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SOMETREE - Planlos planvoll

Ist es automatisch bombastisch? Wenn eine Rockband mit Streichern, Bläsern und Gastsängern auftritt? Ist es größenwahnsinnig? Oder beides gleichzeitig. Vielleicht ist es auch nur einfach gut und durchdacht. Und wie kommen ein paar gewöhnliche Rockmusiker überhaupt auf solche Gedanken? Das fragen sich die Jungs von Sometree auch manchmal. „Eigentlich war der Plan mal eine zurückgenommene Rockplatte zu machen“, erinnert sich Schlagzeuger Björn Bauermeister, „Gitarre, Bass, Schlagzeug und Schluss. Dass muss reichen.“ Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Denn sei wissen nicht, was sie tun

1994 finden sich im Harzherz ein Club musikbegeisterter junge Männer zusammen, die kurzerhand eine Band gründen. Auf den Namen „Sometree“ können sich alle einigen. Instrumental wissen sie nicht so richtig, was zu tun ist.

„Instrumental hatten wir nicht wirklich was gelernt“, bekennt Sebastian Linke, damals, wie heute Gitarrist, „wir sind alle Autodidakten. Das, was wir über Songstrukturen wissen, das brachte uns exzessives Musikhören bei. Damals fanden wir den ganzen Metalkram extrem gut, dann kam der Grunge, dann die Post-Hardcore Geschichte. So klangen wir auch immer.“

Doch der Harz konnte es auf Dauer nicht sein. Da musikalische Vorlieben ständig im Fluss sind und bleiben müssen, gehört schon mal ein Ortswechsel dazu. Hannover wars. Aber diese Stadt war auch nur ein Durchlauferhitzer. Berlin ist seit einiger Zeit der Heimathafen. Beide Stationen erweitern erneut das musikalische Spektrum von „Sometree.“ Jazz kommt dazu und Klassikschnipsel.

„Das geht gar nicht anders“, weiß Sebastian Linke, „mit der Musik ist wie mit einer Spirale. Hast du dich auf dieses Prinzip erstmal eingelassen, erweitert sich deine Bandbreite ganz automatisch. Weil du auf andere Musik stoßen musst. Das wird halt immer bunter.“

So aufgestellt haben „Sometree“ über die Jahre sechs ganz unterschiedliche Alben aufgenommen. Logisch jedoch lässt sich eins aus dem anderen folgern. Aber Logik folgt nicht unbedingt einem bewussten Plan.



Yonder

So sitzen „Sometree“ in Berlin am Strand des eigenen musikalischen Flusses und sehen ihn staunend an sich vorüberziehen. Dabei zeichnen sie Kreise in den Sand und stellen fest, das wird nichts, das mit dem unkomplexen Rockalbum. Von den weißen Papierschiffchen, die auf dem Fluss vorüberziehen, winken Bläser, Streichen und diverse Sänger. Stehen weitere Entwicklungsschritte an? Schleichen sie sich schon an?

„Das Stück „Sink Or sSwim“ auf dem neuen Album ‚Yonder’ ist ein schönes Beispiel für das schleichende Element“, erklärt Björn Bauermeister, „es ist als reines Gitarrenstück entstanden. Der Song war schon fertig, als wir ihn wieder in die Hand genommen haben. Er war zu klassisch für uns. Wir haben das Lied dann zerfetzt. Komplett auseinander genommen und neu zusammengesetzt. Jetzt sind kaum noch Gitarren drin. Ein Arbeitprinzip, das wir momentan öfter wählen. Die Kompositionen werden einer neuen, anderen Gesamtschau unterzogen. So haben wir festgestellt, dass die Stücke zwar fertig sind. Eigentlich. Aber es fehlt etwas. Danach haben wir dann gesucht.“

Auch das Stück „A New Low“ war gitarrenlastig. Davon ist nichts mehr zu spüren. Alle Gitarren sind verschwunden. Die eigenen Kompositionen sind nicht mehr als Raupen und Engerlinge, aus denen sich dann strahlend schön der Schmetterling emporschwingt. So erklärt sich auch die intensive Energie und Wärme der Stücke. Und Bombast- oder Größenwahndiskussionen stehen plötzlich überhaupt nicht mehr zur Debatte. Organisches Wachstum rückt ins Zentrum der Betrachtung. Und verharrt dort.

Aktuelles Album: Yonder (Pop-U-Loud/pias)
© 01. Oktober 2009  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Oktober 2009

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