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JOSH TILLMAN - Rastlos im Kreise der Fleet Foxes

Wer Josh Tillman als allzu sorglosen Drummer der Fleet Foxes abtut, unterschätzt seine Song-Kunst gewaltig. Sein nunmehr fünftes Soloalbum mit dem zungenbrechenden Titel „Vacilando Territory Blues“ soll nach den jüngsten Erfolgen für den persönlichen Durchbruch sorgen. Nur die böse Vermutung, dass der Schatten seiner Band vielleicht doch etwas zu groß ist, lässt ihm keine Ruhe.

Das vergangene Jahr gehört für fünf junge Musiker aus Seattle zum Besten ihres gesamten Lebens: Im April tourten die Fleet Foxes noch unentdeckt mit den Labelkollegen von Beach House durch die Weltgeschichte und konnten kurze Zeit später ihr Glück kaum in Worte fassen.

„Ich kann nicht sagen, was den Leuten an uns gefällt – mag es aber sehr, dass es ihnen gefällt“, scherzt ein gut gelaunter Josh Tillman, zuständig für die Drums und den Backgroundgesang.

Doch um seine Band soll es an dieser Stelle gar nicht gehen, denn „Vacilando Territory Blues“ heißt das Tagesgericht auf der Speisekarte. Josh Tillmans fünftes Soloalbum und sein erstes Werk nach dem kommerziellen Durchbruch der Fleet Foxes.

„Hättest du mir all das vor einem Jahr gesagt, wäre ich durchgedreht. Natürlich ist mein Anteil am Erfolg der Fleet Foxes begrenzt, macht mich aber trotzdem stolz.“

So verwunderlich dieses Statement klingt, aber Tillman stieß erst kurz vor der Tour mit Beach House zur Truppe – als Ersatz für den ehemaligen Schlagzeuger Nick Peterson, der sich ganz auf Pedro The Lion konzentrieren wollte.

Wie wichtig das Ganze für seine eigene Karriere ist, betont er immer wieder. Fast gebetsmühlenartig erklärt Tillman:

„Jeder warnt dich als Musiker vor den schweren ersten Album, den harten Nachfolger und dem schwierigen dritten Longplayer. Für mich waren das verglichen mit ‚Vacilando Territory Blues‘ alles leichte Fingerübungen. Der unerwartete Erfolg hat meinen eigenen Anspruch unglaublich groß werden lassen.“

Dies sorgte für Stunden voller Zweifel. Die Gefahr, dem jüngst gewonnen Publikum auf Solopfaden Songs vorzulegen mit denen sie so gar nichts anfangen können, beschäftige den schüchternen Songwriter bei mehreren Sessions.

„Wenn eine fünfköpfige Besetzung im Studio um dich herum sitzt und jeder von ihnen mit dem Endergebnis zufrieden sein muss, entstehen oftmals sehr ausgiebige Diskussionen. In diesen Debatten klopfst du den Gehalt der Songs ab und teilst deine Meinung allen Anwesenden mit. Hockt man ganz alleine da, muss man selbst zu seinem schärfster Kritiker werden und genau das hat mich fast in den Wahnsinn getrieben.“

Angst und Bange sind jedoch völlig Fehl am Platz: Freilich klingt „Vacilando Territory Blues“ verglichen mit dem selbstbetitelten Debüt der Fleet Foxes anders, kann aber genau deswegen eigene Akzente setzen. Hier wird der Folk dem Singer/Songwriter-Genre untergeordnet und das oftmals Sinnliche der Lyrics strahlt etwas mysteriös Verbotenes aus. Kühn und kristallklar.

Dass die nächste Platte wieder locker aus der Hüfte geschossen kommt, könne er sich durchaus vorstellen, vermutet Tillman abschließend. Nur bei diesem Werk war es nicht möglich, die Situation um sich herum ganz und gar zu vergessen.

„Inzwischen habe ich eingesehen, dass die Erwartungen an mich auch ein Kompliment sind. Weil es für sich spricht, wenn die Leute die Messlatte so hoch legen!“

Sicher nicht die schlechteste Erkenntnis für eine zweigleisige Karriere.

Aktuelles Album: Vacilando Territory Blues (Bella Union / Coop / Universal)
© 01. Februar 2009  WESTZEIT
Februar 2009

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