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ANNA TERNHEIM - Der Song im Zentrum

Anna Ternheim legt mit "Leaving On A Mayday" ihr insgesamt drittes Album vor und schafft es dabei, sich einerseits vollkommen treu zu bleiben, andererseits aber musikalisches Neuland zu betreten. Das ist ihr dabei so gut gelungen, dass die Scheibe – oberflächlich betrachtet - wie eine "typische" Ternheim-Scheibe klingt – bei näherer Betrachtung aber deutliche Unterschiede zu den zwei vorhergehenden Werken aufweist. So kommen die Songs selbst im klassischen Ternheim-Modus daher – getragen von einer kristallklaren Gesangsstimme und melancholischen, skandinavisch motivierten Melodiebögen – weisen dann aber - was die Arrangements betrifft – radikale Neuerungen auf.
Dazu gehört zum Beispiel, dass Anna selbst kaum zu Instrumenten greift; was bei einer Künstlerin, die besonders für ihre eher intimen Solo-Konzerte beliebt ist, ja doch zumindest mal ungewöhnlich ist. Einen großen Anteil an diesem Konzeopt hat Produzent Björn Yttling (Peter, Björn & John), der selbst die meisten Instrumente spielt. Was reizte Anna denn an Björn als Produzent? Ist es ein bestimmtes Sound-Design, nach dem sie suchte?

„Nein, Björn hat zwar einen gewissen Sound aber er hat auch viele verschiedene Sachen gemacht, die die Leute vielleicht nicht kennen", erklärt Anna, "ich kannte ihn bereits, weil ich mit ihm getourt bin. Er hat sein Jazz-Projekt, er hat Streicherarrangements für viele Bands geschrieben, er ist ein guter Arrangeur und er hat ein großes Allgemeinwissen die Musik betreffend. Er wird dich also soundtechnisch nicht in eine bestimmte Ecke drängen. Ganz im Gegenteil: Wir ließen jeden Song klangtechnisch dahin gehen, wohin er wollte. Nachdem ich das gesagt habe muss ich aber noch hinzufügen, dass man vorab sowieso nicht wissen kann, ob etwas funktioniert oder nicht. Es ist auch immer ein aufregendes Experiment. Und das reizte mich auch. Und letztlich hat es ja auch gut geklappt. Wir hatten eine Aufgabenteilung: Ich habe die Songs geschrieben und er hat produziert.“

Sind die Songs anders geschrieben worden als bisher?

„Ich habe verschiedene Arten zu schreiben ausprobiert“, erklärt Anna, „ich habe mich dabei nicht so sehr um die Akkorde gekümmert, weil ich ja weniger Instrumente haben wollte. Bei den letzten Alben war das anders, denn da habe ich die Songs um Akkorde herum aufgebaut. Mir ging es bei diesem Album aber mehr um die Stimme und den Gesang. Anders als bei meinen anderen Scheiben wurden die Songs hier nämlich um die Stimme, die Drum-Parts und die Streicherarrangements herum aufgebaut. Alles andere sind nur Zutaten.“

Was war denn der Grund, überhaupt ein „reduziertes“ Album aufzunehmen? Hat das mit dem Umstand zu tun, dass Anna auch regelmäßig solo tourt – und dort ja gewissermaßen auch "reduziert" agiert?

„Das hat ganz gewiss damit zu tun“, bestätigt sie, „ich fühle immer, dass ich dem Publikum solo näher sein kann als mit Band – hauptsächlich wegen meiner Stimme, die ich als mein Haupt-Instrument betrachte. Ich bin ja keine gute Gitarristin oder Pianistin. Ich bin ja nicht mal eine gute Sängerin. Es ist das Songwriting, was bei mir im Zentrum steht. Das ist es auch, weswegen ich die ganze Sache überhaupt angefangen habe. Ich bin ja zwischenzeitlich auch in England und den Staaten getourt und habe festgestellt, dass Solo-Auftritte die beste Möglichkeit sind, mit dem Publikum in Kontakt zu treten.“

Und natürlich wird es diese auch weiterhin geben: Nachdem Anna zunächst mit Band tourt, wird sie im Anschluss auch wieder solo auf Tour gehen …

Aktuelles Album: Leaving On A Mayday (Universal)
© 01. Februar 2009  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Monika Manowska
Februar 2009

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