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ZOOT WOMAN - Sterne erklettern

Minimalismus pur. Der aber ausreicht, sich von gut gemeinter Klimpermusik abzusetzen und etwas vom Sound der Gegenwart ins alltägliche Einerlei popgesteuerter Rituale zu streuen. Die erste Singleauskopplung „Don't Tear Yourself Apart“ vom vierten Album „Star Climbing“ des britischen Elektropop-Trios Zoot Woman benötigt instrumental gesehen nicht mehr als einen alten Casiosynthesizer und eine Roland TR-909 Drum Machine.

„Das Lied ist den Zeiten gewidmet, wenn man sich ganz verloren fühlt, aber jemand einem Mut macht, das alles wieder gut wird,“ sagt Adam Blake über „Don't Tear Yourself Apart“. Es ist ein Lied der Hoffnung, eine Handlungsanweisung zur Bewältigung ausweglos erscheinender Situationen, eine Medizin zur Steigerung des Selbstwertgefühls. Wenn du schon unten bist, so die geheime Botschaft, dann schütze dich davor, von dieser Art eines Down-Syndroms zerrissen zu werden. Joy Division lassen mit „Love Will Tear Us Apart“ ein wenig grüßen.

Schon zu Schulzeiten in Reading trafen sich Stuart Price (Produzent u.a. für Madonna, Pet Shop Boys, Les Rhythmes Digitales) und die Brüder Johnny und Adam Blake zu gemeinsamen Musiziereinheiten. Die Seelenverwandtschaft mit den Pet Shop Boys ist unüberhörbar, Zoot Woman rekapitulieren den Achtziger-Pop mit künstlerischer Distanz, ohne jedoch am Wurzelwerk herum zu schrauben. Ihr erstes Album „Living In A Magazine“ (2001) beförderte ihre moderne Art elektropoppiger Musik recht schnell in vom Publikum anerkannte Höhen. Es folgten zwei weitere Alben: „Zoot Woman“ von 2003 und „Things Are What They Used To Be“ (2009).

Nun also, nach fünf Jahren, der vierte Longplayer, in vier verschiedenen Studios in Großbritannien und im Studio von Stuart Price in Los Angeles komponiert und eingespielt.

„Wir hatten das Bedürfnis, unseren eigenen Stil in Frage zu stellen, neue Wege der Kreativität zu beschreiten. Es ist fraglos mein Lieblingsalbum,“ sagt Johnny Blake, Gitarrist und Sänger des Trios. „Der Titel 'Star Climbing' handelt von der Vorstellung, sich nach Dingen zu sehen, die das eigene Verständnis übersteigen.“

Flatterhaft wirbelnde Elektronik und schnelle Doppel-Beats kennzeichnen „The Stars Are Bright“, das erste aufgenommene Stück des Albums.

„Wir haben das Album innerhalb von drei Jahren aufgenommen, sagt Stuart Price, „es ist bis dato unser markantestes Album, da es unsere verschiedenen Geschmäcker und Styles vereint.“

Elf Titel aus eigener Feder beleuchten trefflich die Aussagen von Stuart Price, der als erfahrener Produzent bestens damit umgehen kann, die Stärken des Trios für das Gesamtkonzept zu nutzen. Keyboarder Adam Blake übertreibt an keiner Stelle sondern reflektiert in sparsamer Dosierung die Vorgängersounds der achtziger und neunziger (Techno-)Jahre.

Aktuelles Album: Star Climbing (Embassy One)
© 01. Oktober 2014  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Oktober 2014

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