Arising Empire / Nuclear Blast)
© 01. Juni 2017  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Arne Deboosere ||| Datenschutz
Juni 2017


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