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MONSTERS OF FOLK - Zwischen Supergroup und Jam-Session

Von dem Moment an, wo Jim James und Conor Oberst das erste Mal zusammen auf der Bühne standen, wussten sie, dass dies Bestimmung sei. Nun, im Jahre 2009, machen die beiden ernst und veröffentlichen mit M. Ward und Star-Produzent Mike Mogis ihr erstes gemeinsames Album. Monsters Of Folk nennt sich das Bandprojekt und soll keine Eintagsfliege werden.

„Ich war erstaunt, wie leicht die Sache von der Hand ging“, wundert sich Jim James gleich mehrfach im Interview und betont, dass niemand während der Aufnahmen zum Alphatierchen mutierte. „Alle brachten ihre Ideen ein, wir probten ein wenig und kurze Zeit später waren die Songs im Kasten. Als gebe es nicht Einfacheres auf der Welt, als Mitglied der Monsters Of Folk zu sein.“

Die Rede ist von Amerikas neuer Supergroup, eine Art Alternative-Folk-Nationalmannschaft bestehend aus My Morning Jacket-Frontmann Jim James, Conor Oberst, Kopf der Bright Eyes, Solist M. Ward und dem Produzenten Mike Mogis, welcher bereits für alle drei Kollegen hinter den Reglern saß.

Das gleichnamige Album „Monsters Of Folk“ erblickt nun endlich das Licht der Welt, geplant war es schön länger.

„Zum ersten Mal standen wir 2004 alle auf einer Bühne. ‚An Evening with: Bright Eyes, Jim James and M. Ward’ hieß die Veranstaltung und als wir nach dem Gig im Backstage saßen, meinte ich: ‚Lasst uns mal ins Studio gehen, das müsste klappen.“

Hat es auch, nur kostete es mehr Zeit als erwartet: Conor Oberst fasste vor vier Jahren den wahnwitzigen Entschluss gleich zwei Alben auf einen Schlag mit den Bright Eyes zu veröffentlichen, während James mit My Morning Jacket und M. Ward mit seiner Solokarriere beschäftigt war. Von Mike Mogis und seinen vielen Producer-Tätigkeiten ganz zu schweigen.

Doch irgendwann – im vergangenen Frühjahr – hatten die fantastischen Vier keinen Bock mehr zu warten und gingen für zwei Wochen ins Studio. Terminkalender hin oder her.

„Conor war die treibende Kraft. Der schreibt momentan Songs, wie ich T-Shirts wechsele und hätte ihn niemand gebremst, wäre die Platte als Dreifachalbum erschienen“, witzelt Jim James und meint, dass alle anderen Mitstreiter dagegen faul wirken.

„An sich war die Sache sehr demokratisch. Wir entschlossen uns immer mal wieder nebenher ein paar Entwürfe für die Sessions beiseite zulegen und so sammelte sich Einiges an. Als wir dann im Aufnahmeraum standen, stellte Mike die Sachen nebeneinander und betonte, dass er Interaktion von uns erwarte. Sonst funktioniert das alles nicht.“

Gesagt – getan, die Monsters Of Folk werden mit ihrem Debüt dem eigenen Bandnamen gerecht, lassen sämtliche Genreklischees (im positiven Sinne) erklingen und reichern ihre Darbietungen mit elektronischen Zutaten an. Kurzum: Songs, wie sie perfekter kaum klingen könnten.

„Niemand spielte während der Aufnahmen die Rolle des Anführers. Es ging uns allen mit den Monsters Of Folk darum, die Qualitäten der Mitglieder auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Natürlich fehlt mir der Abstand, aber ich würde behaupten, das hat ganz gut geklappt“, gesteht James leicht verunsichert.

Dabei könnte er mit geschwollener Brust auftreten: Es gibt auf „Monsters Of Folk“ nicht wenige Momente, die an die unvergleichlichen Crosby Stills Nash & Young erinnern und konkurrierende Supergroups wie die Raconteurs alt aussehen lassen. Hier stimmt einfach alles, vom Gesang bis zum Ton. Ein wahrhaft unerwartetes Meisterwerk.

Welches den Beteiligten offenbar so viel Spaß gemacht hat, das Jim James laut über ein zweites Album nachdenkt: „Solche Kollaborationen haben immer das Problem, Eintagsfliegen zu sein. Vier Typen nehmen ein Album auf und schaffen es nicht, nachzulegen. Ehrlich gesagt haben wir da keinen Bock drauf und wollen mit den Monsters Of Folk ein zweites Mal beweisen, wie gut wir harmonieren.“

Würde dies so eintreten, fallen demnächst Weihnachten und Neujahr auf einen Tag. Doch nun geht es erstmal auf Tour: Die Songs müssen raus, Live und ungeschönt. „Darauf haben wir am meisten Bock.“ Was auch sonst.

Aktuelles Album: Monsters Of Folk (Rough Trade / Beggars / Indigo)
© 01. Oktober 2009  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Oktober 2009

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