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MATTIEL - Zufrieden in der Fabrik

Mattiel Brown ist das, was man wohl als typische Quereinsteigerin bezeichnen könnte. Denn die junge Dame aus Atlanta, Georgia hatte einen gutsituierten Dayjob als Designerin für das Online-Marketing-Unternehmen MailChimp, bevor sie dann beschloss, es – zusammen mit dem Songwriter/Musiker/Produzententeam The InCrowd - mal mit der Musik zu versuchen.

Das war dann eher wohl eine spontane Entscheidung, oder?

„Ja - ich habe 2014 Randy Michael angerufen, den ich schon vorher kannte und der hat mich mit Jonah Swilley bekannt gemacht“, erinnert sich Mattiel. Nun ist es ja recht anstrengend tagsüber im Büro zu sitzen, womöglich in der Mittagspause Pressearbeit zu machen und abends dann auf der Bühne zu stehen. Deswegen beschloss Mattiel nach dem Erfolg ihrer selbstbetitelten Debüt-LP, den Job an den Nagel zu hängen und sich künftig ausschließlich der Musik zu widmen.

Der Titel der neuen LP ´Satis Factory´ ist eine Wortspielerei: „Satis“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „hinreichend“. Eine Factory ist eine Fabrik. Und eine Satis-Factory demzufolge eine Fabrik, in der man hinreichend sein Auskommen findet. Das ist doch wohl dann das Thema der Scheibe, oder?

„Ja, denn ich schrieb diese Songs als ich den Job als Designerin noch inne hatte“, bestätigt sie, „damals fand ich den Job auch noch erfüllend. Aber am Ende war der dann doch nicht die Antwort auf die Suche nach meiner kreativen Bestimmung sondern eher ein andauernder Quell von Arbeit. Das ist – im Ganzen gesehen – dann auch das Thema der ganzen Scheibe.“

Also die Arbeit in einer Satis-Factory?

„Das kann verschiedene Bedeutungen haben und das ist dann die Sache des Hörers, da etwas hineinzuinterpretieren. Es wäre ja auch langweilig, wenn ich erklärte, was ich mit jedem einzelnen Wort meine, oder? Dann bliebe ja nichts mehr herauszufinden.“

In der aktuellen Bio formuliert das Mattiel so, dass es ihr darum ginge, aus etwas Banalem und Langweiligem etwas Interessantes zu machen. Das spiegelt sich dann auch in dem Artwork und ihren Videos wieder, wo Mattiel mit Erwartungshaltungen spielt und Extreme gegeneinander stellt. Bedeutet das eigentlich, dass die Charaktere in ihren Songs Variationen ihrer selbst darstellen?

„Nein“, meint sie zwar zögernd, „es ist alles nicht so ernsthaft. Das ist nicht meine Art. Das Songwritring funktioniert für mich auf einer Art Stream Of Consciousness-Basis. Ich setze mich definitiv nicht hin und sage, dass ich jetzt dies und das schreiben werde was dann so und so klingen sollte. Und schon gar nicht soll es dies und das bedeuten. Ich suche mir für gewöhnlich einfach etwas aus – von dem, was mir im Kopf herumschwirrt – was zum Timing des Songs passt und baue dann auf dieser Idee auf und versuche, der Sache dann jene gewisse Relevanz zu geben, die Du in dem Song erkennst.“

Was treibt Mattiel denn auf kreativer Ebene an?

„Ich mag es einfach, Dinge zu machen. Ich mag die Arbeit an Dingen. Sei es, dass ich an einem Song arbeite oder mich um das Artwork des Albums oder Fotos kümmere. Ich fühle mich irgendwie nicht ausgefüllt, wenn ich nicht an irgend etwas arbeite. Es ist gar nicht mal die Arbeit selbst oder das fertige Ergebnis, das dann besonders befriedigend für mich ist. Es ist mehr der Prozess des Erschaffens.“

Als Fazit aus diesem Gespräch ließe sich resümieren, dass Mattiel Brown vielleicht nicht auf einzelne Aspekte ihres Tuns heruntergebrochen werden sollte, sondern vielmehr – in Kollaboration mit The InCrowd – als facettenreiches Gesamtkunstwerk am Besten funktioniert – und zwar im Studio genauso wie auf der Bühne.

Aktuelles Album: Satis Factory (Heavenly Recordings / PIAS)
© 01. Juli 2019  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Jason Travis ||| Datenschutz
Juli 2019


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