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William Burroughs – the name is Burroughs - Expanded Media und Cut-ups Cut-ins Cut-outs - ZKM Karlsruhe / Kunsthalle Wien

Erweiterte Medien, Auf-Schnitte, Ein-Schnitte, Aus-Schnitte – der wortakrobatische Schriftsteller und Schriftstellerdarsteller und Junkie und Beat-Poet und Liebling des musikalischen Undergrounds und Kulturheiliger der Outlaws und homosexuelle Sprachzerstörer William S. Burroughs (1914-1997) erlebt in Karlsruhe und Wien eine wunderbar-wundersame Auferstehung.

Nicht, daß er je richtig weg, out, abgeschnitten war. Nein, denn viele aus Kunst und Literatur und Musik wollen und kommen an ihm nicht vorbei. Was man sich kaum vorstellen kann im eigenen Leben und in dem der anderen: William S. Burroughs war nichts Menschliches fremd, seine Expressivität machte vor nichts Halt, nicht einmal vor dem Tod seiner zweiten Frau Joan Vollmer Adams. Aus „Versehen“ hat er sie erschossen, der morphiumsüchtige Schusswaffennarr, in Mexiko, als er im Zustand der Volltrunkenheit die „Wilhelm Tell“-Szene aus Friedrich von Schillers gleichnamigen Drama nachstellte. Nach einem Aufenthalt in Südamerika reiste Burroughs nach Europa und begann im „Beat Hotel“ in Paris mit der Zettelsammlung für seinen Roman „Naked Lunch“, der 1959 erschien und ihn weltberühmt machte. Der Maler Brion Gysin hatte Burroughs an die „Cut up“-Technik (amerikanisch für Schnipsel, Notizzettel) herangeführt: Textfragmente werden intuitiv zu neuen, offenen Erzählstrukturen zusammengefügt, Manuskriptseiten zerschnitten und in anderer Reihung wieder zusammengeführt. „Life is a cut-up“, sagte William S. Burroughs, und nach dieser Erkenntnis gestaltete er sein Leben zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Drogensucht und Literaturzwang.



Zwei Musseen würdigen fast zeitgleich das umfassende, vom Crossover-Gedanken durchzogene Werk des Autors, der auch für viele Musikrichtungen wie Punk und Acid zum Vorbild wurde und die junge New Yorker Kunstszene der 1980er und 1990er Jahre beeinflusste. Die Kunsthalle Wien beobachtet Burroughs nicht nur mit seinen legendären „Shotgun Paintings“ (er schießt auf Farbdosen, die an Leinwänden hängen und nach dem Schuss ihren Inhalt auf die Fläche verspritzen), er steht auch im Fokus des Dreisatzes Literatur-Musik-Massenkultur. Mehrere mit Brion Gysin zerschnittene, zusammengeklebte, um Text und Bild erweitere Cut-ups aus den 1960er Jahren zeigen akribisch die künstlerische Methode, die untrennbar mit dem Namen Burroughs in Verbindung steht. Die Methode übertrug er auch auf Arbeiten für und mit Tonband, deren Einfluss auf Musiker wie Frank Zappa, Laurie Anderson, Brian Eno, David Bowie oder Lou Reed unüberhörbar sind.



Das Tonband sowie Film und Fotografie stehen im Blickpunkt der Ausstellung im ZKM| Museum für Neue Kunst in Karlsruhe. Insbesondere die Zusammenarbeit mit anderen KünstlerInnen beleuchtet eine Schau, die die visionäre Explosivität des literarischen Schaffens in Verbindung setzt mit der Ausstrahlung seiner ideenreichen, philosophischen Denkweise auf ein Netzwerk weltweit agierender Schriftsteller, Künstler, Musiker, Fotografen, Videokünstler und Filmemacher. Burroughs' Bedeutung für die Medienkunst im allgemeinen zeigt sich in einer besonderen Beziehung zum Haus in Karlsruhe: Er erhielt 1993 als Erster den „Siemens Medienpreis“.
Bis 12.08.2012 – the name is Burroughs - Expanded Media.
ZKM|Museum für Neue Kunst Karlsruhe, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe
Tel.: 0721-8100-0
Geöffnet: mi – fr 10 – 18 Uhr, sa + so 11 – 18 Uhr
Eintritt: 5/3 Euro, Kombitickets 8-10 Euro
Bis 21.10.2012 – Cut-ups Cut-ins Cut-outs – Die Kunst des William S. Burroughs
Kunsthalle Wien, Museumsplatz 1, A – 1070 Wien
Tel.: 0043-1-5218933
Geöffnet: täglich 10 – 19 Uhr, do 10 – 21 Uhr
Eintritt: 8/6 Euro, Kombitickets (Parallelwelt Zirkus + Burroughs) 12/9 Euro
Weitere Infos: www.zkm.de/burroughs www.kunsthallewien.at
© 01. Juli 2012  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Kunst

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