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Cosmic Dancer - Frank Ronan

 
Coorg wächst Ende der 60er Jahre als Kind einer von zu Hause ausgerissenen Teenagermutter in einer Hippiekommune in Irland auf.
Hier gibt es entgegen dem weitverbreiteten Glauben sehr wohl Regeln, so ist vor Entscheidungen das I-Ging zu befragen außerdem muss vor dem Ernten das Gemüse angebrüllt werden, damit es in Onmacht fällt und nicht unnötig leidet. Die einzig erlaubte Phantasie bei der "freien Liebe", die nicht zu schlechtem Karma führt, ist "das Bild eines weißen Pferdes, das im Frühling in ein Kaschmir-Tal hinabgefürt wird". Damit hat Coorg zum Glück keine Probleme, denn schließlich ist er, der von den Hausbewohnern dank eines glücklichen Geburtshoroskopes als "neuer Merlin" verehrt wird, erst vier Jahre alt. Bis zu diesem Punkt ist Frank Ronans Buch in dem leider abgrundtief häßlichen Schutzumschlag eine wirklich witzige Abrechnung mit den abgehobenen und doch so weltlichen Blumenkindern. Doch als dann der Zeitpunkt kommt, als das Oberhaupt der Kommune statt Coorg T.Rex-Frontmann Marc Bolan von als "den Magier" erwählt, leidet nicht nur der Junge, sondern auch der ganze Roman. Wie es der Zufall will, haben Coorgs Großeltern nach Jahren ihre verschwundene Tochter ausfindig gemacht und entführen als pflichtbewußte Katholiken ihren Enkel aus diesem Hort der Unanständigkeiten. Die Erkenntnis, daß das Spießbürgertum in dem Coorg - jetzt Joseph genannt - weiter aufwächst, von außen betrachtet genau solchen absurden Regeln folgt wie die ausgeflippte Hippie-Welt, ist zwar ein interessanter Ansatz, unterhaltsam ist er allerdings nicht. So zieht sich die zweite Hälfte des Buches recht zäh dahin und auch der bissige Humor verliert leider zusehends an Schärfe.

Eichborn 2003
336 Seiten / EUR 19, 90 / ISBN 3-8218-0916-7
© 02. April 2003  WESTZEIT ||| Text: Katrin Nothen
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