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THE FAIM - Liebe und Ehrlichkeit

Ihrem ursprünglichen Bandnamen Small Town Heroes sind die australischen Shootingstars The Faim schon vor Jahren entwachsen. Mit der millionenfach gestreamten Visitenkarte ´Summer Is A Curse´ im Rücken veröffentlicht das smarte Quartett aus Perth nun sein Debütalbum ´State Of Mind´. Musikalisch im Spannungsfeld von Mainstream und Alternative Rock zu Hause, kredenzen uns Josh Raven (Gesang), Sam Tye (Gitarre), Stephen Beerkens (Bass/Keyboard) und Linden Marissen (Schlagzeug) darauf den Soundtrack für die Generation Spotify: Unberechenbar, gerne mal ein bisschen schrullig und scheinbar auf kein Genre festgelegt.

Rock, Metal oder Rap – die vier Highschoolfreunde von The Faim verschmelzen in ihrer Musik alle erdenklichen Musikstile und haben auf ´State Of Mind´ den Mainstream immer fest im Blick. Selbst Pop scheint kein böses Wort für die Band zu sein, oder?

„Wenn ich ehrlich bin, macht mir der Begriff ´Pop´ schon ein wenig Angst, weil das nahelegt, dass es dort eine Schublade gibt“, sagt Frontmann Josh Raven, als wir ihn kurz vor der aktuellen Europa-Tournee von The Faim in England erwischen.

„Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass in der heutigen Musikindustrie Genrebezeichnungen keine so große Rolle mehr spielen. Es geht eher darum, in der großen Verquickung aller Einflüsse das eine Prozent zu betonen, das deine Band besonders macht. Wir nutzen alle erdenklichen Einflüsse – und warum auch nicht? Am Ende des Tages können dich einzig und allein die mentalen Barrieren in deinem Kopf aufhalten.“

Zur freigeistigen Herangehensweise des Quartetts passt, dass The Faim eher zufällig zusammenfanden.

„Wir sind in die Sache hineingestolpert“, erklärt Josh. „Ich zum Beispiel habe nie eine musikalische Ausbildung genossen und verlasse mich bis heute vor allem auf meine Instinkte, wenn es um Texte und Melodien geht. Ich betrachte mich selbst auch nicht als Musiker. Ich bin eher die emotionale Wildcard der Band.“

Sich musikalisch auf seine Instinkte zu verlassen, war für Josh bereits sehr früh eine Notwendigkeit.

„Meine Mutter kaufte mir meine erste Gitarre, ein Rechtshänderinstrument, aber bald darauf fand ich heraus, dass ich eigentlich Linkshänder bin“, erinnert sich der heute 22-jährige Sänger. „Ich traute mich nicht, etwas zu sagen, also drehte ich die Gitarre einfach um und lernte, sie auf dem Kopf zu spielen. Das war natürlich in prägendes Ereignis.“

Der erste große Meilenstein für The Faim als Band kam vor rund zweieinhalb Jahren, als die Australier nach Los Angeles eingeladen wurden, um unterstützt von Produzent John Feldman und den Co-Autoren Pete Wentz (Fall Out Boy), Mark Hoppus (Blink-182), Josh Dun (Twenty One Pilots) und Ashton Irwin (5 Seconds Of Summer) ihre Songideen auszuformulieren.

„Bevor wir ins Flugzeug stiegen, haben wir alles fallen lassen und uns sieben Tage die Woche, zwölf Stunden pro Tag um jedes noch so kleine Detail gekümmert, das die Band voranbringen könnte“, erzählt Josh. „Seitdem ist das Ganze ein Vollzeitjob für uns. Eigentlich ist es sogar eher eine Lebensaufgabe, denn es ist so viel mehr als nur ein Job!“

In L.A. entstanden Songs jenseits gängiger Genregrenzen, die aber für Josh dennoch einen roten Faden haben.

“Ich denke, allen Liedern gemein ist die Liebe, die wir alle in sie stecken, und der unbedingte Wille, etwas zu veröffentlichen, das ehrlich ist”, sagt der Frontmann und liefert den Grund dafür gleich hinterher: „Wir werden einige dieser Songs für sehr lange Zeit live spielen, und nur, wenn wir alle vier voll hinter den Liedern stehen, können unsere Auftritte das gleiche emotionale Erlebnis für unser Publikum sein wie die Konzerte, die wir selbst besucht haben, als wir aufgewachsen sind. Deshalb sind Liebe und Ehrlichkeit unsere absoluten Prioritäten.“

Das breite klangliche Spektrum von The Faim ist aber auch das Resultat eines betont kollaborativen Prozesses, in den alle vier ihre Ideen einbringen können, egal, wie abwegig sie auf den ersten Blick vielleicht auch sein mögen.

“Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, die Einflüsse und die Perspektive der anderen zu respektieren”, erklärt Josh. “Wenn wir das nicht tun, kommt dabei am Ende kein Song heraus, der die Band wirklich repräsentiert.”

Gleichzeitig ist der Band inzwischen aber auch bewusst, dass weniger oft mehr ist.

“Wir haben festgestellt, dass viele Songs nicht so kompliziert oder vollgestopft sein müssen, wie wir im ersten Moment gedacht haben”, sagt Josh. “Manchmal ist die simpelste auch die beste Antwort.”

Das zu realisieren, ist aber auch für The Faim nicht immer leicht.

“Natürlich möchtest du dir die Songs am liebsten mit dem Vergrößerungsglas anschauen und dich auf all die kleinen Details stürzen”, verrät Josh. “Manchmal ist es aber einfach das Beste, genau das nicht zu tun. Das ist nie leicht, denn wenn du mit ganzem Herzen bei der Sache bist, willst du natürlich alles so gut zu möglich machen.”

Trotzdem ist er rundum zufrieden mit dem, was er und seine Mitstreiter bislang erreicht haben, und freut sich auf die kommenden Aufgaben, von denen die Deutschland-Konzerte im September nur die Spitze des Eisbergs sind.

„Ich bin unglaublich glücklich und unglaublich stolz, an diesem Punkt angekommen zu sein“, sagt er am Ende unseres Gesprächs. „Es hat eine Menge Mühe gekostet, es war viel Reflexion, Persönlichkeitsentwicklung und Akzeptanz nötig, aber jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, am dem die Zukunft für The Faim hell erstrahlt.”

Aktuelles Album: State Of Mind (BMG / ADA / Warner) VÖ: 13.09.
Weitere Infos: thefaim.com
© 02. September 2019  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Jonathan Weiner ||| Datenschutz
September 2019


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