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FARGO - Ein Album ist ein Tagebuch

Aus der Hauptstadt drängen neue Töne in die Republik: Frische Raps, Rhymes und Beats von Falk-Arne Goßler, genannt Fargo. Dem Szene-Kenner vielleicht bekannt als Frontmann der Combo The Love Bülow, trat er solo erstmals in einem Aldi-Spot in Erscheinung, mit seiner ureigenen Abhandlung übers ´Einfach sein´. Jetzt referiert der Herr mit seinem Debütalbum über ´Wunderbare Jahre´ und wir fragen uns: Kommen die noch oder waren die schon?

Fangen wir vorne an. Huhn oder Ei – Aldi oder Fargo: Was kam zuerst? Ist ´Einfach sein´ wirklich tailormade für Aldi entstanden oder gab es jemanden, der da die Connection hergestellt hat?

„Nein. Diese Vetternbeziehung gab es nicht. Ich habe seit Jahren immer mal wieder das Bedürfnis, Aussagen in Songs zu packen, die über „ich liebe dich“ hinaus gehen. Aber irgendein Aldianer wird meine Songs schon auf dem Zettel gehabt haben. Da war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. ;)“

Wie auch immer – Motor hat ja dein „einfach“-Credo aufgenommen und du machst seit geraumer Zeit diese Video-Kolumne ´Einfach Fargo´. Ist diese einfach-Nummer manchmal etwas zu reduzierend? Ich sage: Fargo hat doch noch viel mehr zu sagen!

„Da hast du völlig recht. Ich habe viel zu erzählen, aber all das passt in dieses Format. Ich hatte Lust, mal die Seiten zu wechseln und als Moderator vor die Kamera zu treten. Ich werde aber nicht Günther Jauch 2, im Gegenteil, gerade konzentriere ich mich wieder voll und ganz auf meine Musik!“

A propos mehr sagen: Ist Fargo einer, der ausspricht, was andere denken? Oder eher einer, der denkt, was andere nicht aussprechen können?

„Beides. Ich habe während meiner Love Bülow-Zeit immer mehr vermisst, Falk zu sein, der Alben wie Tagebücher versteht. Da war ich eher ein Storydetektiv, der Leute aus der Seele sprechen wollte. Fargo ist das Gegenteil. Er spricht aus, was ihn bewegt. Und wenn das jemand anders sieht, gibt er da nichts drauf. Aber komischerweise ist ´Insekt im Ohr´, ein Song übers Fremdgehen, tatsächlich der most loved song der Platte bei meiner Hörerschaft.“

Nach dem Hören des Albums fallen mir beim Blick auf die Tracklist Titel wie ´Styropor´ oder eben ´Insekt im Ohr´ auf – denn hier ist der Songtitel eher irreleitend, weil er jeweils nur kleinste Fragmente des eigentlichen Themas beschreibt. Oder verstehe ich das Konzept hier einfach falsch?

„Witzig, dass du genau die Nummern nennst. Ich finde hier passen die Titel wie die Faust aufs Auge zu ihren Songs. Dieses Gefühl, wenn das Surren einer Mücke dir den Schlaf raubt oder jenes, welches ein kleiner Junge hat, der zum ersten Mal aus eigener Kraft eine Styroporplatte in zwei Hälften teilt, ist genau das Gefühl, was ich in den Songs transportieren will.“

Was mir noch aufgefallen ist, sind die produktionstechnisch organischeren Songs wie z. B. ´Wunderbare Jahre´ und dann halt sehr puristisch-elektrisch gehaltenen Tracks zum Ende des Albums hin. Diktiert das Thema hier den Sound oder entsteht die musikalische Idee normalerweise bei Fargo separat?

„Ich habe drei Beatbauer auf der Platte, die extrem unterschiedlich sind, die ich aber alle liebe, auch was ihren Stil angeht. Ich finde ein Album, das ´Wunderbare Jahre´ heißt, muss sich hier zum Glück nicht entscheiden. Die nächste Platte wird aber definitiv auch musikalisch straighter.“

Wenn das Album – wie im Info geschrieben steht – eine Art Retrospektive ist, kann dein nächstes Album dann genauso klingen? Hast Du Visionen zu Fargos Zukunft?

„Ich will noch dieses Jahr nachlegen, da die Songs teilweise drei Jahre in der Schublade lagen und ich richtig Bock habe auf neuen Scheiß. In welche Richtung es geht weiß ich nur grob, es wird aber definitiv einheitlicher klingen.“

Last but not least: Natürlich ist die Namensgleichheit reiner Zufall, aber kannst Du dem schneelancholischen Film der Coen-Brüder und der Serie etwas abgewinnen? Die sind ja sowas von konträr zu „deinem“ Fargo-Leben...

„Ich kenne nur den Film. Die Serie steht auf meiner ToDo-List. Aber als frisch gebackener Papa hat man gerade eher Augen für andere Dinge im Leben. “Das Fernsehprogramm ödet mich an...” (´Allein´) oder auch “Mein Fernseher hat tausend Kanäle, doch sepp ich mich durch, find ich nichts, was mich flasht! Keine Seele!” (´Einfach sein´).“

Aktuelles Album: Wunderbare Jahre (Motor / Edel)
© 01. April 2017  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Erik Weiss
April 2017

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